Hunde verboten! Zur „Markl-Vieto“-Zone um Schlachtensee und Krumme Lanke

Zugegeben: das Hundeverbot, das ab 15. Mai 2015 an den beiden Berliner Gewässern Schlachtensee und Krumme Lanke gilt, trifft uns beide ins Mark. Das Gebiet, das man von Steglitz bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht, ist nämlich unser bevorzugtes Ziel. Wenn es um Lotta-Filipas Auslauf – was heißt: unser beider Wohlergehen und Gesundheit – geht.

Abschied vom See? © GvP
Abschied vom See? © GvP

Vierbeiner brauchen Auslauf! Allemal solche temperamentvollen Springinsfelde wie meiner einer ist, der sich möglichst täglich so richtig austoben will. So Hunde keine Möglichkeit haben, leinenlos mit ihren Artgenossen zu spielen, sich gegenseitig ausgiebig zu beschnüffeln oder ihren freien Lauf im rasanten Tempo zu genießen, dann wissen sie nicht, wohin mit ihrer Energie. Was heißt: Je weniger Freilauf Hunde haben, desto größer wird das Risiko, dass sie irgendwann Probleme machen. – Das ist für Hundehalter übrigens eine Binsenweisheit, für andere aber leider nicht!

Mancher Hund wird fett, wenn er zu wenig Bewegung hat. Andere entwickeln gar sonderbare Marotten (so knabbern sie beispielsweise Schuhe, Sofakissen oder gegebenenfalls sogar Tapeten an, weil sie unterbeschäftigt sind). Bisweilen besteht auch die Gefahr, dass sonst friedliche und wohl erzogene Hunde plötzlich aggressiv werden. Weil sie nicht ausgelastet sind!

So gesehen betrifft der gemeinsame Beschluss vom Senat und dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Hunde an den Ufern von Schlachtensee und Krumme Lanke nicht mehr zuzulassen, genau genommen alle Berliner Bürger. Schließlich geht es um ein einvernehmliches Zusammenleben von Mensch und Hund in der Großstadt. Wer dafür ist, dass die 165.000 Vierbeiner, die schätzungsweise in Berlin leben, artgerecht gehalten werden, der muss freilich auch dafür Sorge tragen, dass sie sich ohne Zicken in das Großstadtleben einfügen können. Und dazu braucht es ausreichende Angebote, damit Hunde ihre natürlichen Bedürfnisse angemessen ausleben dürfen.

Hunde brauchen Auslauf © Sabine Münch
Hunde brauchen Auslauf © Sabine Münch

Diese Dringlichkeit, dass Hunde in der Metropole Freilauf brauchen, hatten offensichtlich auch die politisch Verantwortlichen erkannt, als sie unter Punkt 8 der Koalitionsvereinbarung für die Legislaturperiode 2011 – 2016 festgelegt haben, „dass weitere Hundeauslaufgebiete von den Bezirken überall dort geschaffen werden sollen, wo geeignete Flächen vorhanden sind.“ (Siehe Koalitionsvereinbarung: Tiere in der Stadt.) – Selbstverständlich wissen wir alle, dass Politiker ihre gegebenen Versprechen gerne vergessen. Allerdings wird hier nicht nur ein Wahlversprechen gebrochen. Das Versprechen, in Berlin mehr Freilaufmöglichkeiten für Hunde zu schaffen, wird sogar konterkariert, indem man das Hundeauslaufgebiet im Grunewald dezimiert. Und zwar um einen 5,50 Meter langen Streifen jeweils entlang der Ufer von Schlachtensee und Krumme Lanke.

Vor den Kopf stößt mich in dieser Angelegenheit freilich noch mehr. Etwa, dass die Bezirksabgeordneten der SPD das Verbot zwar nicht mittragen wollten, aber nicht dagegen vorgehen konnten. Und zwar deswegen, weil Beschlüsse, die die jeweiligen Bezirksämter mit den Senatsbehörden abgestimmt haben, nicht zustimmungspflichtig sind. Was im Klartext bedeutet, dass die Bezirksverordnetenversammlung am 6. Januar 2015 die entsprechende „Vorlage zur Kenntnisnahme“ einfach nur durchgewinkt hat …

ganz entspannt am Schlachtensee © GvP
ganz entspannt am Schlachtensee © GvP

Warum es ausgerechnet eine Politikerin der Grünen sein musste, die sich dafür stark machte, dass ab 15. Mai 2015 auf den Uferseiten sogar Hunde an der Leine tabu sind, das mag auf einem Extra-Blatt stehen. Nicht aber die hanebüchenen Argumente der Bezirksstadträtin für Jugend, Gesundheit, Umwelt und Tiefbau, Christa Markl-Vieto, die inzwischen von Veterinären und anderen Experten teilweise wieder entkräftet wurden.

Hunde, liebe Frau Markl-Vieto, kacken nicht ins Wasser. Hunde machen ziemlich viel Zinnober darum, ihr Geschäft abzusetzen. Sie schnüffeln, drehen sich mehrfach um sich selbst – und ist der Ort der Nase nicht genehm, dann wiederholen sie das Prozedere an anderen Stellen so lange, bis die Örtlichkeit endlich passt. – Wie, bitte sehr, soll das im Wasser funktionieren?

Und wie, bitte schön, stellen Sie sich das Hundeverbot in der Praxis vor? Sollen Hundehalter zukünftig 5 ½ Meter lange Teleskopstangen aus Aluminium an den beiden Seen mit sich führen, um die „Markl-Vieto“-Grenze einhalten zu können?

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zieht seine Kreise ... © GvP
zieht seine Kreise … © GvP

Inzwischen haben sich mehrere Initiativen gebildet, die sich gegen das strikte Hundeverbot an den Uferseiten von Schlachtensee und Krumme Lanke zur Wehr setzen. So könnt Ihr beispielsweise eine Petition bei Avaaz.org zeichnen und ein Bürgerfeedback auf dem Berliner Stadtportal abgeben. Informieren bzw. engagieren könnt Ihr Euch zudem hier:

https://www.facebook.com/keinhundeverbotschlachtensee?fref=ts

http://www.hundeamschlachtensee.berlin/

Das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin bezog am 3. Februar zur „Markl-Vieto“-Grenze Stellung. Es kritisiert den Beschluss des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf, den Uferweg am Schlachtensee und der Krummen Lanke für Hunde künftig zu sperren. „Wichtig wäre es, den Druck von den Hundeauslaufgebieten im Südwesten Berlins zu nehmen, indem auch in anderen Bezirken endlich größere Hundeauslaufgebiete eingerichtet werden. Dann gäbe es die Probleme in dem genannten Bereich nicht“, so der Präsident des Berliner Tierschutzvereins Wolfgang Apel.

 

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4 Gedanken zu “Hunde verboten! Zur „Markl-Vieto“-Zone um Schlachtensee und Krumme Lanke

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