Archiv für den Monat Juni 2015

Verwöhnte Köter. Frustierte Halter

Leider muss ein Halter, der für seinen Hund nur das Beste will,  auch lernen, mit Frust umzugehen. Denn nicht alles, was er für seinen Vierbeiner für „gut“ oder sogar für „sehr gut“ hält, ist dem Hund ebenfalls zu Gefallen. Meinem Hund jedenfalls nicht.

die ramponierte Maus © GvP
die ramponierte Maus © GvP
Nehmen wir beispielsweise die kleine, gelbe Quietschemaus, die etwa zeitgleich mit Lotta-Filipa vor knapp zwei Jahren in Steglitz einzog. Da Hundi ihr vor allem anderen Spielzeug den Vorzug gab, machte sie bereits nach wenigen Wochen keinen Mucks mehr. Mit der Zeit kam die gelbe Maus immer weiter runter. Bis auf die Eingeweide.  Da ich für gleichwertigen Ersatz sorgen wollte, wurden sämtliche Tierfachgeschäfte abgeklappert. Da eine Gelbe nirgends aufzutreiben war, entschied ich mich nach wochenlanger Suche, Hundi mit DREI neuen, quietschfidelen Mäusen zu beglücken. Zwei Roten und einer Blauen. Zu meiner Enttäuschung fiel die Begrüßung mau aus. Nach einem kurzen Schnupper ließ Lotta-Filipa die Prachtmäuse links liegen, um sich der ramponierten Gelben zuzuwenden, die ihre Tage als stattliche Quietschemaus längstens hinter sich hatte.

Noch ein Beispiel gefällig? Hundis Welpenschlafplatz. Längst passt Lotta-Filipa nicht mehr rein ins Baby-Körbchen. Auch diesbezüglich scheute ich weder Mühe, noch Wege oder Kosten, um ein  Äquivalent zu besorgen, in dem es ein ausgewachsener Rat Terrier kuschelig und bequem hat. Und Lotta-Filipa? Die quetscht sich trotzdem Abend für Abend ins Baby-Bettchen rein…

mein Hund - ein Held! © Sabine Münch
mein Hund – ein Held? © Sabine Münch
Man erkennt unschwer. Nicht sämtliche meiner  Bemühungen, Hundi glücklich zu machen, kommen bei Lotta-Filipa gut an. Zu meinem Leid trifft das nicht nur für die Besorgungen zu, die ich für sie tätige, sondern auch für unser Unterhaltungsprogramm. Für vergangenen Sonntag beispielsweise hatte ich mir etwas ganz Besonderes ausgedacht. Den Hundetag im Tierpark Berlin!

Obwohl ich Zooparks immer weniger abgewinnen kann, fieberte ich unserem Ausflug wochenlang entgegen. Im Geiste sah ich Lotta-Filipa vor mir. Wie sie große Augen und noch spitzere Ohren als gewöhnlich macht. Freudig wuffend Bekannschaften mit Exoten schließt. Mein Hundi außer Rand und Band angesichts ihrer Vorfahren. Ich malte mir aus, dass sie mit den Kaniden im Rudel jaulen und einen Riesenspaß mit den Wölfen, Kojoten, Tigern und Pantern haben würde.

zoo
sicher in Herrchens Armen © Sabine Münch
Der ganz besondere Ausflug war ein totaler Reinfall. Mehr Frust geht kaum! Wilde Tiere in Gehegen fand Lotta-Filipa doof. Die Kaniden interessierten sie nicht die Bohne, manches machte ihr Angst und im Raubtierhaus kniff sie sogar den Schwanz. – Nur weg hier!

Etwas Gutes hatte der Tag im Tierpark am Ende dann doch. Am Stand von Lilli & Lollo ließ sich Lotta-Filipa demonstrativ fallen – auf ein Hundekissen. Ihr Baby-Bettchen können wir demnach (endlich) getrost entsorgen …

 

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Mein Hund – ein Hypochonder

Bisweilen stimmt was nicht mit ihr! Gottlob kommt das äußerst selten vor, dass Hundi nicht normal tickt. Was wiederum meint, dass Lotta-Filipa nicht quietschfidel und -lebendig, um nicht zu sagen: hyperaktiv ist.

ich hab was! © GvP
ich hab was! © GvP

Dass Hunde relativ viel schlafen, trifft auf Lotta-Filipa nicht zu. Hundi schläft dann, wenn ich schlafe. Notfalls auch dann, wenn ich mich in ein To-do verbissen habe. So mich nichts am Schreibtisch hält, fällt Hundi kein Auge zu. Auch nicht wenn wir nach einer langen, strapaziösen Tour zurückkehren. Während ich ermattet gegen den Schlaf ankämpfte, turnt Lotta-Filipa mit Gedöns durch die Wohnung. So als wäre nichts gewesen. Kein 20-Kilometer-Marsch rauf und runter. Kein Eiltempo beim Stöckchen-Jagen an Land und im Wasser. Kein Fang-mich-du-kriegst-mich-doch-nicht beim wilden Spiel mit ihren Kumpels.

