Archiv für den Monat März 2015

Liebster Award: Lotta-Filipa steht Rede und Antwort

Wer es noch nicht wissen sollte: Der Liebster Award ist eine Initiative von Bloggern, die das Ziel verfolgt, auf neue oder unbekannte Blogs aufmerksam zu machen. Lotta-Filipa wurde von Lotta nominiert. Woraufhin Hundi – stolz wie Bolle – sich mächtig ins Zeug legte, um die elf kniffeligen Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.

1. Was unterscheidet dich von anderen Hunden?

Komische Frage! Die stammt doch nicht von dir, Lotta! Die hat sich doch dein Frauchen ausgedacht, was? Nun gut, ich bin ja kein Spielverderber: Abgesehen von einem gewissen Etwas, das man bei Rüden ausmachen kann, unterscheide ich mich von anderen Hunden nicht. Bei mir ist alles dran, was zu einem ganzen Hund gehört. Und meine Sinnesorgane funktionieren ebenfalls artgerecht-einwandfrei.

2. Was magst du an deinen Menschen besonders gerne?

Nominiert! © GvP
Liebster Award? Was zum Fressen? © GvP

Was ich an Gesine ganz besonders gerne mag? Eine schwierige Frage. Ehrlich gesagt: Spontan fällt mir dazu nichts ein. Beeindruckt hat mich immerhin so viel, dass sie den „Arsch in der Hose“ hatte, mich bei sich aufzunehmen. Ich bin ja ein Findling, vermutlich ein Wühltischwelpe. Ich war knapp sechs Wochen alt, als man mich an einem Berliner See ausgesetzt hat. Sterbenskrank wurde ich ins hiesige Tierheim verfrachtet, wo mir Gesine über den Weg gelaufen ist. Mir war auf Anhieb klar: Das ist m e i n Herrchen! Gesine war das allerdings im Juli 2013 überhaupt nicht bewusst, dass ich  i h r  Hund bin. Die hat damals ziemlich mit sich gerungen, weil sie die große Verantwortung scheute. Heute sagt sie, dass ICH das BESTE bin, was ihr passieren konnte. – Das mag ich an Herrchen, wenn sie das sagt …

3. Gibt es auch etwas, über das du und deine Zweibeiner regelmäßig streitet?

Da ich fest davon überzeugt bin, Herrchen gut im Griff zu haben, halte ich das für eine ziemlich indiskrete Frage. Wie steht Herrchen denn da, wenn ich ehrlich darauf antworte? Sei’s drum, ich bin ja kein Spielverderber: Gestritten wird bei uns nicht. Herrchen gibt meistens nach und laut wird Gesine sowieso nicht. Das schafft sie mir gegenüber nämlich nicht. Bisweilen geraten wir aneinander. Zum Beispiel bei dieser leidigen Frage, ob ich die Kaninchenköttel essen darf. Herrchen guckt dann böse. Und ich gucke ganz lieb zu ihr zurück, währenddessen ich mir die leckeren Dinger in aller Ruhe einverleibe.

4. Wenn du selbst den Einkauf erledigen würdest – womit würdest du den Kühlschrank füllen?

Eine super Frage, Lotta! Die gefällt mir so richtig gut. Allerdings muss ich ehrlich zugeben, dass Herrchen das richtig gut macht. Für mein leibliches Wohl ist bestens gesorgt. Überall stehen Leckerlis rum und das Eisfach im Kühlschrank ist stets randvoll. Mit Beinscheibe, Blättermagen, Rindermix, Luftröhre, Pansen, Markknochen. Mein Problem ist nicht, was im Kühlschrank drin ist. Sondern: Wie komme ich an das dran, was da drin ist?

5. Mit welchem Spiel beschäftigst du deine Zweibeiner am liebsten?

Noch so eine indiskrete Frage bei der Herrchen ordentlich Fett abkriegt. Ich beschäftige Herrchen rund um die Uhr. Und nicht  am  l i e b s t e n  mit  i r g e n d w a s !

6. Mal ehrlich: Bist du ein Schmuser oder hast du lieber deine Ruhe?

Ruhe? Ich gebe keine und mag keine! Ich bin ein Schmuser. So lieb mir das Jagen, Tollen, Rennen, Spielen und Raufen auch ist, Schmusen ist das Allerschönste!

7. Gibt es etwas, das du unheimlich findest?

Wie despektierlich ist das denn? Ich bin ein Jagdhund, Lotta, und kein Schoßhündchen! Kein Weichei im Streichelzoo! Unheimlich? Das Wort kenne ich nicht einmal! Schreib dir das hinter deine Ohren, dass ich ein nahezu reinrassiger Rat-Terrier bin. Diese Rasse schreckt vor nichts zurück!

