Autos sind tödliche Hitzefallen! Aber nicht für das Ordnungsamt

Auf dem Nachhauseweg. Wir biegen in die Treitschkestraße ein, lautes Hundebellen schallt uns entgegen. Nicht aggressiv, sondern verängstigt. Lotta-Filipa nimmt die Spur auf, platziert sich vor einem weißen Polo, dessen Scheiben dicht beschlagen sind. Schemenhaft lassen sich die Umrisse eines Hundes erkennen, der sich seine Seele aus dem Leib bellt. Eine ältere Frau tritt an unsere Seite. „Ich weiß nicht, wie ich helfen kann. Das geht schon seit gut zwei Stunden so. Das ist Tierquälerei.“ Ich versichere der aufgebrachten Frau, dass ich mich kümmern werde. Dabei setze ich meine Hoffnung auf das Ordnungsamt, das zur Weihnachtszeit in den Gebieten rund um die  Einkaufsmeilen auf der Schlossstraße allgegenwärtig ist.

autoNur wenige Schritte weiter treffen wir auf ein Paar vom Ordnungsamt, das in seinem Element ist und emsig Knöllchen verteilt. Ich informiere die Frau über den Fall. „Sind wir nicht zuständig.“ Ich argumentiere damit, dass das Berliner Ordnungsamt unter anderem für die Einhaltung des Hundegesetzes zuständig sei und damit auch für den Tierschutz. „Sind wir nicht zuständig. Hunde gehen uns nichts an. Können Sie ja nicht wissen.“ „Ach“, entgegne ich ironisch, „neuerdings veteilt das Ordnungsamt  keine Knöllchen mehr, wenn sich ein Hund in geschützten Grünanlagen frei bewegt?“ Kaum gesagt, fiel bei mir der Groschen. Dass der Außendienst des Berliner Ordnungsamtes Hierarchien hat. Er gliedert sich in den  Allgemeinen Ordnungsdienst mit etwas weitreichenderen Kompetenzen und in die rangniedrigeren Parkraumüberwachungskräfte, die Verstöße gegen die Leinenpflicht nicht ahnden dürfen. Ich lächele wissend, die Uniformierte kontert: „Mir gefällt Ihr patziger Unterton nicht. Zudem: Gespräche mit Bürgern – so wie jetzt mit Ihnen – dürfen wir nicht führen.“

Ich weise die Ordnungshüterin darauf hin, dass Tiere, die in Autos zurückgelassen werden, bei höheren Temperaturen verenden können. „Sind wir nicht zuständig. Das ist Bürgerpflicht. Sie müssen die 45 informieren.“ Ich reagiere begriffsstutzig: „Ich muss was?“ „Das Polizeirevier 45 anrufen.“ Ich halte hilflos dagegen: „Ich kenne die Nummer nicht .“ „Die können Sie recherchieren.“ Jetzt werde ich tatsächlich patzig: „Das kann nicht Ihr Ernst sein. Ich soll eine Telefonnummer recherchieren, die Sie parat haben?!“ Nach einigem Hin und Her, da ich weder Stift noch Papier zur Hand habe, lenkt die Ordnungshüterin ein und schreibt mir die Nummer des zuständigen Polizeireviers auf. – Um mich vor dem Anruf zu vergewissern, eile ich zu dem Polo, in dem ein verängstigter, dauerbellender Hund saß. Der Wagen war mitsamt Hund weg.

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