Herrchen hat gelesen: Ratgeber zum Thema „Wie bereite ich meinen Hund auf das Leben vor?“

Als Lotta-Filipa mit knapp 12 Wochen im Juli 2013 bei mir einzog, war mein Haushalt bestens mit Näpfen, Fressen, Geschirr und Halsband, Leckerlis, Spielzeug etc.pp. ausgerüstet.  Davon allerdings, wie man einen Welpen auf das Leben (in der Großstadt) vorbereitet,  davon jedenfalls hatte ich keine Ahnung. Und schon gar nicht von Hundis Art, dem Rat-Terrier nämlich, der nicht allein deshalb so speziell ist, weil er ein ausgewiesener Jagdhund ist, der einen besonderen Dickschädel hat. Und da ich von all‘ dem keinen blassen Schimmer hatte, tat ich damals das, was andere ebenfalls tun, wenn sie ratlos sind: Ich befragte Ratschlaggeber. Menschen, die Erfahrungen mit Welpen haben, Hundetrainer, deren tägliches Brot es ist, junge Hunde auf ihr Leben (in Berlin) vorzubereiten, und – ich studierte Unmengen von Ratgebern. Auf Papier und im Netz.

auf den rechten Weg ... © Sabine Münch
einen Hund auf den rechten Weg bringen … © Sabine Münch

Unmittelbar nach Hundis Heimkehr sog ich mir beispielsweise alles rund ums Thema Stubenreinheit rein. Ebenso wissbegierig wie gierig.  Die  übereinstimmende Regel  „Wenn das Geschäft außer Haus geklappt hat, machen Sie sich aus Freude darüber  vor Ihrem Welpen zum Affen“ befremdete mich zwar. Trotzdem folgte ich der einhelligen Schulmeinung strikt!  Ein jedes Mal, wenn Hundi sein Geschäft draußen erledigt hatte, führte ich zur Verwunderung all jener, die in Nähe zugegen waren, einen regelrechten Veitstanz auf.

Nachdem ich das mit der Witzfigur Prittwitz verinnerlicht, mich an die hämischen Blicke der Passanten gewöhnt und meine ebenso lautstarke wie gebärdenreiche Prozedur bei Hundi relativ rasch Erfolg zeitigte (Lotta-Filipa war mein albernes Gehabe offenbar extrem peinlich), wandte ich mich neuen Ratgeber-Themen zu. Mit geschmälerter Begeisterung – versteht sich. Zu meiner Irritation waren sich die Ratschlaggeber, die mir auf die Sprünge helfen sollten, wie ich Klein-Hundi „sitz“, „platz“ und „bleib“ beibringe, auch hier im Grundsatz einig. Unisono belehrten sie mich, dass die ersten 6 bis 16 Wochen entscheidend für die Entwicklung eines Welpen sind. Und dass das, was der Halter in diesem entscheidenden Zeitraum versäumt, nicht wieder gut zu machen ist. Nie wieder!

Mehr und mehr begann mich das Studium der Ratgeber zu frustrieren. Je intensiver ich mich mit ihnen auseinandersetzte, desto stärker quälte mich mein Gewissen. Ich war ein Versager – auf ganzer Linie.  Schließlich hatte ich die alles entscheidende Sozialisationsphase bei Klein-Hundi verpasst und durch mein schlechtes Timing ein Hundeleben gründlich versaut. Unwiderruflich – Lotta-Filipas ganzes langes Hundeleben lang!  Da mochte ich mir noch so oft vorbeten, dass es nicht meine Schuld gewesen sei,  dass Hundi erst im Alter von 12 Wochen in meine Obhut gekommen war. Unentschuldbar und durch nichts zu rechtfertigen war jedenfalls, dass ich nach ihrem Einzug ganze drei Wochen ihrer kostbaren Sozialisationsphase eigennützig vornehmlich darauf verschwendet hatte, Hundi beizubringen, dass man sein Geschäft nicht in meiner Wohnung macht …

nur mit Liebe erzieht man keinen Hund! © Sabine Münch
nur mit Liebe erzieht man keinen Hund! © Sabine Münch

Danach hatte ich Ratgeber satt. Nicht allein, weil sie mich einen Versager nannten. Vielmehr schien mir auch, dass von einigen festgeschriebenen Gesetzen abgesehen – wie etwa zur Sozialisationsphase eines Welpen – über die Erziehung von Hunden so viele Ansichten existieren wie es Hundetrainer, Hundeschulen, Verfasser von Hunderatgebern und Hundehalter gibt. Ich entschied mich, bei Lotta-Filipas Erziehung fortan stärker auf meinen Bauch zu setzen, statt auf Belehrungen solcher zu hören, die keinen blassen Schimmer von meinem Hundi, einem Rat-Terrier wohl gemerkt, haben. Mein Traum, dass sich Lotta-Filipa allein mit Empathie und Liebe auf den rechten Weg bringen ließe, hielt freilich nicht lange an. Alsbald ließ mich unsere Hundetrainerin, bei der wir zu unserem Vergnügen mehrere Lektionen in Sachen „Speach less“ absolvierten, nämlich wissen: „Nur mit Liebe, Gesine, erzieht man keinen Hund!“

Da augenscheinlich Bedarf bestand, meine erzieherischen Fähigkeiten zu trainieren, begab ich mich erneut auf die Suche nach Informationen, die mir in punkto Hundehaltung und -erziehung weiterhelfen sollten. Da mich Ratgeber aus  einschlägigen Publikumsverlagen nicht mehr befriedigten (hat man einen gelesen, bietet der Zweite kaum noch Mehrwert), griff ich erst zu Sachbüchern und schließlich zu Fachbüchern, wofür es – zugegebenermaßen – einen sehr viel längeren Atem als für Ratgeber braucht. Eingedenk der Tatsache allerdings, dass ich bei Hundi durch ein denkbar schlechtes Timing so viel verpatzt hatte, brachte – und bringe ich diesen selbstverständlich gerne auf …

 

 

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