Archiv für den Monat Februar 2016

Dogcontent. Lotta-Filipas Tagebuch. Februar/KW 6+7

Mittwoch, 17. Februar

BTW: wären die nationalen Grenzen nach meiner Geburt dicht gewesen, hätte ich nicht überlebt. Meine Rettung war, dass ich aus einer (vermutlich) osteuropäischen Welpen-Zuchtfabrik ohne jegliche Probleme nach Deutschland verfrachtet, dort ausgesetzt wurde und sterbenskrank im Berliner Tierheim landete.

Wühltischwelpe © Sabine Münch
Wühltischwelpe © Sabine Münch

Von meinem Schicksal abgesehen, weitaus schlimmer ist sicherlich das: Ohne das Schengener Abkommen wäre Herrchen nicht auf den Hund, sprich: auf mich gekommen. Ich hoffe, die Politik besinnt sich. Wer nationale Grenzen dicht macht, sorgt für noch mehr Leid!

Freitag, 19. Februar

Das wird hier immer doller und Herrchen kriegt nichts mit! Ich belle den ganzen Abend aus vollen Kräften draußen etwas Helles an. Zunehmend genervter versucht Gesine, mich zu beruhigen: der Kran gegenüber hat kein Flutlicht an. Ich belle trotzdem ein Licht an, das weder vom Mond, noch vom Kran kommt. Es vergehen Stunden, bis sich Herrchen endlich ein Herz fasst, mit mir draußen zu inspizieren, was mich so in Rage und Gesine um die Ruhe bringt.

Draußen: taghell, obwohl das Flutlicht am Kran nicht an ist. Gesine irritiert, ich siegesgewiss:  schließlich belle ich nächtens ja nicht grundlos aus Leibeskräften! Herrchen macht sich auf zum Hellen – mit mir an ihrer Seite traut sich Gesine nämlich was. Sie stellt die, die die Nacht zum Tag machen, zur Rede. Mit mir als Vorwand, versteht sich: „Was erlauben Sie sich hier. Mein Hund findet keine Ruhe!“

Betroffenes Schweigen, beschwichtigende Gesten, eine Hand gerät sogar in Versuchung, mich streicheln zu wollen. Ich schaue grimmig, Gesine entschlossen. „Was machen Sie hier? Mein Hund kommt nicht zur Ruhe!“ Nach der Erklärung, warum es vor unserer Haustüre taghell ist, setze ich mich in Pose. Herrchen meidet – aus einleuchtenden Beweggründen – prompt das Rampenlicht. Wie geil ist das denn? Direkt vor unserer Haustüre wird mit ganz viel Aufwand ein Film gedreht. Bestenfalls ein Tatort! Und ich war dabei!

Samstag, 20. Februar

Wuthund © GvP
Wuthund © GvP

Ich echauffiere mich selten, klar regt es mich auf, wenn ich nicht hinter dem Kaninchen her darf, das Leckere nicht fressen soll, das ich im Gebüsch entdeckt habe, wenn Herrchen am Schreibtisch wichtig tut und keine Zeit für mich hat oder wenn der bornierte Dackel-Nachbar namens Basti (nomen est omen) es nicht für nötig befindet, mich so zu begrüßen, wie es sich für anständige Hunde nun einmal gehört. – Wobei, so toll riecht der hinten nun auch wieder nicht.

Kurzum, ich komme gut klar mit meinem Leben. Ich interessiere mich für das, was wirklich wichtig ist (Spielen, Fressen, Rennen, Schnüffeln, Freunde, Fressen, Schmusen, Markknochen, Bälle, Fressen) und echauffiere mich nicht. Und schon gar nicht über solche Sachen, die Herrchens Blutdruck hoch treiben … und zwar immer öfter. Nee, da halte ich mich lieber raus. Heute allerdings war ich ganz bei Herrchen: dem Mob muss man anderes entgegensetzen als einen Stinkefinger!

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Dogcontent. Lotta-Filipas Tagebuch. Februar

Seit geraumer Zeit gibt es eine Fanseite. – Ehre, wem Ehre gebührt. Frei Schnauze schreibt Lotta-Filipa bei Facebook das spontan nieder, was sie bewegt und erlebt. Ich haderte lange damit, Hundi das Wort zu geben. Mit den zahllosen Katzen, Hamstern, Hunden, Kaninchen oder Schmeißfliegen, die im Netz vortäuschen, authentisch zu sein, mochte ich nicht wetteifern. Fakes sind nicht mein Ding und außerdem schien es mir vermessen, Hundis Perspektive einzunehmen. Es kam anders. Zudem macht es einen Heidenspaß, Lotta-Filipas Sichtweise zu erfinden. – Ihrem Tagebuch kann man bei Facebook folgen. Auszüge daraus gibt es gelegentlich auch hier:

Dienstag, 2. Februar

Heute hat Herrchen den Kranführer angesprochen, der direkt gegenüber seinen Job macht. Nicht unfreundlich, aber bestimmt: Weil ich sein Tun vom 5. Stock genau beobachte und mich immer mächtig darüber aufrege, wenn er etwas durch die Luft bugsiert. Und da ich nicht einschätzen kann, ob von dem, was vor unserem Zuhause schwebt, Gefahr ausgeht, kläffe ich es prophylaktisch an. Aus Leibeskräften! Gestern Nacht war ich zudem außer Rand und Band. Bei uns war es taghell: Der Kranführer hatte das Flutlicht am Kran angelassen und mich aus meinem Tag-Nacht-Rhythmus und damit Herrchen um den Schlaf gebracht.

