Dogcontent. Lotta-Filipas Tagebuch. Januar

Seit geraumer Zeit gibt es eine Fanseite. – Ehre, wem Ehre gebührt. Frei Schnauze schreibt Lotta-Filipa bei Facebook das spontan nieder, was sie bewegt und erlebt. Ich haderte lange damit, Hundi das Wort zu geben. Mit den zahllosen Katzen, Hamstern, Hunden, Kaninchen oder Schmeißfliegen, die im Netz vortäuschen, authentisch zu sein, mochte ich nicht wetteifern. Lässt sich überhaupt erfassen, wie Tiere unsere Welt sehen? Fakes sind nicht mein Ding und außerdem schien es mir vermessen, Lotta-Filipas Perspektive einzunehmen. Sie kommuniziert zwar unmissverständlich mit mir und dem Rest der Welt. Ist aber der deutschen Sprache nicht mächtig, schon gar nicht der Verschriftlichten. Und dass Pfoten eine Tastatur bedienen können, stellte ich grundsätzlich in Frage. Zwar sprechen Tiere in der Bibel, in Fabeln und Märchen, in Filmen und Romanen – leider allzu selten glaubwürdig. Dass ich so tun sollte, als wäre ich Hundi, erschien mir ebenso unsinnig wie albern. Diese Peinlichkeit wollte ich uns ersparen.

Es kam anders.  Zudem macht es einen Heidenspaß, Lotta-Filipas Sichtweise zu erfinden. – Ihrem Tagebuch kann man bei Facebook folgen. Auszüge daraus gibt es gelegentlich auch hier:

Montag, 4. Januar

Wieder in Steglitz. Da lag noch ein Weihnachtsgeschenk! Das hat mich mit der 7-stündigen Tortur versöhnt. Still sitzen ist nicht mein Ding, schon gar nicht in ner Tasche, in die ich laut Deutscher Bahn gehöre. Anderenfalls müsste Herrchen nämlich einen Fahrschein für mich lösen. Säße ich nicht in der Tasche drin. Da ich da nicht rein will, sitze ich auf Herrchens Schoß. Sehr bequem – für mich. Ich kann aus dem Fenster schauen, mich lang machen, den Kopf wahlweise auf Herrchens Schulter oder Arm ablegen. So kann man sieben Stunden locker durchhalten!

ganz schön nervig © GvP
ganz schön nervig © GvP

Ätzend war die Fahrt heute trotzdem. Obwohl Herrchen nach einschlägigen Erfahrungen mit Hund im ICE vorausschauend 1. Klasse gebucht hatte. Wegen technischer Probleme (was immer das auch meint) mussten wir nach knapp drei Stunden in einen anderen ICE umsteigen. Ich hatte es mir gerade so richtig bequem auf Herrchens Schoss gemacht… Und Treppen aus dem ICE – traue ich mich nicht! Muss Herrchen mich runter tragen. Jedenfalls hat das Herrchen irgendwie geschafft, mich mitsamt zwei Taschen aus dem Zug zu schaffen. Auf dem Bahnsteig Chaos. Ich kleiner Hund mittendrin. Und Herrchen mit zwei Taschen. Alle rennen irgendwo hin. Ich dachte mir, das geht schief – hier blickt keiner mehr durch. Mein Herrchen erst recht nicht. Ich weigere mich, überhaupt noch eine Pfote vor die andere zu setzen. Herrchen raunzt mich an (kenne ich nicht von Gesine), stellt mich mitsamt den beiden Reisetaschen in irgendeinen Wagen rein. Ich denke mir, Herrchen passt hier nicht mehr rein. Und schon fährt der Zug ab. Gen Berlin.

