Über die Liebe meines Hundes

Ich habe Lotta-Filipa lieb; Lotta-Filipa hat mich lieb. Daran gibt es nichts zu rütteln und nichts zu deuteln. Freilich mögen wir uns anders. Ich liebe Lotta-Filipa bedingungslos. Ohne Wenn und Aber. So wie sie ist; egal ob frech, ignorant, aufmüpfig oder begriffsstutzig. Hundi hingegen knüpft an ihre Liebe Bedingungen. Sie differenziert und wägt genau ab, wann sie mich doll lieb hat und wann weniger.

die große Liebe Paula © Sabine Münch
bedingungslose Liebe © Sabine Münch

Anders als bei ihrer großen Liebe Paula. Der weicht sie nicht von der Seite. Sie teilt  selbstlos Bällchen und Knochen mit ihr.  Himmelt den Hund meiner Freundin Sabine auch dann an, wenn Paula eine klare Ansage macht, dass sie gerade keine Zuwendung gebrauchen kann, vielmehr ihre Ruhe will. In meinem Fall hingegen überlegt sich Lotta-Filipa sehr genau, wie viel Zuneigung ich ihr gerade wert bin. Während sie in Sachen Liebe bei Paula keine Kompromisse kennt, muss ich nett sein, um in den Genuss derselben zu kommen. Weit oben in Hundis Gunst stehe ich beispielsweise dann, wenn ich ihr Balljunge bin. Sprich: meine Gelenke, den Rücken und die Muskulatur verbiege, um das hinter oder unter dem Mobiliar hervorzuholen, was sie dort versenkt hat. Schaffe ich das, dann himmelt mich Lotta-Filipa sogar an. Nicht ganz so himmelhoch jauchzend wie sie es bei Paula regelmäßig tut; aber: immerhin. Überhaupt. Beim gemeinsamen Spielen kann ich mir ihrer Liebe ziemlich sicher sein. Freilich differenziert Lotta-Filipa auch hier. Ihre Zuneigung wächst, je ausdauernder ich beim Spielen und Tollen nach ihrer Pfeife tanze. Vergeht mir die Lust daran, zu zerren, zu werfen, zu kicken oder hinter ihr herzurennen, verliert sich ihre große Liebe schnell.

um Liebe buhlen © Sabine Münch
um die Liebe buhlen © Sabine Münch

Zwar geht allerorts die Rede davon, dass die Liebe eines Hundes zum Halter bedingungslos und unerschütterlich ist.  Für mich steht aber außer Frage, dass mein Hund mich nicht so liebt wie zahllose Legenden sagen. Lotta-Filipa macht bei ihrer Liebe zu mir eine Menge Unterschiede. Nicht sonderlich mögen tut sie mich beispielsweise beim Fußballspielen dann,  wenn mein Ball in ihr Tor knallt. Oder sie das nicht auf Anhieb ins Mäulchen kriegt, was ich geschmettert habe.

Bisweilen kommt es mir sogar so vor, dass mich Hundi überhaupt nicht leiden kann. Rücke ich mit dem Pfotenspray an, dann nimmt sie Reißaus. Vor mir! Flüchtet sich unters Sofa, währenddessen ich mit der Spraydose in der Hand wie ein „Ritter von der traurigen Gestalt“ dastehe. Sind „Tante“ Sabine oder „Onkel“ Michael bei uns zu Gast, nimmt sie so gut wie keine Notiz von mir. Und so draußen Kumpels – bestensfalls Kaninchen – in Sichtweite kommen, schreibt mich Lotta-Filipa total ab. Dann bin ich Luft für sie!

Zu guter Letzt: Knochen teilt sie nur mit Paula. Und an meiner Seite – wie bei Paula – bleibt sie auch nicht. „Bei Fuss“ mag Lotta-Filipa nicht. Und im Freilauf? Da ist Hundi allüberall. Aber so gut wie nie an meiner Seite.

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3 Gedanken zu “Über die Liebe meines Hundes

  1. Hmmm, wie definierst Du denn „Liebe“? Das ist so ein schwammiger, menschlicher Begriff, find ich 😉 Leichter lässt sich reden über: Aufmerksamkeit, Vertrauen, Bindung. Das kann man messen bei Tieren, also Hund wie Mensch.

