Wann hört das endlich auf? Silvester mit Lotta-Filipa

Den Jahreswechsel verbrachten wir im Breisgau; genauer gesagt in einem kleinen Ort mit knapp 1.400 Einwohnern im Hexental. Dort sollte es an Silvester sehr viel ruhiger zugehen als in Berlin, wo tagelang Raketen, Böllerbatterien und vieles Lautes mehr in die Luft gejagt werden, ohne an die Folgen für Mensch, Tier und Umwelt zu denken. Nach Mitternacht kann man seine Hand kaum mehr vor den Augen sehen, beißender Rauch zieht durch die Straßen. Die Feinstaubbelastung ist erschreckend hoch, selbst Tage nach dem mitternächtlichen Spektakel sind die Grenzwerte in Berlin weit überschritten.

Vor zwei Jahren, als Lotta-Filipa mit knapp acht Monaten noch ein echter Jungspund gewesen ist, waren wir zur selben Zeit bei meinem Vater in Spanien. – R.I.P. Papi. – Um Mitternacht saßen Hundi und ich auf dem Balkon des Appartements, das wir bewohnten. Bestaunten gemeinsam das Feuerwerk. Hundi machte keinen Mucks. Mir schien sogar, dass sie Spaß an dem Lärm- und Blitzlichtgewitter hatte. Ich kam zu dem Schluss, dass mein Hund schussfest ist. Dass sie den markerschütternden Lärm gelassen erträgt.

bitte nicht böllern! © GvP
bitte nicht böllern! © GvP

Als sich Freunde und Bekannte ab Sommer 2014 mit der Frage befassten, in welche knallfreie Zone sie an Silvester reisen werden, um ihren Hunden den tagelangen Stress zu ersparen, winkte ich großspurig ab: Wir bleiben in Berlin. Lotta-Filipa ist schussfest. Ich sollte mich getäuscht haben. Hundi steckte den Jahreswechsel 2014/15 in der Metropole nicht locker weg. Ab dem 27. Dezember saß sie zumeist zitternd und hechelnd unter dem Sofa. Sie fraß schlecht und war auch noch Tage nach Silvester nur mit Mühe dazu bewegen, eine Pfote vor die Türe zu setzen. Für mich stand fest: Kein Silvester mehr in Berlin. Wir hauen spätestens am Erstverkaufstag der Knallkörper ab und kehren frühstens am 3. Januar nach Steglitz zurück.

Wir sind am 4. Januar wiedergekommen. Aus dem Hexental. Die Luft in Berlin war verpestet, vereinzelt detonierten Böller. Hundi verkroch sich unterm Sofa. Obwohl am 6. und 7. Januar in Steglitz Schnee lag, an dem Hundi so viel Spaß hat, wollte Lotta-Filipa nicht aus dem Haus. Sie hatte Angst. Panische Angst. Wann hört das endlich wieder auf?

Und ich frage mich: Warum ist das heutzutage überhaupt noch statthaft, dass wir tonnenweise Nitrate, Blei, Arsen oder Schwefel, um hier lediglich einige, wenige Bestandteile der pyrotechnischen Effekte aufzuzählen, in die Luft jagen? Und zudem meine ich: Statt sich den Erosionen an den Hängen von zwei Berliner Seen mit Vevre anzunehmen, für die frei laufende, vermeintlich wühlende Hunde an Schlachtensee und Krummer Lanke verantwortlich gemacht werden, sollten sich die hiesigen Grünen – und beileibe nicht allein diese – besser um die Emissionsbelastungen von über 8.000 Tonnen Staub, 200 Tonnen Kohlenmonoxid, 1.900 Tonnen Schwefeldioxid und 1.500 Tonnen Kohlendioxid sorgen, die  alljährlich allein durch die Silvesterfeuerwerke in Deutschland auf die Erde niedergehen. – Besser zu Gesicht stünde es  dieser Fraktion allemal.

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4 Gedanken zu “Wann hört das endlich auf? Silvester mit Lotta-Filipa

  1. Leider ist es hier im Münsterland nicht anders. Ab dem Verkauf der Knallkörper knallt immer irgendwo irgendwer. Am 03.01.2016 verbrauchte der Nachbar seine letzten Knallkörper vor der Türe und gestern nachmittag gegen 17:00 Uhr wurde jenseits der Kreisstraße wieder einmal ein Feuerwerk gezündet. Ich finde es grausam und weiß nicht, was sich die Menschen denken. Ganz abgesehen davon, dass es verboten ist. Aber geahndet wird es nicht…

    Wir versuchen zu flüchten, aber die Auswahl ist nicht sehr groß, denn Knallen ist halt überall üblich….

    Viele nachdenkliche und wütende Grüße
    Sabine mit Socke

    1. ich verstehe auch nicht, warum das Ordungsamt, das in der Regel für Feuerwerke zuständig ist, nicht besser durchgreift. Brächten die Berliner Beamten diesbezüglich den Ehrgeiz auf, den sie an den Tag legen, wenn sie einen Halter erwischen, dessen Hund nicht ordnungsgemäß an der Leine geht, wäre schon viel geholfen.

  2. Ja, es ist wirklich ein Kreuz mit der Sch… Knallerei. Linus hat den Silversterabend unter der Treppe im Keller vrebracht. Den Weg, den wir am 1.1. im tiefen Wald gegangen sind, will er nun nicht mehr gehen – es knallte in etlicher Entfernung, aber es war für ihn wohl trotzdem erschreckend. Und bei den Böllern, die gestern Abend um 11 Uhr losgingen habe ich mich ernsthaft gefragt, ob jetzt nicht doch irgendwo etwas Größeres explodiert sei, es war dann aber doch keine Poliziesirene zu hören. – Wir überlegen also auch, wo wir den nächsten Jahreswechsel verbringen werden. Bis dahin sind dann nur auch noch die vielen, vielen Gewitter zu bewältigen…
    Viele mitfühlenden Grüße, Claudia

  3. Wir waren über Silvester extra auf dem Land – ich find die Knallerei, den Lärm und den Dreck schrecklich. Nix wie weg! 🙂 Hoffe, Deiner Kleinen geht’s inzwischen besser. LG, Kiki und Eddie

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