Archiv für den Monat September 2016

Herrchen, nachsitzen!

Seit geraumer Zeit treibt mich dieser Gedanke um: Privatlehrer! Man mag das gerne elitär nennen und dagegen halten: Warum sollte eine dreijährige Hündin, die die obligatorische Welpenschule, dann Grundkurs I und Grundkurs II und im Anschluss daran den Kurs „Speech less“ erfolgreich absolviert hat, einen Privatlehrer nötig haben?

die Ruhe weg © GvP
die Ruhe weg © GvP
Ehrlich gesagt habe ich mich das auch gefragt, ob mein Vorhaben eine nur überkandidelte Attitüde einer Helikopter-Hundehalterin sein könnte. Lotta-Filipa ist lieb, sozial überaus verträglich und völlig unauffällig. Sie kann „sitz“, „platz“, „bleib“, „warte“, „gehen“ und „langsam“ aus dem FF. Hundi jagt keinen Joggern und Fahrradfahrern nach, stürzt sich nicht Zähne fletschend auf kleine Kinder, macht nichts kaputt, verhält sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln brav, schnappt nicht nach Fingern und beißt nicht in Waden, auch in die vom Postboten nicht.

Kurzum: es gab überhaupt keine Veranlassung, Hundi etwas an- oder gar abtrainieren zu wollen. Dass mich der Gedanke trotzdem nicht losließ, einen Privatlehrer zu engagieren, hatte weniger mit Lotta-Filipa zu tun. Vielmehr plagte mich das schlechte Gewissen, dass das, was ich ihr biete, nicht hinreicht, um einen quirligen Rat-Terrier auszulasten. Schließlich leben wir in einer schrecklich hektischen und entsetzlich dreckigen Großstadt, die sich immer hunde-unfreundlicher gibt. Noch dazu sitze ich tagein tagaus stundenlang am Schreibtisch, habe keinen Garten und auch kein Auto, was ich in Berlin dringend bräuchte, um jene Gebiete ohne größere Umstände zu erreichen, in denen Hunde frei laufen können.

die Nase arbeitet © GvP
die Nase arbeitet © GvP
Die Hundetrainerin setzte mich auf den Topf. Mit meinen permanenten Bemühungen, das auszugleichen, was einem quirligen Rat-Terrier vermeintlich fehlt, habe ich Hundi komplett überfordert. Artgerecht ist das nämlich nicht, abends in der Wohnung zu kicken oder mittags im Park hinter Bällchen her zu wetzen.

Wir sind auf Entzug: nichts mehr, was rollt oder fliegt. Stattdessen steht konzentriertes Arbeiten mit den Sinnen an. Und das scheint Lotta-Filipa besser zu bekommen als unsere temporeichen Spiele. Bereits nach wenigen Tagen erscheint sie mir ausgelasteter und  ausgeglichener. Außerdem habe ich den Eindruck, dass sich ihre Leinenläufigkeit verbessert hat und ihre Bindung zu mir noch stärker geworden ist.

Privatlehrer? Das war eine super Idee von mir. Zwar strengten mich die 1 ½ Unterrichtsstunden mehr an als Lotta-Filipa, da mir Daniela gehörig die Leviten gelesen hat. Wer hört sich zum Beispiel gerne an, dass der Hund von einem denkt, man sei eine Witzbudenfigur? – Ob ich mir das wieder antue? Ganz bestimmt!

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Hip? Lieber oll!

Lotta-Filipa ist nicht nur ein rundum glücklicher Hund, auch ein ziemlich begüteter. Ihre Besitztümer, die sich während unseres dreijährigen Zusammenlebens angehäuft haben, füllen ganze drei Schachteln. Nicht etwa Schuhschachteln, sondern Hutschachteln beträchtlicher Größe, die aus dem Nachlass einer meiner Vorfahrinnen stammen, die dem letzten deutschen Kaiserpaar bei Hof verschiedentlich Gesellschaft geleistet hat.

