Auf den Hund gekommen – 20. Juli ein Gedenktag

Ankunft in Steglitz © Sabine Münch
Ankunft in Steglitz © Sabine Münch

Vor zwei Jahren zog Hundi an einem bedeutsamen deutschen Gedenktag in Steglitz ein. Einige Wochen zuvor hatten aufmerksame Passanten sie gemeinsam mit einem anderen Welpen in einem Pappkarton am Berliner Lietzensee aufgefunden. Beide wurden am 6. Juni 2013 ins hiesige Tierheim gebracht. Gemutmaßt wurde dort, dass es sich bei den circa sechs Wochen alten Findlingen um sogenannte Wühltischwelpen handelte, die skrupellose Händler an diesem Tag nicht losschlagen konnten.

20. Juli 2013 © Sabine Münch
20. Juli 2013 © Sabine Münch

Nach dem Aufpäppeln im Auftrag des Tierheimes bei den liebevollen Pflegemamis Sabine und Nicole zog Hundi am 20. Juli 2013 bei mir in Steglitz ein. Sie hieß damals Peggy, wurde auf knapp zwölf Wochen geschätzt und brachte bei einer Schulterhöhe von 26 Zentimetern gerade einmal 2,6 Kilogramm auf die Waage. Was zu Lasten ihrer schweren Durchfallerkrankung ging, die Wühltischwelpen neben vielen anderen Krankheiten in die Wiege gelegt wird. Die meisten, die um des Profits willen unter elenden Verhältnissen geboren werden, miserabel genährt werden, kein Tageslicht sehen und vom Muttertier viel zu früh früh getrennt werden, überleben die ersten Monate nicht.

20. Juli 2014  © GvP
20. Juli 2014 © GvP

Dieses Schicksal blieb Hundi erspart. In Steglitz verdoppelte Lotta-Filipa binnen weniger Wochen ihr Gewicht. Heute bringt sie mitsamt ihren zehn Zentimeter spitzen Ohren und einem Schwanz, der 21 Zentimeter misst, bei einer Schulterhöhe von 36 Zentimeter knapp acht Kilo auf die Waage.  Liebe geht halt durch den Magen …

20. Juli 2015  © Sabine Münch
20. Juli 2015 © Sabine Münch

Wir hatten Glück. Besser gesagt: Ich hatte verdammt viel Glück, dass wir uns im Juli 2013 im Berliner Tierheim zufällig über den Weg gelaufen sind. Zwar haben sich meine Befürchtungen, dass ein Hund mein gewohntes und lieb gewonnenes Singleleben umkrempeln würde, bestätigt. In der Tat: So vieles ist komplett anders, seitdem ich auf den Hund gekommen bin. Trotzdem möchte ich  in mein altes Leben nicht mehr zurück.

Was ich eingebüßt habe – etwa meine Unabhängigkeit oder meine penible Ordnung (jedenfalls die auf dem Fußboden) – bekomme ich hundertfach zurück. Dass ich für ein Geschöpf verantwortlich bin, erdet mich. Dass ich für Zwei denken und planen muss, bereichert mich. Mich fordert, dass Lotta-Filipa sich zu einer ebenso selbstbewussten wie selbstständigen Mitbewohnerin entwickelt hat, die sich von mir kein X für ein U vormachen lässt. Wenn sie mich zum Schmunzeln, wenn nicht gar zum lauthalsen Lachen bringt, bin ich den Beschwernissen und Ärgernissen des Alltages enthoben.

Nickerchen © Sabine Münch
Nickerchen © Sabine Münch

Vieles wäre aufzuzählen, warum ich nicht mehr in mein früheres Leben vor dem 20. Juli 2013 zurück will. Vielleicht eines noch: Lotta-Filipa lässt mich wieder Kind sein. Man mag das für albern halten, wenn wir mitten auf dem Gehweg Tannenzapfen kicken oder ausgelassen auf dem Teppichboden mit einander raufen. Und zwar genau in der Art, wie es junge, verspielte Hunde miteinander tun.

Schlussendlich: mein kurzes Nickerchen auf dem Sofa, währenddessen es sich Lotta-Filipa in meiner Bauchkuhle bequem macht. Na, das ist? – Ist mir geläufig: Eine Überdosis Oxytocin, die high und dementsprechend unzurechnungsfähig macht.

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6 Gedanken zu “Auf den Hund gekommen – 20. Juli ein Gedenktag

  1. Was für eine schöne Liebeserklärung an Lotta-Filipa! Oxytocin in solcher Form macht nicht nur high und glücklich … es macht auch süchtig 🙂

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara – die zu dritt schon mal ein Platzproblem auf dem Sofa bekommen … wenn wir nicht stapeln

  2. Na dann: Herzlichen Glückwünsch Euch beiden, dass Ihr Euch vor zwei Jahren gefunden habt. Und was Du schreibst über das Leben VORHER und das Leben mit Hund: ich stimme in allem zu.
    Viele Grüße, Claudia und die Hundejungs

  3. Ein wunderbarer Beitrag zum zweijährigen Einzugstag, den wir auf die eine oder andere Weise genauso erleben und nachvollziehen können.

    Es scheint ein großes Glück, dass ihr beide Euch gefunden habt und dass den Lesern Eures Blogs die richtige Dosis Oxytocin verabreicht…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

  4. So ist das, liebe Gesine, genau so ist das. Die Freiheit, die man vielleicht einbüsst, bekommt man zigfach zurück. Man wird zwar von eingefleischten Antihundemenschen oft für nicht ganz klar oder leicht kindisch und teildebil gehalten, aber ohne Hund ist nicht gesund. Und wenn man wie ich chronisch krank ist, dann schenkt sie einem immer wieder unbezahlbare Lebensfreude.
    Ein sehr schöner Text, ich kann das alles gut nachvollziehen.
    Liebe Grüße an Lotta Filippa und Dich von Bella, der wilden Hilde undvom Kai

  5. Wunderschön geschrieben, ich stimme in allen Punkten überein. Toll, dass ihr euch gefunden habt 🙂 Im August ist es auch 2 Jahre her, seitdem Jack eingezogen ist 🙂 Hundegruß von Jack & Jessy mit Frauchen xx

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