Im Normalzustand ist Lotta-Filipa (hyper-) aktiv. Gibt sie ausnahmsweise einmal Ruhe, stehen bei mir die Zeichen auf Sturm. Ich vermute das Schlimmste. Hundi ist krank! Sterbenskrank …

Fakt ist: In den vergangenen beiden Jahren, die wir zusammenleben, stimmte mit Hundi tatsächlich zwei Mal was nicht. Ein Eckzahn wollte beim Zahnwechsel nicht raus, er musste unter Vollnarkose operativ entfernt werden. – Nicht unüblich bei Terriern.  – Wenig später trat Lotta-Filipa sich im Wald eine verrostete Haarnadel in die rechte Hinterpfote ein. Tief in die Haut zwischen die Zehen. Dank sofortiger Antibiotika-Prophylaxe vom Tierarzt ging das  glimpflich aus.

das Leiden Christi © GvP
das Leiden Christi © GvP

Beide Male hatte ICH verdammt viel Glück. Bei ihrem Zahn stand bei mir eine Operation am Knie, in Sache Haarnadel eine Dienstreise an. Hundis Kastration freilich. Die erlebte ich – bewusst.

Je näher ihr OP-Termin rückte, desto nervöser wurde ich. Mich plagten Ängste und Alpträume. Da ich mir unschwer vorstellen konnte, wie ich das wegpacke, dass Hundi malade ist, quartierten wir uns für die Zeit ihrer Rekonvaleszenz bei einer nervenstarken Freundin ein. Ich bedurfte eines Vertrauten an meiner Seite, der mich stützt, wenn es Lotta-Filipa nicht gut geht. Hundis Weh ist mein Leid!

Es kam wie es kommen musste. Mein hysterisches Gebaren übertrug sich auf Hundi. Schnell hatte Lotta-Filipa raus, dass waidwund gucken reicht, damit Herrchen noch fürsorglicher ist als sowieso. Wenn man malade ist, respektive so tut, als hätte man was, dann wird man betüdelt, extra bekocht und die Leckerlis sitzen lockerer.

Da ich sehr viel schwerer von Kapee bin als Hundi, sitze ich seither der Masche auf. Hundi hat was!

Zeckenalarm

Nächtens krabbelt Lotta-Filipa unbemerkt zu mir ins Bett, um am Fußende weiterzuschlafen. Kaum öffne ich morgens die Augen, robbt sie sich schwanzwedelnd zu mir hoch. Wir kuscheln bis ich mich aus den Federn mache. Hundi bleibt im Bett liegen.

Zeckenalarm © Sabine Münch
da stört mich was … © Sabine Münch
Gestern ertaste ich beim Kuscheln unter ihrem rechten Ellbogen eine Geschwulst. So groß wie ein Kirschkern. Ich springe aus dem Bett, reiße die Jalousie hoch, auf dass es hell werde, werfe Hundi auf den Rücken. Im gleißenden Licht zeichnet sich eine grün-gräulich schimmernde  Wucherung deutlich ab.

Mein Puls rast. Hund muss zum Arzt! Schnappatmend rufe ich eine Freundin an, die zugleich Hunde- und Gesineversteherin ist. „Wenn du sicher bist, dass es ein Fremdkörper ist, solltest du das umgehend abklären. Komm‘ vorher bei mir vorbei. Ich schaue mir das an.“

Ich stürze einen halben Pott Kaffee runter, werfe mich ungewaschen in irgendwelche Klamotten und eile mit Hundi zur U-Bahn. Viel hätte nicht gefehlt, dass ich aus Sorge um Lotta-Filipas Wohlergehen in ein hysterisches Weinen ausgebrochen wäre.

jetzt hab dich nicht so! © Sabine Münch
jetzt stört da nix mehr …  © Sabine Münch
Die Freundin fackelt nicht lange. Sie wirft Hundi auf den Rücken, arretiert behutsam die zappelnden Läufe. “Wo soll die sein, die Geschwulst?“ „Rechts oben in der Beuge.“ „Da ist nix …“

Ich reiße mich am Riemen. Taste selbst. Zu spüren ist da nix. Zu sehen eine kleine blutunterlaufene Stelle, einem Stich nicht unähnlich, den wir mit Jodsalbe versorgen. Die Freundin grinst mich an: „Eine vollgesogene Zecke, die wieder abgefallen ist. Entweder auf dem Weg hierher oder bei dir Zuhause.“ Ich starre sie ungläubig an: „Du meinst, bei mir wohnt jetzt eine Zecke?“ „Vermutlich. Und womöglich kriegt die sogar Nachwuchs.“ Mich hielt nichts mehr in Wilmersdorf. Eile nach Steglitz, um mich auf die Jagd nach einer Zecke zu machen.

Tatsächlich habe ich die Zecke nach langem Suchen gefunden. Der Tag war dennoch für mich gelaufen. Zwar ist Lotta-Filipa auch gegen Borreliose geimpft, aber: was heißt das schon?

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Ein Nachklapp für ähnlich übervorsorgliche Hundehalter wie mich: Das Spot-On- Präparat, das uns bislang einen Zeckenalarm erspart hat, kommt ab sofort – jedenfalls bei höheren Temperaturen – nicht mehr nach vier, sondern bereits nach drei Wochen zur Anwendung.