    Aufmerksamkeit kann man trainieren (Rückruf im Freien, bei Fuß laufen…), wenn der Hund zu leicht ablenkbar ist. Vertrauen kommt meiner Erfahrung nach, indem man im Alltag Führung und Verantwortung übernimmt. Konsequent, fair und zuverlässig dem Hund gegenüber ist.
    Bindung braucht am längsten und beinhaltet zum Beispiel Geborgenheit, Nähe, Suche nach Schutz in Stresssituationen.

    Von „Liebe“ beim Hund zu sprechen ist sehr schwierig, weil es ein komplett menschlicher Begriff ist. Aufmerksamkeit, Vertrauen und Bindung ist beiden jedoch gemeinsam 🙂
    Wenn der Mensch und „sein“ Hund sich anschauen, wird bei beiden das Bindungs- oder „Kuschelhormon“ Oxytocin ausgeschüttet, ähnlich wie bei Müttern mit ihrem Baby:
    http://m.spiegel.de/wissenschaft/natur/a-1029010.html

    Wenn das nicht Liebe ist?!??? 🙂 also nicht dran zweifeln bei Deiner Lotta-Filipa! Wenn’s an der Aufmerksamkeit manchmal hapert, einfach mehr trainieren 🙂
    mehr zum Thema hier: „Wissen Hunde, dass sie Hunde sind?“ (Kate Kitchenham) und „Wölfisch für Hundehalter“ (Bloch & Radinger).

    Huch, langer Kommentar, aber ist ja auch so ein spannendes Thema! Na klar „liebt“ uns unser Hund!!!!! Auch wenn’s manchmal nicht so ausschaut 😉
    Schöne Grüße, Eddies Frauchen

    1. danke für deine guten Gedanken zum Thema. Und danke auch für die Lektüretipps. Ich bin diesbezüglich stets auf der Suche. Und bin vielfach enttäuscht … Dazu siehe hier

      Na klar, Lotta-Filipa liebt mich. Auf ihre eigenwillige, hündische, umwerfende Art und Weise. Darauf sollte diese Geschichte hinweisen, dass Hunde völlig anders „lieben“ als sich Menschen Liebe denken. Oder, besser vielmehr, sich Liebe wünschen…

      Hunde schenken uns – wenn es rund läuft – Aufmerksamkeit. Und wenn man aufmerkt, dass sie uns bemerken, beginnen sie allmählich, zu vertrauern. Das erste Glied zur Bindung. – Ein sehr weites Feld. Ein Feld, das achtsam bestellt sein mag …

      Kurzum, mir ging es in diesem Blogpost (wie in vielen anderen auch) darum, mit Mythen, Sagen und Legenden aufzuräumen, die Menschen spinnen. Und dafür setze ich nicht auf Fakten. Sondern bediene mich bei der Fiction. Das Blog „Lotta-Filipa – Auf den Hund gekommen“ erzählt Geschichten. Die allenfalls in der Abstraktion von Nutzwert sind.

      Puh, auch eine lange Antwort. Und zudem – um viele Ecken gedacht.

      Danke und liebe Grüße an Eddie und Frauchen

      1. „das erste Glied zur Bindung“ schön gesagt! Ja, gute Lektüre zu finden ist manchmal auf dem Markt eine Herausforderung 🙂 deshalb orientiere ich mich an Fachleuten mit viel Praxiserfahrung und schaue, ob sich das mit meinen Beobachtungen deckt…

        Stimmt, Fiktion und Abstraktion sind spannende Mittel, Dinge auf den Punkt zu bringen und Leuten aus dem Herzen zu sprechen. Geschichten erzählen in lebhaften Bildern, Fakten in klaren Zahlen… Dasselbe Ziel – unterschiedliche Herangehensweisen, die sich gut ergänzen 🙂

        Liebe Grüße, auch an Lotta-Filipa!
        Eddies Frauchen (die auch gerne um die Ecke denkt)

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