8. Wie lange gehst du im Durchschnitt mit deinen Zweibeinern spazieren?

Diese Frage ist mir zu kompliziert. Ich bin im Kopfrechen nicht sonderlich gut.  Außerdem haben Hunde ein völlig anderes Zeitempfinden als Menschen. – Für mein Dafürhalten sind wir jedenfalls  viel zu wenig draußen.

Nominiert! © GvP
eine schwierige Frage! © GvP

9. Bist du schon einmal mit deinen Zweibeinern verreist? Wenn ja mit welchem Transportmittel und hat dir das gefallen?

Was für eine alberne Frage. Das liegt ja wohl auf der Hand, dass Herrchen nicht ohne mich verreist. Klasse finde ich Auto. Zug ist mir zu langweilig. Als ich erstmals im Frachtraum eines Flugzeuges nach Spanien geflogen bin, war Gesine mit den Nerven komplett unten. Das fand ich ziemlich ulkig, dass sie sich so angestellt hat.

10. Was ist dir lieber – Schnee oder Sonne? Und warum?

Eine wirklich schwere Entscheidung, die ich mangels Erfahrung nicht so recht abwägen kann. Berlin ist ja für alles Mögliche und Unmögliche bekannt; aber sicherlich nicht dafür, mit Schnee gesegnet zu sein. Und so in den beiden Wintern, die ich seit meiner Geburt erlebt habe, in der Metropole dichte Flocken in Mengen runtergekommen sind, dann hatte es sich mit der weißen Pracht auch schnell wieder. Wie auch immer: Schneematsch ist nicht mein Ding, tiefer Schnee ist großartig. Dann habe ich mit Herrchen einen Heidenspaß. Fast noch mehr als sonst 😉 Sonne ist ebenfalls spitze. Weil die Menschen dann besser drauf sind. Außerdem darf ich bei Sonne ins Wasser. Weit raus, um ein Stöckchen an Land zu holen. Oder mit Herrchen um die Wette schwimmen. Das ist auch spitze! Zumal mich Gesine im Wasser ebenso wenig einholt wie per pedes an Land.

11. Wie sieht dein Verhältnis zum Postboten aus?

Für Verhältnisse bin ich mit knapp zwei Jahren noch zu jung. Und schon gar nicht interessiert bin ich an einem Verhältnis mit unserem Postboten. Der ist so überhaupt nicht mein Typ.

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doofe Fragen ... © GvP
doofe Fragen … © GvP

Danke, Lotta für die Nominierung. Die Regeln des Liebster Awards besagen ja, dass man 5-11 weiteren Bloggern elf neue Fragen stellen sollte. Da die meisten bereits an der Reihe waren, die wir in der Hunde-Bloggerszene kennen, geben wir uns an dieser Stelle bescheiden. Wir reichen die Staffel an Tobit und die Hundejungs Felix, Linus und Ruppert weiter. Vielleicht habt Ihr ja Lust, diese Fragen zu beantworten. Jeder für sich, versteht sich!

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  1. Wenn du die Wahl hättest: Lieber Zweibeiner oder Vierbeiner? – Bitte begründe deine Entscheidung.
  2. Stöckchen oder Bällchen? Käse oder Leberwurst?
  3. Würdest du das Geheimnis um das ultimative Rezept für Hundekekse hier öffentlich lüften?
  4. Was hältst du von Hundekumpels, die tolle Tricks drauf haben?
  5. Was tust du, um dein Herrchen aus der Reserve zu locken?
  6. Wie stehst du dazu, dass dein Halter über dich bloggt?
  7. Ist dir im real life schon einmal ein Hundekumpel begegnet, den du in der Virtualität kennengelernt hast?
  8. Hast du schon einmal versucht, deinen Menschen zu erklären, wie dein Vomeronasalorgan funktioniert?
  9. Wenn die Hundesteuer an ihren eigentlichen Zweck gebunden wäre, wofür würdest du das viele Geld ausgeben?
  10. Das Gerücht hält sich hartnäckig, dass der Hund der beste Freund des Menschen ist. Wie siehst du das?
  11. Und umgekehrt? Wird dann ein Schuh daraus: Ist der Mensch des Hundes bester Freund?

