Gewissenskonflikte

Es steht ihr ins Gesicht geschrieben, wenn zwei Seiten in Lotta-Filipas Brust schlagen: Soll ich oder soll ich nicht? Darf ich, oder nicht? Etwa wenn wir im Erlenbusch getollt haben und ich die Leine zücke. Ein unmissverständliches Zeichen zum Aufbruch, das Hundi richtig interpretiert. Schluss mit lustig! Zu Herrchen laufen, Sitz machen und an die Leine nehmen lassen. Das funktioniert in der Regel genau so. Aber, nicht immer auf Anhieb.

darf ich, oder etwa nicht? © GvP
darf ich, oder etwa nicht? © GvP

In diesen Momenten muss ich an ein bockiges Kind denken: Nein, ich gehe nicht nach Hause. NEIN. Ich will weiter draußen spielen! Fehlte nur noch, dass Hundi trotzig mit der Pfote aufstampft. Da Lotta-Filipa diese Geste abgeht, versucht sie auf anderen Wegen, ihren Willen durchzusetzen. Entweder geht sie zu mir und der Leine auf Distanz („hihi, du kriegst mich nicht!“) oder sie versteckt sich im Gebüsch („hihi, du siehst mich nicht!“). Alsbald packen sie  Skrupel. Hundi schaut frech aus ihrem Versteck heraus („du siehst mich doch?“) oder sie nähert sich einige Meter („auf diese kurze Distanz könntest du mich eventuell kriegen!?“). Ich lasse mich davon nicht mehr ins Buchshorn jagen, ignoriere ihre Manöver und trete den Heimweg an. Und schon rennt Hundi reumütig hinter mir her.

Sakrileg © GvP
Sakrileg © GvP

Ich meine, auf Lotta-Filipas Gewissen ist Verlass. Sie hat ein feines Gespür dafür entwickelt, was ich toleriere, und was nicht. Klaubt sie draußen beispielsweise etwas Fressbares vom Boden auf, dann schaut sie  – gesetzt den Fall der Tabubruch wurde von mir bemerkt – schuldbewusst zu mir auf: „Schau mal, ich habe etwas ganz besonders Leckeres im Maul. Darf ich das ausnahmsweise runterschlingen?“

Keinerlei Skrupel kennt Lotta-Filipa allerdings, wenn es um Bälle geht. Die trägt sie wie Trophäen; wer ihr ein Bällchen nehmen will, begeht ein Sakrileg. Gestern auf dem Rückmarsch aus dem Erlenbusch. Ein staatlicher Rüde stellt sich uns in den Weg, knurrt aggressiv. Unter anderen Umständen setzt sich Hundi für uns ein. Sie wiegelt ab, gegebenenfalls bellt oder knurrt sie zurück: „Du tust uns nichts!“ Mit einem Bällchen im Mund geht das frelich nicht. – Kaum zu Hause plagt sie das schlechte Gewissen. Das Bällchen lässt Lotta-Filipa demonstrativ fallen: „Nimm. Das ist für dich.“

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