Die Crux mit den tierischen Gefühlen

Im Grunde genommen sollte ich das Thema erst gar nicht aufmachen. Weil ich mich damit verdächtig mache. Nämlich jenen Haltern anzugehören, die ihre Hunde vermenschlichen. Indem sie ihnen unterstellen, Gefühle oder Stimmungen wie Menschen zu empfinden. – Anthropomorphismus wird diese Gleichsetzung in der einschlägigen Literatur genannt. In der Regel abschätzig.

kalte Schulter? © GvP
kalte Schulter? © GvP

Unstrittig ist inzwischen zwar, dass Hunde emotionale Zustände wie Angst und Freude erleben, die mit bildgebenden Verfahren wie dem MRT nachgewiesen werden konnten. Sekundäre Gefühle allerdings wie Zorn, Mitleid, Trauer, Liebe, Eifersucht oder Schuldgefühle behält die Wissenschaft noch dem Menschen vor.

Inzwischen freilich scheint ein Meinungsstreit zu toben. Zwischen jenen, die Tieren sekundäre Gefühle absprechen, und jenen, die geneigt sind, deren Verhalten mit menschlichen Verhalten gleichzusetzen. Mich lässt die Kontroverse kalt. Ich halte sie sogar für anachronistisch. In jenen Ländern, in denen sich das Haustier einen anderen Status eroberte, hat jene Fraktion schon lange das Hintersehen, die Tieren das Empfinden von Gefühlen und Stimmungen abspricht. Bleiben wir beim Hund. Längst ist der kein Arbeits- oder Nutztier mehr, das ein Anwesen bewacht, eine Herde treibt, Wild jagt oder – wie Lotta-Filipas Ahnen – Schiffe und Farmen von Ratten befreit. Heute ist der Hund ein Lebensbegleiter: Seelengefährte, Kuscheltier, Partnerersatz, Familien- und Bürohund, Fitnesstrainer. Kurzum: des Menschen „bester Freund“. Jedenfalls hierzulande und in jenen Ländern, wo Hunde, salopp gesprochen, nicht mehr wie Dreck behandelt werden.

tiefer Blick? © GvP
tiefer Blick? © GvP

Mit eben diesem Statuswechsel hängt für mein Dafürhalten zusammen, dass wir unseren Haustieren Empfindungen und Wesenszüge zuschreiben, die wir von uns kennen. Warum sonst auch würden wir so viel Geld für den Hund, unseren besten Freund, ausgeben? Circa sechs Milliarden Euro jährlich lassen sich das beispielsweise die Deutschen kosten.

Und da Hunde Anpassungskünstler par excellence sind, wissen sie sich das selbstverständlich auch zunutze zu machen, dass wir denken, sie würden so fühlen wie wir.

Egal, was die Wissenschaft zum Thema sagt: Hunde verstehen sich virtuos darauf, Gefühle, die wir auf sie projizieren, für sich zu nutzen. – Dass Lotta-Filipa zu ganz großen Gefühlen fähig ist, liegt auf der Hand …

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4 Gedanken zu “Die Crux mit den tierischen Gefühlen

  1. Liebe Gesine, da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen – und zum Glück ist es mittlerweile nicht mehr nur „Gefühlssache“ von Haustierhaltern, dass ihre tierischen Gefährten mehr als bloße Instinktwesen sind, sondern auch die Forschung verschließt sich dem nicht mehr prinzipiell. Der nächste Schritt wäre dann, dass nicht nur allgemein anerkannt wird, dass Hunde Gefühle haben, sondern auch, dass wir Zweibeiner Gefühle für sie haben – die ebenso stark sein können wie die für andere Zweibeiner… ;-). Liebe Grüße in die Hauptstadt, Alexandra

  2. Wie jetzt? Es gibt tatsächlich Zweibeiner, die behaupten wir hätten keine tiefergehenden Gefühle? Echt? Oh, das macht mich richtig zornig… 😉
    Liebe Grüße
    Lotta

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