Übrigens, der Kranführer war ebenfalls sehr freundlich und bestimmt. Immerhin hat er Gesine versprochen, zukünftig darauf zu achten, das Licht am Kran auszumachen, wenn er Feierabend macht. Davon allerdings, Sachen durch die Luft zu bugsieren, die mich erschrecken, will er nicht absehen. – Ich meine ja, wenn Herrchen mehr Rückgrat hätte, etwas bestimmter und weniger freundlich aufgetreten wäre, dann wäre das Gespräch mit dem Kranführer zielführender verlaufen …

Samstag, 6. Februar

mit Paula bei der Demo © GvP
mit Paula bei der Demo © GvP

Heute habe ich demonstriert – gegen Rassenliste, Leinenzwang und zu wenig Freilauf. Naja, Herrchen musste mich überreden, mitzulaufen. Ich mag Anhäufungen von Menschen nicht; und wenn sich dazu viele Kumpels gesellen, die ich nicht einschätzen kann, dann ängstigt mich das. Außerdem habe ich meinen Glauben an die Politik seit meiner Enttäuschung über die Grünen (Stichwort Markl-Vieto-Zone) verloren. Die machen doch eh, was sie wollen, und schon gar nicht das, was Hauptstadthunden gut täte. BTW: Die neue Hundesteuermarke ist auch so ein Faux-Pas, die ist schrecklich hässlich, steht mir gar nicht und ist für mich viel zu groß. Gut, das tut jetzt nichts zur Sache. Wobei, das diskutiere ich mit Herrchen aus, warum zahlt Gesine für mich Steuern? Bringt uns das irgendwas? Ich schweife ab – zurück zur Demo heute am Grunewaldsee.

Paula, die meine Meinung teilte, das ein organisiertes Massengassi ebenso albern ist wie das rote Tuch, das wir aus Protest deutlich sichtbar tragen sollten, sagte einen neunmalklugen Satz: „Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt.“ Zwar bezog sich das auf das Leckerli, das sie nicht abbekommen hatte, mir kam aber prompt „Empört Euch“ in den Sinn. Dieser Essay, Ihr wisst schon … Das machte für mich Sinn. Ich bin mitgelaufen. Anfangs noch ängstlich an Herrchens Leine, etwas später traute ich mich – leinenlos – sogar an die Spitze des Protestmarsches. Empörung setzt Kräfte frei!

 Donnerstag, 11. Februar

Gähnende Langweile in Steglitz. Am frühen Abend wurde Herrchen am Schreibtisch plötzlich hektisch, „schon so spät? Wir sind verabredet!“ Das ‚wir‘ klang irgendwie verheißungsvoll. Wir sind dann eine Weile S-Bahn gefahren, mag ich sehr! Ich mache es mir auf Gesines Schoß bequem und zumeist findet sich irgendwer, der mich streicheln will. Beim Aussteigen allerdings war ich nicht amused.

Es roch nach Berlin-Mitte. Mag ich nicht. Da gibt es so gut wie keine Bäume, geschweige denn Rasen. Und die Nachrichten, die meine Kumpels pinkeln, haben eine Diktion, die ich nicht mag. Abgesehen davon, dass ich manches, was die da in Mitte umtreibt, nicht nachvollziehen kann, klingt das irgendwie immer leicht blasiert. Kaninchen beispielsweise scheinen die Hunde in Mitte nicht zu kennen. Die ultimative Frage, die wir uns hier in Steglitz andauernd stellen: wie kriegt man die? Die stellt sich in Mitte nicht. Wie dekadent!

Freitag, 12. Februar

schmeckt nicht und riecht nicht: Papier! © GvP
schmeckt nicht und riecht nicht: Papier! © GvP

Da mir in Steglitz nichts geboten wird, unterhalte ich mich selbst. In der Regel mache ich dann Blödsinn, was zudem den wunderbaren Effekt hat, dass Herrchen vom Manuskript kurz ablässt, um mich zu ermahnen, dass es Ruhe braucht, um das Papier zu bearbeiten. Nachdem ich mir das in den vergangenen Tagen oft genug habe anhören müssen, wollte ich genauer wissen, was Papier eigentlich ist. Irgendwas Tolles muss ja dran sein – am Papier. Anderenfalls würde sich Gesine damit doch nicht so intensiv beschäftigen!?

Da ich trotz angestrengtem Nachdenken dem Phänomen nicht näher kam, hopste ich ein paar Mal auf Herrchens Schreibtisch. Was ein Tabu ist, allerdings den positiven Effekt hatte, dass Gesine etwas länger vom Manuskript abließ, um mich zur Räson zu bringen. Ich jedoch war mit Eifer bei meiner Grundlagenforschung dabei. Zu meiner großen Enttäuschung riecht Papier nicht. Abends kam es noch dicker!

Da lag Papier auf dem Boden rum. Ich habe mich getraut und ein Stückchen raus gerissen. Damit bin ich ab unters Sofa, wo ich meine Ruhe vor Gesine habe. Wenn Papier nicht riecht, dann muss es doch zumindest lecker schmecken? Ich hab eine Weile darauf herumgekaut, mir echt viel Mühe beim Kauen gegeben. Sogar kurzfristig gegen einen Würgereiz angekämpft! Papier riecht und schmeckt nicht! Meine Empörung war riesig, dass Herrchen so viel Zeit für etwas erübrigt, das weder schmeckt, noch riecht. Wild entschlossen bin ich unterm Sofa hervorgekrochen, um direkt vor Herrchens Füßen ein Kötzerchen zu machen.