Freiheit an der „Schaabe“

Seit unseren tollen Tagen an der Ostsee tun wir uns schwer damit, in Berlin wieder Fuß zu fassen. Obwohl die Hauptstadt zumindest in einer Hinsicht von Vorteil ist: Keine Dose, sondern Frischfleisch aus der B.A.R.F.-Theke in Wilmersdorf. Aber was ist das schon gegen die Freiheiten und den Spaß, den wir an der See hatten?

gute Luft © GvP
gute Luft © GvP

Genauer gesagt an der „Schaabe“, wie die 12 Kilometer lange Landenge im Volksmund heißt. Das Resort, das inmitten eines kleinen Kiefernwäldchens direkt am Strand liegt, war ausgesprochen hundefreundlich. Zur Begrüßung gab es neben zwei Fressnäpfen, einen Batzen Kotbeutel und eine kuschelige Hundedecke. Und obwohl es hieß, dass Hunde in den dazugehörenden Lokalen nicht gerne gesehen werden, wurde Hundi dort herzlich begrüßt. Geradezu als Stargast.

Möwe in Sicht © GvP
Möwe in Sicht © GvP

Regelrechte Starallüren entwickelte  Lotta-Filipa am Strand, wo sie sich in der wenig frequentierten Nachsaison „frei Schnauze“ bewegen konnte. Den Genuss der Freiheit quittierte sie mit Benimm, Charme und Fertigkeiten, die staunen ließen. An der Ostsee hatte Hundi Techniken parat, die wir zwar geübt hatten, die aber in Berlin nicht saßen. Sogar ganz schwierige Übungen wie das „Bleib“, währenddessen ein Stöckchen ins Wasser fliegt, beherrschte sie urplötzlich aus dem Effeff. Zum Entzücken aller am Strand. Nach der Freigabe setzte Lotta-Filipa vielfach noch einen drauf: Sie machte einige Faxen, woraufhin sich aus den Strandkörben vereinzeltes Lachen hören ließ. Dann stürzte sie sich freudig bellend ins Wasser, um das Wurfgeschoss – selbst bei schwerer See – sicher an Land zu bringen. Applaus an der „Schaabe“ war Hundi somit sicher …

freier Lauf © GvP
freier Lauf © GvP

Schnell hatte sie zudem raus, dass es Sinn machte, mit dem Fang im Maul an jenen Strandkörben vorbeizumarschieren, die besetzt waren. Obwohl Lotta-Filipa ihrer schlechten Gewohnheit an der Ostsee treu blieb, möglichst Tuchfühlung zu Menschen zu suchen, währenddessen sie sich das Wasser aus dem nassen Fell schüttelt, heimste sie beim Defilieren immer Lob und viele Streicheleinheiten ein. Ein Ehepaar aus Thüringen ließ es sich sogar nicht nehmen, in die nächstgelegene Stadt zu fahren, um Leckerlis für Hundi zu besorgen. Und selbst jene, die mir signalisiert hatten, dass sie mit Hunden Probleme haben, fremdelten nicht. „Dieser Hund ist besonders. Und noch dazu so gut erzogen, dass wir keine Berührungsängste haben.“ Ich staunte nicht schlecht, als ich ihn tags darauf beim Spielen mit Hundi beobachtete. Als Lotta-Filipa freilich Anstalten machte, neben seiner Frau in ihrem Strandkorb Platz nehmen zu wollen, stockte mir kurz der Atem. Grundlos: Hundi wurde herzlich empfangen und ausgiebig gestreichelt.

Sehnsucht Ostsee © GvP
Sehnsucht Ostsee © GvP

Im Nachhinein frage ich mich, was Lotta-Filipa angetrieben hat, an der Ostsee die Musterschülerin rauszukehren. – Eine Rolle, die sie in Berlin nicht perfekt drauf hat. Waren es die gute Seeluft, die tolle Landschaft, das herrliche Wasser? Oder das Gefühl der grenzenlosen Freiheit, das ein Hund in der Stadt nicht kennt? Hing ihr mustergültiges Verhalten möglicherweise damit zusammenhängen, dass ich an der Ostsee tief entspannt war, weil mir bewusst war, dass Hunde dort willkommen sind?

Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem. – Freilich möchte ich nicht gänzlich ausschließen, dass Lotta-Filipa auch im Sinn gehabt haben könnte, mein Selbstbewusstsein als ihre Trainerin aufzubauen. Dass ich an der „Schaabe“ im Ruf stand, eine Hundeflüsterin par excellence zu sein, das tat mir richtig gut. Verdammt gut sogar!

 

 

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