Wir kamen auf den Hund. Ein Ausstellungsbesuch im Kupferstichkabinett

mit Hund im Kupferstichkabinett © GvP
mit Hund im Kupferstichkabinett © GvP

Die Sommerausstellung „Wir kommen auf den Hund“ im Berliner Kupferstichmuseum sorgt national und international für Aufsehen. Weniger wegen der abgebildeten Hunde, die auf über 100 Werken aus fünf Jahrhunderten zu sehen sind. Sondern deshalb, weil die Kuratoren auf eine öffentlichkeitswirksame Maßnahme gesetzt haben, die zieht. Bei der Kern-Zielgruppe, den Hundehaltern und -liebhabern auf jeden Fall. Zu speziellen Terminen dürfen bis zu 15 Vierbeiner kostenlos in die Ausstellung rein. Mit ihren Herrchen, versteht sich, die eine Eintrittskarte für sich lösen müssen. Um den Genuss für die Tiere nicht zu schmälern, wurden eigens einige Exponate augenzwinkernd auf Hundeschulterhöhe gehängt. Obendrein gibt’s zur bildenden Kunst neben einer launigen Führung für die Hunde eine eigene Betreuung und reichlich Leckerlis.

Wir hatten das Vergnügen, dabei zu sein. Wider Erwarten nahm uns die Ausstellung stärker in Anspruch als gedacht. Disziplin und Konzentration waren im hohen Maß gefragt. Von Hundi zudem Haltung, Anstand und Durchsetzungsvermögen, um den Kunstbanausen, die sich ebenfalls unter die Besucher gemischt hatten, Paroli bieten zu können.

Offenbar angeregt von den erotisch-pikanten Details, von denen im Kupferstichkabinett auch einige zu sehen sind, interessierte sich mancher Rüde mehr für Lotta-Filipas Popo als für die Kunst. Dass die visuell gestaltenden Künste beim Betrachten auch Unbewusstes loslösen können, stellte ein kleiner Schnauzer-Mix unter Beweis. Kaum hatte er im erotischen Kabinett einige Exponate in Augenschein genommen, war er wie besessen hinter Hundis Ohren her. Jegliches Kunstverständnis ging unverkennbar einem Zähne fletschendem Husky ab. Und der verspielte Beagel Charly? Der war mit seinen zehn Monaten für einen Museumsbesuch sichtlich zu unreif. Den Vogel schoß eine junge, feine Dame ab, die mit fünf Rehpinschern an fünf exklusiven Leinen die Räumlichkeiten der Ausstellung ein wenig verspätet betreten hatte. Ein Kunstwerk mit Hunden?  Wurde für die Ausstellungsbesucher real.

Hundi vor Dix © GvP
Hundi vor Otto Dix © GvP

So ganz auf unsere Kosten kamen wir beim Besuch der Ausstellung nicht. Gottlob haben wir den informativen Katalog. Lotta-Filipa hatte zwar eine Menge Spaß, dafür war ihre Enttäuschung groß, dass sich unverhältnismäßig viele Rassehunde im Kupferstichkabinett blicken lassen. Vor allem edle Jagd- und Windhunde, die dem Halter Statuszuwachs versprechen. Sichtlich verstört hat Hundi, dass sich in der Ausstellung so gut wie keine Mischlinge befinden. Und wenn, dann verrichten sie – wie etwa Adolf Menzels Spannhund – schwere körperliche Arbeit. Ein leises Knurren ließ sie vernehmen, als wir auf Nachfrage in Erfahrung brachten, dass das Berliner Kupferstichkabinett kein einziges Werk in seinem Bestand hat, das einen Rat Terrier zeigt. – Das war für meinen kleinen Rat Terrier dann doch etwas zu viel.

 

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