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Mein Hund ist eine Katze

Mein Hund ist eine Katze. Wie kann das sein? Was mag einen Hund dazu treiben, allemal einen Rat Terrier wie Lotta-Filipa, sich wie eine Katze zu gebärden?

Liese-Lotte © GvP

Zugegeben: das frage ich mich auch. Immer dann, wenn ich meine, bei Lotta-Filipa Wesenszüge meiner verstorbenen Katze Liese-Lotte auszumachen. Vom Eigen- und Starrsein, den Katzen und Terriern teilen, abgesehen, verhält sich Hundi vielfach wie Liese-Lotte. Wenn ich abends zur Ruhe komme, auf dem Sofa klassische Musik lausche, kuschelt sich sie an meine Seite. Stupst mich mit der Pfote, auf dass ich sie kraule. Wenn ich im Sessel lese, rollt sie sich auf meinem Schoß zusammen. Ganz so wie ich es von Liese-Lotte gewohnt bin. Fehlt nur, dass Lotta-Filipa zu schnurren beginnt.

Liese-Lotte. 1994 wurde ihr Wurf nächtens im Prenzlauer Berg gefunden. Sie zog bei mir ein, zog verschiedentlich mit mir um. 17 Jahre haben wir Leben geteilt. Sie war dabei, als ich mich beruflich umorientierte,  mich verliebt hatte und mittendrin als die Beziehung nach langer Zeit wieder auseinanderging. Geteiltes Leben – durch dick und dünn.

Im Hochsommer 2011. Abends war sie noch auf meinen Schoß gesprungen. Kraulen auf der Terrasse derweil der Mond aufging. Am nächsten Morgen, einem Sonntag, versagten ihre Organe. Ich orderte den tierärztlichen Notdienst. Liese-Lotte, die seit geraumer Zeit mit Nierenproblemen zu kämpfen hatte, wurde eingeschläfert.

Lotta-Filipa © GvP

Kein Wort über meinen Schmerz. 17 Jahre Leben geteilt . Zwei Jahre nach ihrem Tod erst, begann ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, mit einer anderen Katze zusammenleben zu können. Im Katzenhaus des hiesigen Tierheims brach ich in Tränen aus. Die Pflegerin: „Sie sind für keine neue Katze bereit.“

Ich verließ das Katzenhaus schluchzend und lief Hundi in die Arme, einem 10 Wochen alten Welpen, den man man mager und kränkelnd am Lietzensee ausgesetzt hatte. Ich fremdelte, Hundi kein bißchen. Nach einer Bedenkzeit, während derer ich mich schwer tat, zog Lotta-Filipa statt Katze in Steglitz ein.

Mag sein, dass Lotta-Filipa Liese-Lottes Aura in der Wohnung spürt. Ihr Lieblingsplätzchen ist dort, wo die Katze verstorben ist. Hundis Näpfe stehen da, wo Liese-Lotte  gefressen und getrunken hat. Hundi schläft nächtens im Bett zu meinem Füssen. Ganz so, wie Liese-Lotte. Es könnte sogar sein, dass Lotta-Filipa bei unserem ersten Zusammentreffen im Berliner Tierheim im Juli 2013 gespürt hat, dass ich auf der Suche nach einer Katze gewesen bin. Mag alles sein. Es kann aber auch ganz anders sein, warum Lotta-Filipa gewisse Züge von Liese-Lotte hat.

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Die Halter im Kiez

Vor vier Jahren, genauer gesagt: am 20. Juli 2013, zog Klein-Hundi bei mir in Steglitz ein. Zeit genug also, um ihr Wesen, ihre Reaktionen und Vorlieben zu studieren. Längst kenne ich Lotta-Filipa aus dem FF. – Wie die Hunde und Halter im Kiez inzwischen auch.

Lotta-Filipa © Sabine Münch

Lange Zeit hielt ich es wie Lotta-Filipa : habe mich auf die Hunde konzentriert. Mit wem im Kiez steht sie auf Du und Du? Wen kann sie weniger gut riechen und welchem Artgenossen, der uns im Steglitzer Revier entgegenkommt, gehen wir besser aus dem Weg? Erst nach Monaten dämmerte mir, dass ich diesen Job Lotta-Filipa überlassen sollte. Sie kennt sich mit Ihresgleichen sehr viel besser aus als ich. Noch dazu hatte ich nun die Erfahrung gemacht, dass vielfach nicht die Hunde, sondern deren Halter das Problem sind.

