Die Ratte und – gottlob – ein Held zur rechten Zeit zur Stelle

Am Wochenende kam es zu einer Erstbegegnung. Mit einer Ratte! Einem stattlichen Kaliber. Mäuse hatte wir ja schon eine Menge, nicht aber das Jagdobjekt, worauf der Rat Terrier geeicht ist.

Wanderratte © GvP
Wanderratte © GvP

Um es vorweg zu nehmen: Während ich keine passable Figur machte, bestand Hundi ihre Feuertaufe mit Bravour. Wir waren an der kleinen Bucht an der Havel, die wir bei Hitze gerne aufsuchen. Unsere Sommeroase in einer Stadt, die es Hundehaltern immer schwerer macht. Da ist so gut wie keiner. Und da wir dort zumeist unter uns sind, regt sich auch niemand darüber auf, dass ein Hund im Wasser einen Heidenspaß hat.

Mir verging der Spaß am Sonntag gründlich. Kaum in der Oase angekommen, roch Hundi Lunte und war von der Fährte nicht mehr abzubringen. Sichtlich erregt machte sie sich am Ufer zu schaffen. Mein Unbehagen wuchs. Ich rief Lotta-Filipa ab und zu mir. Null Reaktion.

Dass Hundi meine Wünsche zeitversetzt befolgt, bin ich gewohnt. Nicht aber, dass sie ihre Ohren komplett auf Durchzug stellt. Da stimmt was nicht!

Wasserratte © GvP
Wasserratte © GvP

Lotta-Filipa war am Ufer mit einer großen, fetten Ratte beschäftigt, die kleine, spitze Zähne sehen ließ. Weit aufgerissene Augen, die glasig starrten. Die Krallen ausgefahren – bereit für den ultimativen Kampf um Leben oder Tod. Aufgeschwemmt nahezu auf Unterarmlänge trieb der Kadaver im seichten Wasser.

Lotta-Filipa aus dem Häuschen; ich aus der Fassung. Obwohl ich als Studentin selbst Ratten gehalten habe. Possierliche Tiere, die anhänglich und intelligent sind. Allerdings hatten Ben, Tom und Sam, wie meine niedlichen Ratten hießen, mit der toten Wanderratte, an der sich Hundi messen wollte,  nichts gemein. Ich war in Sorge. Ratten gelten als Überträger von diversen Krankheiten. Und was, wenn sie keinen natürlichen Tod erlebt hat,  sondern an Rattengift verendet ist?

Da Hundis Trieb, die Ratte zu fassen, stärker als meine Einsicht war, dass eine aufgedunsene Wasserleiche Lotta-Filipa gefährlich werden könnte, blieb uns nur die Flucht nach vorne.  Raus aus dem Sommerparadies. Kaum hatte ich Lotta-Filipa an der Leine, betrat ein Held die kleine Bucht. Beherzt! Der Kadaver wurde fachmännisch, aber nicht eben pietätvoll entsorgt.

Wir konnten in unserer Oase bleiben. Ruhe gab Lotta-Filipa freilich am Sonntagnachmittag nicht mehr. Ein unwiderstehlicher Duft lag in der Luft, dem musste sie hinterher.

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