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Die Antworten auf die Fragen findet Ihr hier

 

 

Hunde haaren. Lotta-Filipa nicht!

die Frisur sitzt nicht © GvP
die Frisur sitzt nicht © GvP

Circa sieben bis acht Mal jährlich gehe ich zu meinem persönlichen Haarschneidespezialisten; Lotta-Filipa drei bis vier Mal jährlich zur ihrer speziellen Hunde-Coiffeuse. Auf’s Jahr gerechnet nehmen wir uns zumindest preislich nichts, da Hundis Fellpflege nahezu doppelt so teuer wie mein (flotter) Kurzhaarschnitt ist.*

Haare raus © GvP
ganz entspannt: Haare raus © GvP

Um Missverständnissen vorzubeugen: Lotta-Filipa geht nicht etwa deshalb regelmäßig zum Frisör, weil ihr Halter eitel ist. Im Gegenteil. Mir ist sie wuschelig-zerzaust sogar lieber als frisch adrett zurechtgemacht.

BTW: Hundis Fellpflege hat mit Kosmetik nichts gemein. Sagen wir so: Auch in dieser Hinsicht ist Lotta-Filipa, die dichte weiche Unterwolle und hartes, langes Deckhaar hat,  etwas ganz Spezielles. M e i n  Hundi  gehört zu den auserkorenen Rassen, deren Fell durch diverse Keuzungen so verändert wurde, dass es extrem robust und zudem wasserabweisend ist. Den Ergebnissen der Züchtung ist ebenfalls in Rechnung zu stellen, dass ein natürlicher Fellwechsel, wie ihn andere Hunde im Frühjahr und Herbst durchmachen, bei Hundi nicht stattfindet. Lotta-Filipa behält ihr abgestorbenes Fell an sich. Sie verliert es nicht.

fein gemacht © GvP
die Frisur sitzt! © GvP

Etwas Gutes hat die Sache: Lotta-Filipa haart nicht! Dieses Problem, das die meisten Hundehalter ziemlich nervt, habe ich nicht. Flauschige Hundehaarknäuel, die sich zu größeren Gebilden zusammenfügen, und dazu jede Menge lose Haare, die sich all überall tummeln, gibt es bei uns nicht.  Freilich hat das Gute seine Kehrseite: Hundis Zotteln richtig zu pflegen, das ist zeitintensiv, aufwändig und beim Fachfrisör entsprechend kostspielig.

Ein Kurzhaarschnitt, mal eben mit der Schere, das verbietet sich. Lotta-Filipa darf nicht geschoren oder geschnitten werden. Täte man dieses,  würde ihr Fell immer mehr verdichten und letztlich auch verfilzen. Auf die Dauer könnte sogar die Gesundheit leiden. Lotta-Filipa wird getrimmt, was heißt, dass die abgestorbenen Haare mitsamt Wurzeln rausgezupft werden. Idealerweise geschieht das händisch. Und das braucht seine Zeit. – Keine Bange. Unter der langwierigen Prozedur leidet Lotta-Filipa nicht. Die Schnauze verzieht sie lediglich, wenn’s an den Popo geht. Das mag sie nämlich nicht, wenn hinten an ihr herumgefummelt wird.

frisch getrimmt © Sabine Münch
feines Hundi … © Sabine Münch

Und sind die Zotteln erst einmal rausgezupft, dann ist Hundi merklich anzusehen, dass sie von einer ollen Last befreit wurde. Sie schüttelt sich weniger und kratzt sich kaum noch. Und ich? Obwohl ich der mehrstündigen Prozedur beiwohne (auch beim Haaremachen lassen wir einander nicht alleine), bin ich immer wieder auf’s Neue erstaunt, wie stark das Trimmen Lotta-Filipa ’s Aussehen verändert. Den Frechsdachs und Wildfang erkenne ich danach in ihr kaum wieder. Freilich gilt das nur kurzfristig. Gerade eben haben wir der Hunde-Coiffeuse „tschüss“ gesagt, schon stellt Lotta-Filipa an der erstbesten Ecke unter Beweis, dass das Sein das Bewusstein prägt. Nicht der Schein.

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* Spannend wäre ja, diese Hochrechnung auch für unsere Kost aufzumachen. Artgerechter, naturbelassener, fettärmer, vitamin- und mineralstoffreicher als meine Ernährungsweise ist zweifellos das, was Hundi tagtäglich zu sich nimmt. Ob mir das im Rahmen unserer Haushaltskasse ebenso sehr zum finaziellen Nachteil gereicht wie Lotta-Filipas Besuche bei der Hunde-Coiffeuse?  – Zu meinen Gunsten spricht in diesem Kontext bestenfalls, dass meine Portionen größer sind als das, was  in Lotta-Filipas Napf passt.