Da gibt es die Sonambulen im Kiez. Nix gegen Traumwandler, aber ein Auge auf seinen frei laufenden Hund sollte man gelegentlich werfen.  Gilt selbstredend auch für jene, die sich statt mit dem Hund mit dem Handy beschäftigen.

Dann gib es solche, die einen Hund offenbar hauptsächlich zu dem Zweck halten,  soziale Kontakte zu anderen Hundehaltern zu knüpfen. Die einen – schlimmstenfalls während der ersten Gassirunde in Allerherrgottsfrühe – in Gespräche verstricken. Aus dem Weg – und zwar nicht nur Frühmorgens – sollte man tunlichst auch jenen Haltern gehen, die keinen blassen Schimmer davon haben, wie Hunde ticken. Die nicht wissen, was es bedeutet, wenn ein Hund den Schwanz kneift. Die ihren mit Karacho auf einen anderen zu rennen lassen, obwohl der sich demonstrativ quiekend auf den Rücken wirft.

In die Kategorie Worst Case fallen auch jene, die die schlechten Seiten ihres Hundes á la „Der tut nichts!“ oder „Das hat der noch nie gemacht!“ herunterspielen. Nicht viel besser sind allerdings auch diejenigen, die aus Liebe zum eigenen Hund erblindet sind. Die  Mobbing mit dem Kommentar „ist das nicht süß, wie meiner hinter Ihrem Hund her ist?“ versehen.

an kurzer Leine © GvP

Von jenen, die ihren Hund so gar nicht im Griff haben, müssen wir hier nicht zu reden. Dafür von einer Spezies, die uns im Kiez das Fürchten lehrte. Jene Halter, die ihrem Hund zwar lange Leine lassen. Ihm aber nichts zutrauen. Dem eigenen Hund nicht vertrauen. Die die Flexileine ebenso wenig unter Kontrolle haben wie ihren Hund,  den sie in fünf, sechs oder gar in acht Meter Entfernung laufen lassen. Die unfähig sind, ihren Hund zu stoppen, und hilflos zuschauen, währenddessen sich die Flexileine mit Lotta-Filipas Leine verheddert und dann um meine Beine wickelt. Ein gemeingefährlicher Kontrollverlust. Für Hundi und mich – für den Flexileinenhalter und den Hund , der daran hängt.

Kurzum: Seitdem wir die Runden im Kiez unseren Fähigkeiten entsprechend auskundschaften, läuft Gassi im Revier zumeist rund. Lotta-Filipa beäugt die Artgenossen und gibt mir unmissverständlich zu verstehen, wem wir auf der Tour aus dem Weg gehen sollten. Nie trügt sie ihr feines Gespür für die Launen der Hunde im Revier. „Du, der kleine Kläffer, der Rehpinscher, der mir nicht zum Bauch reicht, der ist heute echt schlecht drauf.“ Wir wechseln die Straßenseite.

Ich konzentriere mich auf die Halter. Meine ernüchternde Erkenntnis nach vier Jahren: Wir gehen mehr Haltern als Hunden aus dem Weg.

Dogcontent: Lotta-Filipas Tagebuch: Schokowaffeln, Beziehungsphasen und Benimmregeln

15.06.17

War echt mein Tag heute. Besser gesagt  m e i n e  Nacht. Der Reihe nach: in der Küche steht ne Anrichte. Auf der Anrichte steht ne Schale. In der Schale lagert Herrchen Süßes und Salziges. Schon ewig dümpelt dort eine Packung Schokolade-Waffelröllchen vor sich hin. Hallo! Schokolade-Waffelröllchen… Dümpeln in einer Schale auf der Anrichte in der Küche vor sich hin. No go! Seit Wochen bin ich in Sorge, die Röllchen könnten ungenießbar werden. Nicht auszumalen, was dann kommt. Herrchen entsorgt Schokolade-Waffelröllchen … Hallo, Ihr stimmt mir doch zu: Lebensmittel isst man. Man lässt sie nicht verderben!

kann kein Wässerchen trüben © GvP

Aus Gründen schlich ich mich deshalb – als Gesine gestern fest schlief – nächtens in die Küche. Meinen lange gehegten Plan zu realisieren, die Waffelröllchen wegen des immer näher rückenden Verfallsdatums in Sicherheit zu bringen. Das Glück war meiner hold. Kaum war ich in der Küche, fiel die Küchentüre – weil Durchzug – zu. Ich atmete durch. Sorgen um nächtliche Ruhestörungen brauchte ich mir nun keine mehr zu machen.