glücklich und reich! © GvP
glücklich und reich! © GvP
Um keine falschen Vorstellungen zu wecken: Die Hutschachteln meiner Großmutter väterlicherseits beinhalten das nicht, für das keine Vergnügungssteuer fällig wäre, so eine in Sachen Hunden erhoben würde. Lotta-Filipas Grundausstattung, die in keinem Mengenverhältnis zu ihrem Spielzeug steht, lagert extra. Fünf Halsbänder nebst zweien, die bei Dunkelheit leuchten, zwei Leinen aus Leder, eine in schwarz, die andere in rot, eine bunte Gekordelte, die seit gut zwei Jahren auf ihren ersten Einsatz wartet, einem Geschirr für Trainingszwecke, das Welpengeschirr, in das Hundi  längst nicht mehr passt, ein Maulkorb, den Hundehalter in Berlin bei Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf Verlangen wenigstens vorzeigen sollten, eine Hundetasche zu Demonstrationszwecken für die Schaffner bei Reisen mit der Deutschen Bahn (ohne Tasche zahlt ein kleiner Hund den vollen Preis), eine Zeckenzange (dank Spot-On noch unbenutzt), ein zusammenklappbarer Napf für unterwegs, ein Hundeshampoo, das speziell für das Fell von Terriern entwickelt wurde, und Spray für die Ballen, damit Hundis Pfoten bei Eis, Schnee und Hitze keinen Schaden nehmen.

das "große Mäh" © GvP
das „große Mäh“ © GvP
Um abermals keine falschen Vorstellungen zu wecken: Nicht gelagert, weil im ständigen Gebrauch, werden die beiden Näpfe, einer für Wasser, der andere für Frühstück und Abendbrot, das Kuschelkissen im Wohnzimmer von Lilli & Lollo, ein Wohlfühlkörbchen zum Schlummern in meinem Schlafzimmer, ein Lieblingskörbchen, noch aus Lotta-Filipas Kindertagen, an meiner Arbeitsstätte, diverse Handtücher zum Abrubbeln nach Regengüssen oder Badevergnügen und – nicht zu vergessen – Kotbeutel in gelb, rot und schwarz en masse.

Nun mag man bei der Aufzählung gerne den Kopf schütteln. Ich halte dagegen: Die genannte Grundausstattung ist ein Muss. Dass sie in den ersten drei Jahren umfangreicher wurde, liegt in der Natur der Sache. Der Hund wächst – bildlich gesprochen: aus dem Welpengeschirr heraus – und entdeckt die Welt. Damit verändern sich die Bedürfnisse des Hundes. Es liegt auf der Hand, dass die Ansprüche des Halters mitwachsen. Schließlich braucht der ja auch ab und zu ein Paar neue Schuhe oder ein neues Kopfkissen. Warum nicht eine neue Leine für den Hund?

Balljunkie © GvP
Balljunkie © GvP
Zugegeben: Völlig anders verhält es sich mit den vielen Sachen zum Spielen, die in den Hutschachteln meiner Großmutter Helene aufbewahrt werden. Mit Hundis Bedürfnissen haben sie eher nichts gemein. Hundi hat am „kleinen Mäh“ (bekam Lotta-Filipa anlässlich ihres Einzuges in Steglitz), am „großen Mäh“ (ihr Geschenk zum ersten Geburtstag) und an allem genug, was rollt, vorzugsweise an Bällchen. Freilich habe ich während unseres Zusammenlebens das Vergnügen entdeckt, hipes Spielzeug ausfindig zu machen, von dem ich meine, nicht mir eine Freude zu machen, sondern Lotta-Filipa. Keine leichte Übung übrigens, da die Hersteller von Hunde-Spielzeug nicht gerade mit Einfallsreichtum gesegnet sind.

Shopping bei Zoo Burkart © Sabine Münch
Shopping bei Zoo Burkart © Sabine Münch
Finde ich etwas, von dem mir deucht, dass Hundi Spaß damit haben könnte, nehme ich es mit. Wie den pinkfarbenen Bumerang bei Zoo Burkart in Freiburg vergangene Woche. Vor dem Test, wie Lotta-Filipa damit agiert, machte ich mich im Internet über die Flugeigenschaften eines Bumerangs schlau und wie man ihn bestenfalls wirft, damit der Hund größtmögliches Vergnügen daran hat. Mein Wurf war grandios. Der Bumerang segelte elegant über die Wiese im Erlenbusch. Und Lotta-Filipa? War nicht hinter dem Bumerang her. Machte  stande pede kehrt, um schnüffelnd im Gebüsch zu verschwinden. Nach einigen Minuten kehrte Hundi glücklich hechelnd mit einem ollen, ausrangierten Tennisball im Maul zurück. „Schau mal, was ich Tolles gefunden habe. Wirfst du bitte?“

Die Konsequenz aus der Geschichte: Der Bumerang blieb auf der Wiese liegen. – Gegebenenfalls kaufe ich Lotta-Filipa noch eine Leine oder das sechste Halsband. Aber sicher kein hipes Spielzeug mehr!