Herrchen, nachsitzen!

Seit geraumer Zeit treibt mich dieser Gedanke um: Privatlehrer! Man mag das gerne elitär nennen und dagegen halten: Warum sollte eine dreijährige Hündin, die die obligatorische Welpenschule, dann Grundkurs I und Grundkurs II und im Anschluss daran den Kurs „Speech less“ erfolgreich absolviert hat, einen Privatlehrer nötig haben?

die Ruhe weg © GvP
die Ruhe weg © GvP
Ehrlich gesagt habe ich mich das auch gefragt, ob mein Vorhaben eine nur überkandidelte Attitüde einer Helikopter-Hundehalterin sein könnte. Lotta-Filipa ist lieb, sozial überaus verträglich und völlig unauffällig. Sie kann „sitz“, „platz“, „bleib“, „warte“, „gehen“ und „langsam“ aus dem FF. Hundi jagt keinen Joggern und Fahrradfahrern nach, stürzt sich nicht Zähne fletschend auf kleine Kinder, macht nichts kaputt, verhält sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln brav, schnappt nicht nach Fingern und beißt nicht in Waden, auch in die vom Postboten nicht.

Kurzum: es gab überhaupt keine Veranlassung, Hundi etwas an- oder gar abtrainieren zu wollen. Dass mich der Gedanke trotzdem nicht losließ, einen Privatlehrer zu engagieren, hatte weniger mit Lotta-Filipa zu tun. Vielmehr plagte mich das schlechte Gewissen, dass das, was ich ihr biete, nicht hinreicht, um einen quirligen Rat-Terrier auszulasten. Schließlich leben wir in einer schrecklich hektischen und entsetzlich dreckigen Großstadt, die sich immer hunde-unfreundlicher gibt. Noch dazu sitze ich tagein tagaus stundenlang am Schreibtisch, habe keinen Garten und auch kein Auto, was ich in Berlin dringend bräuchte, um jene Gebiete ohne größere Umstände zu erreichen, in denen Hunde frei laufen können.

die Nase arbeitet © GvP
die Nase arbeitet © GvP
Die Hundetrainerin setzte mich auf den Topf. Mit meinen permanenten Bemühungen, das auszugleichen, was einem quirligen Rat-Terrier vermeintlich fehlt, habe ich Hundi komplett überfordert. Artgerecht ist das nämlich nicht, abends in der Wohnung zu kicken oder mittags im Park hinter Bällchen her zu wetzen.

Wir sind auf Entzug: nichts mehr, was rollt oder fliegt. Stattdessen steht konzentriertes Arbeiten mit den Sinnen an. Und das scheint Lotta-Filipa besser zu bekommen als unsere temporeichen Spiele. Bereits nach wenigen Tagen erscheint sie mir ausgelasteter und  ausgeglichener. Außerdem habe ich den Eindruck, dass sich ihre Leinenläufigkeit verbessert hat und ihre Bindung zu mir noch stärker geworden ist.

Privatlehrer? Das war eine super Idee von mir. Zwar strengten mich die 1 ½ Unterrichtsstunden mehr an als Lotta-Filipa, da mir Daniela gehörig die Leviten gelesen hat. Wer hört sich zum Beispiel gerne an, dass der Hund von einem denkt, man sei eine Witzbudenfigur? – Ob ich mir das wieder antue? Ganz bestimmt!

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Ein Gedanke zu “Herrchen, nachsitzen!

  1. Ich finde es prima, dass Du Dir einen Hundetrainer geholt hast, auch wenn es augenscheinlich keine Probleme gab.

    Ich denke, dass wir unsere Beziehung zu unseren Hunden immer verbessern können. Ich gehe in der Regel auf einige Seminare und Workshops mit Socke. Dort lernen wir nicht nur etwas Neues, sondern unser Miteinander wird von Dritten beobachtet und wir bekommen Tricks und Hilfestellung. Ich profitiere immer sehr davon. Leider habe ich es – wegen der Erkrankung des Socke-nHlaters – im letzten Jahr nicht geschafft, an einem solchen Seminar teilzunehmen, aber ich möchte es gerne wieder tun….

    Einen privaten Hundetrainer würde ich mir auch immer ins Haus holen, während ich von Gruppenkursen in der Hundeschule nicht viel halte.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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