Hip? Lieber oll!

Lotta-Filipa ist nicht nur ein rundum glücklicher Hund, auch ein ziemlich begüteter. Ihre Besitztümer, die sich während unseres dreijährigen Zusammenlebens angehäuft haben, füllen ganze drei Schachteln. Nicht etwa Schuhschachteln, sondern Hutschachteln beträchtlicher Größe, die aus dem Nachlass einer meiner Vorfahrinnen stammen, die dem letzten deutschen Kaiserpaar bei Hof verschiedentlich Gesellschaft geleistet hat.

glücklich und reich! © GvP
glücklich und reich! © GvP
Um keine falschen Vorstellungen zu wecken: Die Hutschachteln meiner Großmutter väterlicherseits beinhalten das nicht, für das keine Vergnügungssteuer fällig wäre, so eine in Sachen Hunden erhoben würde. Lotta-Filipas Grundausstattung, die in keinem Mengenverhältnis zu ihrem Spielzeug steht, lagert extra. Fünf Halsbänder nebst zweien, die bei Dunkelheit leuchten, zwei Leinen aus Leder, eine in schwarz, die andere in rot, eine bunte Gekordelte, die seit gut zwei Jahren auf ihren ersten Einsatz wartet, einem Geschirr für Trainingszwecke, das Welpengeschirr, in das Hundi  längst nicht mehr passt, ein Maulkorb, den Hundehalter in Berlin bei Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf Verlangen wenigstens vorzeigen sollten, eine Hundetasche zu Demonstrationszwecken für die Schaffner bei Reisen mit der Deutschen Bahn (ohne Tasche zahlt ein kleiner Hund den vollen Preis), eine Zeckenzange (dank Spot-On noch unbenutzt), ein zusammenklappbarer Napf für unterwegs, ein Hundeshampoo, das speziell für das Fell von Terriern entwickelt wurde, und Spray für die Ballen, damit Hundis Pfoten bei Eis, Schnee und Hitze keinen Schaden nehmen.

das "große Mäh" © GvP
das „große Mäh“ © GvP
Um abermals keine falschen Vorstellungen zu wecken: Nicht gelagert, weil im ständigen Gebrauch, werden die beiden Näpfe, einer für Wasser, der andere für Frühstück und Abendbrot, das Kuschelkissen im Wohnzimmer von Lilli & Lollo, ein Wohlfühlkörbchen zum Schlummern in meinem Schlafzimmer, ein Lieblingskörbchen, noch aus Lotta-Filipas Kindertagen, an meiner Arbeitsstätte, diverse Handtücher zum Abrubbeln nach Regengüssen oder Badevergnügen und – nicht zu vergessen – Kotbeutel in gelb, rot und schwarz en masse.

Nun mag man bei der Aufzählung gerne den Kopf schütteln. Ich halte dagegen: Die genannte Grundausstattung ist ein Muss. Dass sie in den ersten drei Jahren umfangreicher wurde, liegt in der Natur der Sache. Der Hund wächst – bildlich gesprochen: aus dem Welpengeschirr heraus – und entdeckt die Welt. Damit verändern sich die Bedürfnisse des Hundes. Es liegt auf der Hand, dass die Ansprüche des Halters mitwachsen. Schließlich braucht der ja auch ab und zu ein Paar neue Schuhe oder ein neues Kopfkissen. Warum nicht eine neue Leine für den Hund?

Balljunkie © GvP
Balljunkie © GvP
Zugegeben: Völlig anders verhält es sich mit den vielen Sachen zum Spielen, die in den Hutschachteln meiner Großmutter Helene aufbewahrt werden. Mit Hundis Bedürfnissen haben sie eher nichts gemein. Hundi hat am „kleinen Mäh“ (bekam Lotta-Filipa anlässlich ihres Einzuges in Steglitz), am „großen Mäh“ (ihr Geschenk zum ersten Geburtstag) und an allem genug, was rollt, vorzugsweise an Bällchen. Freilich habe ich während unseres Zusammenlebens das Vergnügen entdeckt, hipes Spielzeug ausfindig zu machen, von dem ich meine, nicht mir eine Freude zu machen, sondern Lotta-Filipa. Keine leichte Übung übrigens, da die Hersteller von Hunde-Spielzeug nicht gerade mit Einfallsreichtum gesegnet sind.

Shopping bei Zoo Burkart © Sabine Münch
Shopping bei Zoo Burkart © Sabine Münch
Finde ich etwas, von dem mir deucht, dass Hundi Spaß damit haben könnte, nehme ich es mit. Wie den pinkfarbenen Bumerang bei Zoo Burkart in Freiburg vergangene Woche. Vor dem Test, wie Lotta-Filipa damit agiert, machte ich mich im Internet über die Flugeigenschaften eines Bumerangs schlau und wie man ihn bestenfalls wirft, damit der Hund größtmögliches Vergnügen daran hat. Mein Wurf war grandios. Der Bumerang segelte elegant über die Wiese im Erlenbusch. Und Lotta-Filipa? War nicht hinter dem Bumerang her. Machte  stande pede kehrt, um schnüffelnd im Gebüsch zu verschwinden. Nach einigen Minuten kehrte Hundi glücklich hechelnd mit einem ollen, ausrangierten Tennisball im Maul zurück. „Schau mal, was ich Tolles gefunden habe. Wirfst du bitte?“

Die Konsequenz aus der Geschichte: Der Bumerang blieb auf der Wiese liegen. – Gegebenenfalls kaufe ich Lotta-Filipa noch eine Leine oder das sechste Halsband. Aber sicher kein hipes Spielzeug mehr!

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