Archiv für den Monat April 2016

Drei Jahre und kein bisschen weiser?

In der vergangenen Woche zelebrierten wir Hundis dritten Geburtstag. Mit Kerze, Hundekuchen und einem Geschenk, das mir angemessen erschien. Für den Rat-Terrier, dem urgroßelterlicherseits lediglich einige, wenige Gene der beiden Rassen Englisch Cocker Spaniel und Deutsch Kurzhaar beigegeben wurden, gab es eine Ratte aus Filz mit meterlangem Schwanz. Ein Volltreffer – das Geschenk! Lotta-Filipa war außer Rand und Band und jagt seitdem hinter der Ratte her.

das Geburtstagsgeschenk © GvP
das Geburtstagsgeschenk © GvP

Dass Hunde im Alter von drei Jahren (etwas) ruhiger und erwachsener werden, trifft auf Hundi nicht zu. Es mag an ihrer Rasse liegen, dass Lotta-Filipa ein solches Powerpaket ist. Aber nicht allein das. Auch das kindliche, arglose  Gemüt hat sich mein kleiner Wirbelwind bewahrt. Hundi ist einig mit sich – und mit der Welt! Nichts kann ihre gute Laune trüben. Lotta-Filipa ist unbekümmert, heiter und verspielt, sorg- und arglos – und im besten Sinne ein Menschenfreund. Und das, obwohl sie in ihren ersten Lebenswochen als sogenannter Wühltischwelpe kaum Gutes, und erst recht keine menschliche Zuwendung erfahren haben dürfte.

Lotta-Filipas Weltbild kennt Freunde und Freude; sonst nichts. Sie vertraut grenzenlos. Für sie gibt es nur Gutes. Egal, ob es sich um einen Artgenossen handelt, der auf Krawall gebürstet ist, oder um Menschen, die Probleme mit oder sogar Aversionen gegen Hunde haben. Lotta-Filipa ficht das nicht an. Sie zieht Schwanz wedelnd durch die Welt und freut sich über jede Begegnung – ob gut oder böse gesinnt.

Man mag ihre Sorglosigkeit und Gutgläubigkeit naiv nennen. Alldieweil sich ihr Standpunkt, dass alles gut ist, auch auf das bezieht, was ihr im Alltag gefährlich werden könnte. Autos etwa, die unseren Weg kreuzen, oder Fressbares, das im Unterholz versteckt liegt. Trotz etwaiger Risiken: genau diese Haltung ist es, dieses Urvertrauen, was ich an Lotta-Filipa besonders liebe. Im Grunde genommen bewundere ich sie sogar dafür. Auch nicht richtig: Ich beneide sie dafür.

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Hundeglück © Sabine Münch
Hundeglück © Sabine Münch

Eine Anmerkung zu Lotta-Filipas Geburtstag

Während ich meine, über ihre Rassenzugehörigkeit dank einer DNA-Analyse gut Bescheid zu wissen, habe ich von ihrer Herkunft keine Ahnung. Wann genau Hundi geboren wurde, steht ebenso in den Sternen wie der Ort. Aktenkundig ist lediglich, dass sie am 6. Juni 2013 in einem Pappkarton am Berliner Lietzensee aufgefunden wurde. Damals wurde ihr Alter auf etwa sechs Wochen geschätzt, was nach Adam Riese heißt, dass Hundi Ende April 2013 zur Welt gekommen sein muss. Den Welpen habe ich am 20. Juli aus einer Pflegestelle übernommen, wo Klein-Hundi im Auftrag des hiesigen Tierheimes liebevoll aufgepäppelt wurde. Mit ihrem Einzug in Steglitz stand für mich auch das Datum für Lotta-Filipas Ehrentag fest, den wir seither alljährlich am 20. April feiern.

Gegen Wildschwein-Chanel kommt Hundeschampoo nicht an

Als ich vor 33 Monaten auf Lotta-Filipa gekommen bin, war mir der Hund ein unbekanntes Wesen. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie er tickt, und keine Ahnung, wie man mit einem Hund umgeht, geschweige denn, wie man ihn erzieht. So gesehen gleicht das einem Wunder, dass Lotta-Filipa recht gut geraten ist.

Schmuddelkind © GvP
Schmuddelkind © GvP

Es liegt auf der Hand, dass dem Grünschnabel auch nicht bekannt war, dass sich Hunde gerne wälzen und zwar vorzugsweise darin, was dem Menschen olfaktorisch zum Himmel stinkt. Warum sie das tun, ist unter Fachleuten umstritten. Die einen behaupten, dass Hunde, die sich in Aas wälzen, dem Rudel eine Botschaft überbringen: „Riecht Ihr das? Ich habe lecker Futter entdeckt. Folgt meiner Spur!“ Andere meinen, dass sie so den eigenen Geruch überdecken, um dadurch für mögliche Feinde weniger gut erkennbar zu sein: „Hast du was auf der Nase, Bär? Ich rieche nach Fuchs. Nicht nach Hund!“

Klein-Hundi wälzte sich am liebsten quietschend im Gras. Wie niedlich! Sie war ein knappes halbes Jahr alt als wir uns gemeinsam zu einer Projektbesprechung in der östlichen Peripherie der Hauptstadt aufmachten. Eine geschlagene Stunde mit der S-Bahn, dann noch einige Stationen mit dem Bus über Land und schließlich ein Fußmarsch entlang abgeernteten Feldern. Auf dem Rückweg ließ ich Klein-Hundi freien Lauf. Sie tollte und rollte sich glückselig auf dem Acker. Bis mich eine Spaziergängerin mit Hund ansprach: „Riechen Sie das nicht? Die Felder sind frisch gedüngt. Deshalb bleibt meiner an der Leine.“

Zunächst war mir nicht klar, was mir die Frau vermitteln wollte und was frisch ausgebrachte Gülle mit Lotta-Filipa zu tun haben sollte. Erst in der S-Bahn, als es sich Klein-Hundi auf meinem Schoß bequem gemacht hatte, stieg mir ihre Botschaft unmissverständlich in die Nase. Zu meinem Pech dauerte es nur kurz, bis andere Fahrgäste das auch rochen, was mir entsetzlich peinlich war. Abschätzige Blicke, Getuschel, die ersten Passagiere rückten von uns ab. Gegen Ende der einstündigen Fahrt harrte nur ein abgebrühter Penner mit uns im Abteil aus.

in der Wanne © GvP
in der Wanne © GvP

Zuhause in Steglitz kam Klein-Hundi in die Badewanne, mein Mantel in die Reinigung. Seit dem beschämenden Erlebnis versuche ich, schnellst möglich zur Stelle zu sein, wenn Lotta-Filipa Anstalten macht, sich wälzen zu wollen. Egal, in was! Des Öfteren gelingt es mir sogar, ihr den Spaß an der Sache zu verderben, manchmal ist Hundis Natur stärker als mein Wille und bisweilen bin ich einfach zu spät oder gar nicht zur Stelle. So vor einigen Tagen, als sich Lotta-Filipa außerhalb meiner Reich- und Sichtweite im Wald genüsslich tat. Wie der Blitz tauchte sie nach einer gewissen Weile außer Atem, aber super-glücklich neben mir auf: „Mann, war das klasse! Wildschweinkot. Riech mal.“

Das dicke Ende kam zum Schluss. Gegen Wildschwein-Chanel kommt Hundeschampoo nicht an.