Archiv für den Monat Februar 2017

Ein kolossales Missverständnis

Viel ist darüber zu hören und zu lesen, dass Hunde uns problemlos verstehen. Jüngst wies eine wissenschaftliche Studie auch nach, dass Hunde Sprache ähnlich verarbeiten wie das menschliche Gehirn.

Ich meine ja, es handelt sich um ein Missverständnis. Um ein kolossales Missverständnis! Ist es nicht vielmehr so, dass sich der Haushund in seiner Jahrtausende langen Entwicklungsgeschichte die Fertigkeit angeeignet hat, uns abzurichten, seine Art richtig zu verstehen? Die Wünsche, Bedürfnisse, Stimmungen des „Canis lupus familiaris“ zwar nicht von dessen Lippen abzulesen? Wohl aber aus dessen Körperhaltung und dem Gebaren abzuleiten?

Ohren auf Durchzug © GvP
Ohren auf Durchzug © GvP
Schlagender Beweis für diese These, die allen Mythen über die gar wundersame Mensch-Hund-Beziehung widerspricht, die via verbaler Kommunikation funktionieren soll: Lotta-Filipa.

Ich kann noch so deutlich – gelegentlich sogar wehleidig – lamentieren, dass ihr Gezerre an der Leine meinem lädierten linken Knie wehtut. Ihr tausendfach expressis verbis erklären, warum ich nicht ihr Balljunge bin oder weshalb ein abgenagter Knochen weder ins Bad und schon gar nicht ins Schlafzimmer gehört. Lotta-Filipa versteht mich nicht!

Warum läuft unsere Beziehung trotzdem rund? Warum kommen wir dennoch so wunderbar miteinander aus? Weil Lotta-Filipa MIR beigebracht hat, sie zu verstehen.

Ein sehnsüchtig erwartender Blick: Ich lasse ein Leckerli springen… Ein Taps mit der Pfote auf meine Hand: Ich kraule Hundis Ohren… Ein wohl dosierter Schlag gegen das Buch, das ich lese, kombiniert mit einer auffordernden Spielhaltung: Ich krieche unters Sofa, um das Bällchen hervorzuholen… Ein heftig wedelnder Schwanz: Ich kicke das Bällchen…

Umgekehrt wird daraus übrigens ein Schuh. Ein Fingerzeig von mir. Lotta-Filipa versteht mich aufs Wort. – Nee! Eben nicht aufs Wort!

Ohne Worte! Deshalb läuft das mit der Hund-Mensch-Beziehung seit Jahrtausenden rund. – Der „Canis lupus familiaris“ hat uns gelehrt, Lippen zu lesen.

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