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Dogcontent: Lotta-Filipas Tagebuch: Schokowaffeln, Beziehungsphasen und Benimmregeln

15.06.17

War echt mein Tag heute. Besser gesagt  m e i n e  Nacht. Der Reihe nach: in der Küche steht ne Anrichte. Auf der Anrichte steht ne Schale. In der Schale lagert Herrchen Süßes und Salziges. Schon ewig dümpelt dort eine Packung Schokolade-Waffelröllchen vor sich hin. Hallo! Schokolade-Waffelröllchen… Dümpeln in einer Schale auf der Anrichte in der Küche vor sich hin. No go! Seit Wochen bin ich in Sorge, die Röllchen könnten ungenießbar werden. Nicht auszumalen, was dann kommt. Herrchen entsorgt Schokolade-Waffelröllchen … Hallo, Ihr stimmt mir doch zu: Lebensmittel isst man. Man lässt sie nicht verderben!

kann kein Wässerchen trüben © GvP

Aus Gründen schlich ich mich deshalb – als Gesine gestern fest schlief – nächtens in die Küche. Meinen lange gehegten Plan zu realisieren, die Waffelröllchen wegen des immer näher rückenden Verfallsdatums in Sicherheit zu bringen. Das Glück war meiner hold. Kaum war ich in der Küche, fiel die Küchentüre – weil Durchzug – zu. Ich atmete durch. Sorgen um nächtliche Ruhestörungen brauchte ich mir nun keine mehr zu machen.

Und da ich Zeit hatte, ging ich akribisch vor. Ich bin nämlich keiner, der Packungen hektisch aufreißt. Erst vorsichtig den Karton an den geklebten Kanten auseinanderpulen. Dann mit Umsicht am verschweißten Ende vom Cellophan so lange herumknabbern bis die Öffnung groß genug ist, um die Weichplastikschale mit den darin lagernden Waffelröllchen unbeschadet herausbefördern zu können.

War echt mühsam. Ob meiner Anstrengung, Lebensmittel vorm Verfallsdatum zu retten, kam der Genuss leider etwas zu kurz. Als Herrchen (wie vom Blitz getroffen) morgens in der Küche stand, hatte ich mir von den 12 Schoko-Waffelröllchen lediglich 10 einverleibt!

BTW: Geschimpft hat Herrchen nicht. Warum auch? Mich haben ja allerbeste Absichten zu den Waffelröllchen getrieben. Mein Frühstück das allerdings fiel aus. War nicht weiter schlimm. So richtig Hunger hatte ich nämlich nicht.

10.06.

Heute Abend, wir durch den Kiez. Leinenlos; ich brav bei Fuß. Wie Herrchen hier berichtet hat, sind wir nämlich in der dritten Beziehungsphase angekommen. Jener herrlichen Zeit, in der Sicherheit und Vertrauen Selbstverständlichkeiten sind. Was nach Herrchens Logik meint, dass ich brav bei Fuß gehe, obwohl das ziemlich langweilig ist … Entre nous: Nicht herrlich. Ätzend!

Sicherheit und Vertrauen © Sabine Münch

Wie auch immer. Auf dem Nachhauseweg hört Gesine das nicht, was ich mit meinem feinen Gehör überdeutlich höre. Nämlich dass Onkel Achim vom gegenüberliegenden Bürgersteig „huhu“ ruft. Selbstverständlich bin ich sofort rüber gerannt, um Onkel Achim und Mops Käthe „Guten Abend“ zu sagen. Das gehört sich ja so. Einen lieben Gruß – den erwidert man persönlich. Face to face!

Zu meiner Verblüffung reagierte Gesine heute völlig anders als noch in Phase 1 und 2 unsrer Beziehung. Damals hat sie „Lotta nein, nicht über die Straße. Bleib bei mir“ gerufen. Um nicht zu sagen, hysterisch gekreischt. Woraufhin ich, kaum drüben angekommen, wieder über die Straße zurück zu Gesine gerast bin. Wenn Herrchen hysterisch schreit, dann bleibt einem ja nix anders … Wäre übrigens einmal beinahe schief gegangen. Hätte das Auto, das just entlang kam, nicht scharf gebremst.

Heute war alles anders. Bekanntlich haben wir ja Phase 3 unserer Beziehung erreicht, für die Sicherheit und Vertrauen charakteristisch sind. So Paarpsychologen. Herrchen hielt jedenfalls die Klappe als ich rüber gerannt bin. Wechselte wortlos die Straßenseite, um Onkel Achim zu beschimpfen: Warum der „huhu“ ruft und mich verführt, über die Straße zu rennen? – Ich meine ja, von Benimm hat Herrchen keinen blassen Schimmer.

26.03.

Jagdinstinkt © GvP

Hab‘ heute ein Baby-Eichhörnchen gestellt! Leichte Beute. Hab‘ die Rechnung nicht mit Herrchen gemacht. Als Gesine mitkriegte, hinter was ich im Jagdfieber her bin, befleißigte sie sich eines Tones, der mich in Schockstarre versetzt hat. Das Baby-Eichhörnchen wusste seine Chance zu nutzen …

Jetzt hadert Herrchen mit sich. Und zwar etwa nicht deshalb, weil sie meinen Jagdtrieb unter ihre Kontrolle gebracht hat. Sondern weil sie ein schlechtes Gewissen hat. Was wird mit dem Baby-Eichhörnchen? – Krasse Vorstellung: Herrchen und ich peppeln in Steglitz gemeinsam ein Baby-Eichhörnchen auf.  – Die Gesine, die tickt doch nicht richtig!