Die Wagenreihe war falsch angezeigt. Gottlob passte Herrchen irgendwie doch noch rein. Sie will mit mir und dem Gepäck gegen den Strom laufen. Auch das geht schief. Herrchen kommt mit dem Gepäck nicht durch. Ich kriege unten Panik, will auf Herrchens Arm! In Sichtweite einer in Uniform. Herrchen mimt die grande Dame, sprich: mit dem Ticket 1. Klasse in der Tasche traut sich Herrchen was! Der Schaffner nimmt sich dem Gepäck an und bahnt uns den Weg zu unsrem Platz in der 1. Klasse. Da hatte ich es auf Herrchens Schoß für die nächsten 3 1/2 Stunden wieder so richtig bequem.

Achja, das Ankommen in Berlin war auch nicht stressfrei. Ich musste dringend. Deshalb sind wir nicht zum Haupteingang raus. Hinten? Alles abgeriegelt, gespenstisch… Immer wieder Montags – Pegida … Und das mit der Taxe nach Steglitz war auch kein Kinderspiel. Mich nimmt nicht jeder mit. Drei Taxifahrer haben uns durchgewunken, weil ich ein Hund bin. Der Vierte, auch ein Muslime, verstrickte Herrchen in eine anregende Diskussion: über die Bibel und den Koran. Und was da so alles Widersprüchliches drin steht – über Hunde – und dass 2016 auch nicht besser wird als 2015. Weil so vieles in der Politik schief gelaufen ist. – Ich habe es mir derweil auf Herrchens Schoß bequem gemacht.

Montag, 18. Januar

Schnee! © GvP
Schnee! © GvP

Zwar prahlt Herrchen gerne damit, dass ich ein intelligenter Hund bin. Gottlob denkt Gesine aber nicht immer daran, dass ich ein besonders aufgewecktes Kerlchen bin. Wie eben … Sie öffnet in meinem Beisein die Anrichte in der Küche, wo im untersten Fach all das gehortet wird, was ein Hundeherz zum Schmelzen bringt: Leckerlis in sämtlichen Geschmacksrichtungen, Ochsenziemer, getrocknete Luftröhren … Während Herrchen mit der Entscheidung ringt, was sie mir aus dem Schlaraffenland kredenzt, muss ich brav „Sitz“ und „Bleib“ machen. Was idealerweise darauf hinausläuft, dass ich mich auf meinen Pompi setze und in dieser Position abwarte, was geschieht. Ich wittere meine Chance, mich mit dem Prozedere des Öffnens der Anrichte vertraut zu machen, und beobachte geduldig im „Sitz“, wie Herrchen vorgeht. Kaum hatte ich das intus, was es heute Abend als vermeintliches Betthupferl gab, verzog ich mich in die Küche, die gewonnenen Erkenntnisse auf den Prüfstand zu stellen.

Samstag, 23. Januar

Am Morgen habe ich einen kleinen Schneemann entdeckt. Sein Gesicht war exakt auf meiner Augenhöhe. Er hatte eine Nase! Betonung liegt auf „hatte“.Wieder zu Hause musste ich zu meinem Verdruss auf Herrchens Geheiß hin aus meiner Ration im Kühlschrank ein Möhrchen abzweigen. Am späten Nachmittag sind wir wieder zu ihm hin, ihm eine neue Nase machen. Er sah richtig mies aus. So mitgenommen, dass mich mein Gewissen plagte, ihm am Morgen die Nase weggefressen zu haben. Der Tag wäre für mich gelaufen gewesen, hätte Herrchen das nicht gesagt: Es taut in Berlin!