So viele Gesichter …

ausgewachsen?! © Sabine Münch
nun mach schon! © Sabine Münch

Gegen Ende ihrer, bisweilen doch recht langatmigen Abhandlung* wirft Patricia B. McConell die ultimative Frage auf: Warum lieben Menschen Hunde? Eine Erklärung meint sie in den ausdrucksstarken Gesichtern von Hunden zu finden, deren Mimik der unseren in vielerlei Hinsicht gleicht. „Die Gesichter von Hunden sind wie lebende, atmende, fellbedeckte Gefühle ohne all das Verstellen, Verstecken und Zensieren, das durch den rationalen Kortex erwachsener Menschen möglich wird. Die Ausdrucksstärke der Hunde verschafft ihnen einen direkten Weg zu den ursprünglichen und kraftvollen Zentren unseres Gehirns und verbindet uns auf eine Weise, die durch nichts anderes zustande kommen könnte. Wenn wir Hunde ansehen, sehen wir in einen Spiegel. Dass sie das Glücklichsein so gut ausdrücken können und dass Glück ansteckend ist, ist nur das Sahnehäubchen obendrauf.„**

der Kasper © GvP
der Kasper © GvP

Zwar stelle ich in Frage, dass ich Hundi deshalb so doll lieb habe, weil sie mir Wege zu meinen ursprünglichen und kraftvollen Gehirnregionen ebnet. Fakt ist allerdings, dass mich die vielen Gesichter, die Lotta-Filipa tagtäglich zeigt, erstaunen, faszinieren und – häufig nicht mehr loslassen. In diesen Momenten bewundere ich Hundi dafür, wie bravourös-kontrolliert sie ihre Mimik einsetzen kann. Um mich rum zu kriegen! Die Augen glitzern, ein keck-fordernder Blick, das Köpfchen schräg,  die Rute wedelt freudig-erregt: „Wirf doch noch mal, bitte sehr. Haste eben klasse gemacht. Das geht doch noch ein paar Mal. Was?! Nun mach endlich schon!“

Nichts Besonderes. Das kennt jeder, der einen Wuff, Bello oder eine Lassie zu Hause hat. Wenn sie etwas wollen, dann bezirzen sie Herrchen oder Frauchen. Mit Blicken. Unwiderstehlichen Blicken.

so groß und so stark © GvP
so groß und so stark © GvP

Mehr noch als der facettenreiche Blick fasziniert mich,  dass  m e i n  Hundi ein Charakterdarsteller ist. Freilich variiert das Fach. Je nach Bedarf, Umständen oder Laune ahmt sie solchen Größen nach wie Charly Chaplin, Audrey Hepburn (Ein süßer Fratz), Balu der Bär (probier’s mal mit Gemütlichkeit), Obelix, Charlie Rivel, Trotzkopf  oder Linus (der mit der Schmusedecke).

Die Klaviatur beherrscht Lotta-Filipa übrigens perfekt. Sie kann die Diva, die Naive, die Kecke oder die Mimose spielen. Den Abenteurer hat sie genau so gut drauf wie den Angsthasen. Das fromme Lämmchen bereitet ihr ebenso wenige Probleme wie die Rolle des kleinen, gewieften Ganoven. Im Faxen machen ist sie unübertrefflich. Mal mimt sie groß und stark, um kurz darauf das Fach zu wechseln: Bin so klein, kann kein Wässerchen trüben.

© Sabine Münch
kann kein Wässerchen trüben …© Sabine Münch

Man sieht: Hundi glänzt in vielen Rollen. Nicht jedoch in solchen, die auf Rambos oder Supermänner zugeschnitten sind. Lange saß ich dem Glauben auf, dass   m e i n   Hundi keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Dass ihr gewisse Gene oder Hormone dafür fehlen. Statt Kräfte zu messen, beschwichtigt sie lieber. Hundi ergibt sich freiwillig. Und zwar lange bevor es zu einer Rangelei kommen könnte.

Vor einigen Wochen wurde ich eines andern belehrt. Während Kumpel Maja sich Hundis Bällchen abermals schnappte, zog Lotta-Filipa ihre Lefzenwinkel nach vorne. Unter Knurren gab sie Maja unmissverständlich ihre Bereitschaft zu verstehen, ihr Bällchen notfalls unter Einsatz ihrer Zähne zu verteidigen.

So stolz ich auch auf Lotta-Filipas schauspielerische Talente bin. Lieber wäre mir ja, Hundi hätte den Rambo nicht drauf …

* Patricia B. McConell: Liebst du mich auch? Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund, Kynos Verlag, 3. Auflage 2014

** ebd., Seite 278.