Und da ich Zeit hatte, ging ich akribisch vor. Ich bin nämlich keiner, der Packungen hektisch aufreißt. Erst vorsichtig den Karton an den geklebten Kanten auseinanderpulen. Dann mit Umsicht am verschweißten Ende vom Cellophan so lange herumknabbern bis die Öffnung groß genug ist, um die Weichplastikschale mit den darin lagernden Waffelröllchen unbeschadet herausbefördern zu können.

War echt mühsam. Ob meiner Anstrengung, Lebensmittel vorm Verfallsdatum zu retten, kam der Genuss leider etwas zu kurz. Als Herrchen (wie vom Blitz getroffen) morgens in der Küche stand, hatte ich mir von den 12 Schoko-Waffelröllchen lediglich 10 einverleibt!

BTW: Geschimpft hat Herrchen nicht. Warum auch? Mich haben ja allerbeste Absichten zu den Waffelröllchen getrieben. Mein Frühstück das allerdings fiel aus. War nicht weiter schlimm. So richtig Hunger hatte ich nämlich nicht.

10.06.

Heute Abend, wir durch den Kiez. Leinenlos; ich brav bei Fuß. Wie Herrchen hier berichtet hat, sind wir nämlich in der dritten Beziehungsphase angekommen. Jener herrlichen Zeit, in der Sicherheit und Vertrauen Selbstverständlichkeiten sind. Was nach Herrchens Logik meint, dass ich brav bei Fuß gehe, obwohl das ziemlich langweilig ist … Entre nous: Nicht herrlich. Ätzend!

Sicherheit und Vertrauen © Sabine Münch

Wie auch immer. Auf dem Nachhauseweg hört Gesine das nicht, was ich mit meinem feinen Gehör überdeutlich höre. Nämlich dass Onkel Achim vom gegenüberliegenden Bürgersteig „huhu“ ruft. Selbstverständlich bin ich sofort rüber gerannt, um Onkel Achim und Mops Käthe „Guten Abend“ zu sagen. Das gehört sich ja so. Einen lieben Gruß – den erwidert man persönlich. Face to face!

Zu meiner Verblüffung reagierte Gesine heute völlig anders als noch in Phase 1 und 2 unsrer Beziehung. Damals hat sie „Lotta nein, nicht über die Straße. Bleib bei mir“ gerufen. Um nicht zu sagen, hysterisch gekreischt. Woraufhin ich, kaum drüben angekommen, wieder über die Straße zurück zu Gesine gerast bin. Wenn Herrchen hysterisch schreit, dann bleibt einem ja nix anders … Wäre übrigens einmal beinahe schief gegangen. Hätte das Auto, das just entlang kam, nicht scharf gebremst.

Heute war alles anders. Bekanntlich haben wir ja Phase 3 unserer Beziehung erreicht, für die Sicherheit und Vertrauen charakteristisch sind. So Paarpsychologen. Herrchen hielt jedenfalls die Klappe als ich rüber gerannt bin. Wechselte wortlos die Straßenseite, um Onkel Achim zu beschimpfen: Warum der „huhu“ ruft und mich verführt, über die Straße zu rennen? – Ich meine ja, von Benimm hat Herrchen keinen blassen Schimmer.

26.03.

Jagdinstinkt © GvP

Hab‘ heute ein Baby-Eichhörnchen gestellt! Leichte Beute. Hab‘ die Rechnung nicht mit Herrchen gemacht. Als Gesine mitkriegte, hinter was ich im Jagdfieber her bin, befleißigte sie sich eines Tones, der mich in Schockstarre versetzt hat. Das Baby-Eichhörnchen wusste seine Chance zu nutzen …

Jetzt hadert Herrchen mit sich. Und zwar etwa nicht deshalb, weil sie meinen Jagdtrieb unter ihre Kontrolle gebracht hat. Sondern weil sie ein schlechtes Gewissen hat. Was wird mit dem Baby-Eichhörnchen? – Krasse Vorstellung: Herrchen und ich peppeln in Steglitz gemeinsam ein Baby-Eichhörnchen auf.  – Die Gesine, die tickt doch nicht richtig!