Montag, 25. Januar

Eben habe ich Herrchen Besseres gelehrt. Zwar weiß Gesine genau, dass mir Begriffe wie „Bärchen“, „Stöckchen“, „Mäh“ oder „Bällchen“ geläufig sind. Geläufiger jedenfalls wie „bleib“, „sitz“ oder „warte“. Währenddessen ich auf Kommandos meistens nicht auf Anhieb reagiere, bisweilen sogar so tue, als sei ich begriffsstutzig, begreife ich andere Worte der deutschen Sprache auf der Stelle. Zum Beispiel, was zu tun ist, wen es heißt, bring das Mäh. Anfangs war Herrchen noch verdutzt, dass ich Dinge, denen Menschen alberne Namen geben, identifizieren und von anderen Sachen unterscheiden kann. Wenn es ums „Mäh“ geht, greife ich mir aus meiner Spielzeugkiste, die im Übrigen reich bestückt ist, das Mäh, und nicht etwa das heraus, was sich laut Herrchen „kleiner Hund“ nennt. Heute Abend, allerdings, hat Gesine meine Fähigkeit unterschätzt. Als ich rumalberte und sie mit dem kleinen Hund nervte, meinte Gesine halb im Ernst und halb im Spaß: „Du Nervensäge. Gleich kommt das Pfötchenspray!“ Ich ab unters Sofa. Pfötchenspray – ein Signalwort!

das Beweisfoto © GvP
das Beweisfoto © GvP

Dienstag, 26. Januar

Da Herrchen momentan so gut wie keine Zeit hat, denkt sich ihr schlechtes Gewissen Solo-Unterhaltungsprogramme für mich aus. Heute Abend das mit dem Eierpappkarton, in dem sich einige kleinere Leckerlis und ein etwas größeres Stückchen getrockneter Luftröhre befanden. Ich dachte mir, wie niedlich! Schüttelte den Pappkarton ein einziges Mal kräftig durch und schon hatte sich das mit den Leckerlis erledigt. Und die Luftröhre, die durch Schütteln und Ruckeln nicht aus dem Karton raus wollte? Die war, wie sich auf dem Beweisfoto unschwer erkennen lässt, auch kein Problem für mich.

Samstag, 30. Januar

Das war ja was heute. Aber, der Reihe nach. Herrchen hatte eine Einladung erhalten: Kaffee & Kuchen, ein paar Kaltgetränke und Snacks. Gesine hat sich gefreut! Obschon ihr sehr wohl klar war, dass ich gefragt war. Schließlich lebt in dem Haushalt ein Rüde, der mich mag und ich ihn. Kuno von Herzsprung, ich glaube, ich habe ihn hier schon mal, womöglich sogar schon ein paar Mal erwähnt. Wie auch immer, das ist jetzt nicht von Belang.

ab Lotta! Wie bitte? © GvP
ab Lotta! Wie bitte? © GvP

Ich habe Kuno einen Kauknochen mitgebracht, Herrchen dem Hausherrn 20 Tulpen. Das Entre war ja noch in Ordnung: der Hausherr freute sich über die Blumen, Kuno über den Knochen und ich mich darüber, dass Kuno (typisch Kerl) seinen Napf nicht sauber ausleckt. Nachdem sein Napf blitzeblank war, wollte ich Kunos Spielzeug inspizieren. Es kam dicke: Kuno ließ mich nicht ran. Kein noch so kleines Vergnügen hat er mir  gegönnt. Kaum hatte ich mich einem Bällchen oder ähnlichem genähert, ließ er mich bellend wissen: „Ich bin der Chef im Haus. Das ist meins.“ Gerade hatte ich mir noch gedacht, Gastfreundschaft ist anders, da kam es noch dicker! Weil ich ein schlechtes Beispiel abgebe. Für Kuno! Wie plemplem ist das denn? Hallo, ich habe Kunos Napf sauber gemacht. Wie auch immer. Kuno darf bei sich zu Hause nicht aufs Sofa. Das lasse ich mir nicht verbieten! Da mochte der Hausherr, der mit dem Rücken zum Sofa an der Kaffeetafel saß, noch so oft „ab Lotta“ sagen …

Kuno scheint das nun auch begriffen zu haben, dass ein Sofa nicht tabu ist. Bleibt zu hoffen, dass er zumindest an der Gewohnheit festhält, seinen Napf nicht sauber auszulecken. Wobei, ich bin mir nicht sicher, ob Gesine abermals eingeladen wird …

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