Gegen Wildschwein-Chanel kommt Hundeschampoo nicht an

Als ich vor 33 Monaten auf Lotta-Filipa gekommen bin, war mir der Hund ein unbekanntes Wesen. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie er tickt, und keine Ahnung, wie man mit einem Hund umgeht, geschweige denn, wie man ihn erzieht. So gesehen gleicht das einem Wunder, dass Lotta-Filipa recht gut geraten ist.

Schmuddelkind © GvP
Schmuddelkind © GvP

Es liegt auf der Hand, dass dem Grünschnabel auch nicht bekannt war, dass sich Hunde gerne wälzen und zwar vorzugsweise darin, was dem Menschen olfaktorisch zum Himmel stinkt. Warum sie das tun, ist unter Fachleuten umstritten. Die einen behaupten, dass Hunde, die sich in Aas wälzen, dem Rudel eine Botschaft überbringen: „Riecht Ihr das? Ich habe lecker Futter entdeckt. Folgt meiner Spur!“ Andere meinen, dass sie so den eigenen Geruch überdecken, um dadurch für mögliche Feinde weniger gut erkennbar zu sein: „Hast du was auf der Nase, Bär? Ich rieche nach Fuchs. Nicht nach Hund!“

Klein-Hundi wälzte sich am liebsten quietschend im Gras. Wie niedlich! Sie war ein knappes halbes Jahr alt als wir uns gemeinsam zu einer Projektbesprechung in der östlichen Peripherie der Hauptstadt aufmachten. Eine geschlagene Stunde mit der S-Bahn, dann noch einige Stationen mit dem Bus über Land und schließlich ein Fußmarsch entlang abgeernteten Feldern. Auf dem Rückweg ließ ich Klein-Hundi freien Lauf. Sie tollte und rollte sich glückselig auf dem Acker. Bis mich eine Spaziergängerin mit Hund ansprach: „Riechen Sie das nicht? Die Felder sind frisch gedüngt. Deshalb bleibt meiner an der Leine.“

Zunächst war mir nicht klar, was mir die Frau vermitteln wollte und was frisch ausgebrachte Gülle mit Lotta-Filipa zu tun haben sollte. Erst in der S-Bahn, als es sich Klein-Hundi auf meinem Schoß bequem gemacht hatte, stieg mir ihre Botschaft unmissverständlich in die Nase. Zu meinem Pech dauerte es nur kurz, bis andere Fahrgäste das auch rochen, was mir entsetzlich peinlich war. Abschätzige Blicke, Getuschel, die ersten Passagiere rückten von uns ab. Gegen Ende der einstündigen Fahrt harrte nur ein abgebrühter Penner mit uns im Abteil aus.

in der Wanne © GvP
in der Wanne © GvP

Zuhause in Steglitz kam Klein-Hundi in die Badewanne, mein Mantel in die Reinigung. Seit dem beschämenden Erlebnis versuche ich, schnellst möglich zur Stelle zu sein, wenn Lotta-Filipa Anstalten macht, sich wälzen zu wollen. Egal, in was! Des Öfteren gelingt es mir sogar, ihr den Spaß an der Sache zu verderben, manchmal ist Hundis Natur stärker als mein Wille und bisweilen bin ich einfach zu spät oder gar nicht zur Stelle. So vor einigen Tagen, als sich Lotta-Filipa außerhalb meiner Reich- und Sichtweite im Wald genüsslich tat. Wie der Blitz tauchte sie nach einer gewissen Weile außer Atem, aber super-glücklich neben mir auf: „Mann, war das klasse! Wildschweinkot. Riech mal.“

Das dicke Ende kam zum Schluss. Gegen Wildschwein-Chanel kommt Hundeschampoo nicht an.

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8 Gedanken zu “Gegen Wildschwein-Chanel kommt Hundeschampoo nicht an

  1. Ich habe es einmal im Kampf mit frischer Gülle mit Kindershampoo versucht. Bäh! Gülle (der Geruch ließ sich nicht so richtig herauswaschen) plus süßlicher Fruchtgeruch – das war ja noch viel schlimmer. Mittlerweile übrigens finden wir den Geruch von abgetrocktnetem Kuhdung sehr angenehm. Wie sich im Laufe des Zusammenlebens doch die Nase verändert. Da kann Chanel bei weitem nicht mithalten.
    Viele Grüße, Claudia und die Hundejungs

    1. nee, an müffelnde Hunde mag ich mich nicht gewöhnen. Nachdem das Hundeshampoo versagte, griff ich zu meinem Duschgel und danach zu Parisian, einem ätherischen Öl, das mir unsere Hundefrisörin empfohlen hatte. Trotz alledem: dort, wo das vom Wildschwein zentimeterdick an Lotta-Filipas Fell haftete, riecht es noch immer nach Wildschwein …

  2. Ich muss zugeben, der Geruch von Wildschwein-Chanel, Gülle oder auch vergorenem Obst schlägt jedem auf den Magen … aber auch ich kann manchmal nicht verhindern, dass die Hunde sich damit parfümieren. Einige extreme Fälle hatten wir auch schon und ich war auch schon so verzweifelt, dass ich den Ketchup-Tipp aus dem Internet probiert habe (und es stimmt wirklich – Ketchup als Shampoo neutralisiert fast jeden Geruch … lässt sich nur ganz blöd aus dem Hundefell wieder auswaschen!).

    Ich wünsche euch bald wieder geruchsneutralere Zeiten und sende liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

  3. Oh ja diesen leckeren Duft kennen wohl alle Hundehalter 😀
    Bei mir ist es so. Iggy wälzt sich gern drin und Lemmy ist es gern. Was mir von beidem jetzt lieber ist, weiß ich selber nicht so genau.
    Allerdings muss ich auch sagen, dass sich nach jetzt 5 Jahren eigene Hunde, meine Nase tatsächlich verändert hat und ich den Duft von Chanel-Wälz-dich-in-ekligen-Dingen nicht mehr ganz so abstoßen finde und ohne den Gedanken mich zu übergeben, den jeweiligen Hund waschen kann 😀

    Liebe Grüße
    Anna

  4. So eine Wälzorgie hatten wir gerade vorgestern 😇 erst die vergammelte Maus (ohne Kopf) und dann die Borsten-Büschel eines undefinierbaren Tieres.
    „Eau de Maus“ mit Borsten-Note sozusagen 😂
    Aber da bin ich irgendwie abgehärtet. Der Duft von 3-Tage-alten Ochsenziemern, frischem Pansen & Co. hilft hervorragend, tägliches Training sozusagen 😉😉 Nach Herzenslust wälzen muss auch mal sein, find ich. In der Hoffnung, dass ein See in der Nähe ist oder genug Decken im Auto bis nach Hause 🙏😂😊🐾

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