Wer Vorurteile sät, erntet Hass. – Das Letzte zum Hundeverbot an Schlachtensee und Krumme Lanke

Leicht haben es Hundehalter nicht. Sie leben gefährlich und mit Risiken, die dem gesunden Menschenverstand fremd sein sollten. In einer Großstadt wie Berlin allemal, wo auf 3,5 Millionen Einwohner schätzungsweise 160.000 Hunde kommen. Schnee von gestern ist, dass Berlin einst im Ruf stand, die freundlichste Hundestadt Deutschlands zu sein. Hundehalter ecken an, sie polarisieren, bringen Krethi und Plethi, Hinz und Kunz auf die Barrikaden. Angst um den Hund ist ihr tägliches Brot. Giftköderwarnungen und Berichte über Vierbeiner, die mit Rattengift, Schneckenkorn oder Rasierklingen gespickte „Leckerlis“ zu sich genommen haben, lehren sie das Fürchten. Wie viele Hunde daran schon verendet sind, weiß keiner. Statistisch erfasst wird das nicht.

ich bin harmlos! © GvP
tu mir bitte nix! © GvP

Wer in Berlin Verantwortung für einen Hund hat, der trägt nicht allein dafür Sorge, dass der Hund Kommandos wie „Halt“, „Bleib“ oder „Hierher“ perfekt beherrscht. Leider müssen sich Hundehalter seit geraumer Zeit auch einen Kopf darum machen, wie man seinen Vierbeiner vor Giftattacken bewahrt. Demzufolge boomen Hundeschulen, die mit Anti-Giftköder-Kursen lukrative Geschäfte machen.  – Das, freilich, genügt als Vorsorge in Berlin nun auch nicht mehr: Dem eigenen Hund beizubringen, kein ausgelegtes Futter aufzunehmen.

Traurig, aber wahr: Seitdem das Hundeverbot an Schlachtensee und Krumme Lanke in Kraft getreten ist, ist man in Berlin mit Hund statt Anti-Giftköder-Training besser beraten,  Selbstverteidigungskurse zu besuchen. Das Klima ist vergiftet. Angst greift unter Hundehaltern um sich. Inzwischen sagen nicht nur militante Hundehasser den Kampf an. Offenkundig fassen jene, die keine Hunde mögen, die Markl-Vieto-Zone um Schlachtensee und Krumme Lanke als einen Freibrief auf. Mit dem Verbot im Rücken fühlen sie sich berechtigt, noch ungehemmter gegen Vierbeiner und deren Halter vorzugehen.

ich bin geimpft und entwurmt © GvP
ich bin geimpft und entwurmt! © GvP

Sogar solche, die ihren Hund außerhalb der Verbotszone Gassi führen, werden beschimpft. Hunde werden mit Füßen getreten. Es soll zu Pöbeleien, ja sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Die B.Z. berichtet heute über einen Touristen aus Düsseldorf, der seine Hündin am Schlachtensee ausgeführt hat und dabei aggressiv angegangen wurde: „Ich bin immer noch entsetzt! Was mir dort innerhalb meines einstündigen Spaziergangs widerfahren ist, habe ich in dieser Form noch nirgendwo in der Welt erlebt. Noch nie in meinem Leben bin ich in einer derartig aggressiven Form angepöbelt, beleidigt und beschimpft worden,“ so der Düsseldorfer zur B.Z. Und der Verein Berliner Schnauzen? Der rät Hundehaltern sogar dazu, bei Ausläufen oberhalb der beiden Seen sicherheitshalber die Rufnummer des zuständigen Polizeireviers parat zu haben.

Warum entbrannte infolge des Hundeverbots eine derartige Schlacht? Weil es den verantwortlichen Politikern, die ein umstrittenes Gesetz mit fragwürdigen Argumenten durchgepeitscht haben, auch an Weitsicht und Sensibilität mangelte. Wer Angst schürt (Hunde beißen) und Vorurteile kolportiert (Hunde übertragen Krankheiten), der sät Hass.

Advertisements

4 Gedanken zu “Wer Vorurteile sät, erntet Hass. – Das Letzte zum Hundeverbot an Schlachtensee und Krumme Lanke

  1. Wir haben an diesen Seen leider auch vor dem Hundeverbot schlechte Erfahrungen mit Nicht-Hundehaltern gemacht. Man wird dort schnell beleidigt und bedroht, ohne dass man etwas getan hat. Ich hoffe auch, diese ganze Giftköderproblematik nimmt bald wieder etwas ab, es ist im Moment wirklich schlimm. Ich kann diesem Artikel nur zustimmen!
    LG Lisa

    1. danke für die Zustimmung. Ich befürchte, das Zenit wurde überschritten. Mit Hund in Berlin wird es immer schwieriger. Traurig, aber wahr. Und da ich beständig in Sorge um Lotta-Filipa bin, trage ich mich sogar mit dem Gedanken, weg zu ziehen. Das würde freilich auch bedeuten, klein bei zu geben. Zu kapitulieren – vor Hundehassern?

      1. Wir sind auch aus Berlin weggezogen 😉 sicher ist es irgendwo ein „klein beigeben“ aber da wäre mir mein Hund einfach wichtiger. Und je nachdem wohin man zieht hat der Vierbeiner es auch viel schöner als in Berlin 🙂

  2. Das ist traurig, liebe Gesine, aber ich fürchte, das ist nix neues, Menschen sind manchmal recht doof. Diese verdämmte Giftködererfahrung habe ich an allen meinen Mithundwohnorten machen müssen, egal ob in Aachen, Tübingen, Bonn oder – wenn wir bei Tochter und Schwester sind – in Berlin. Und zwar in Friedenau genau so, wie in Friedrichshain. Sind alles bloß Menschen. Solche zeigen einen auch gerne an oder beschimpfen einen. Arme Würstchen, die sonst keine Freude an Leben haben, vermute ich immer.
    Liebe Grüße
    Kai

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s