Ist ja alles nur eine Frage der Kleidung …

bei Schnee und Matsch © GvP
bei Schnee und Matsch © GvP

Früher* hatte ich mit Schnee nichts am Hut. Gar nichts. Der mochte bei Sonnenschein noch so herrlich glitzern und die Metropole (jedenfalls kurzfristig) in ein weißes, ruhig anmutendes Kuriosum verwandeln. In der Stadt hielt ich Schnee für ein ziemlich großes Malheur. Kalt und nass. Und wenn der Schnee erst einmal fest getreten war, was ihm in der Großstadt binnen Kürze passiert, noch dazu für ein ziemlich glattes Malheur. Bei Schneefall zog ich früher* die warme Stube vor. Das Risiko, mir eine Erkältung oder schlimmstenfalls einen Beinbruch zuzuziehen, war mir zu groß. Und da die Tage gezählt sind, an denen sich die Berliner über eine geschlossene Schneedecke freuen respektive ärgern können, ging meine Rechnung auf. Lag in Berlin auf den Fußwegen Schnee, blieb ich früher* vorsorglich lieber zu Hause.

Zur Ehrenrettung der weißen Pracht sei hier angemerkt, dass ich keine Vorkehrungen getroffen hatte. Früher* war ich gegen die Risiken des Kalten, Nassen und Glatten schlichtweg nicht gewappnet. Dass es dicke Daunenjacken gibt, die Frauen fett machen, war mir zwar ins Auge gefallen. Und dass es klobiges Schuhwerk zu kaufen gibt, das Nässe abweist und Rutschgefahren vorbeugt, war mir auch zu Ohren gekommen. Wohl wäre mir aus ästhetischen Gründen niemals in den Sinn gekommen, mir selbiges anzuschaffen oder gar eine Mütze aufzusetzen, die meine Frisur ruiniert.

Heute bin ich schlauer als früher*. Seitdem Lotta-Filipa eingezogen ist, passe ich meine Kleidung nicht mehr der Mode, sondern dem Wetter an. Wenn ich Schuhe kaufe, dann nur noch solche, die Wasser und Schmutz abweisen und zudem für längere Märsche auf Wiesen, am Strand oder im Matsch bequem genug sind. Meine Jacken, jedenfalls jene, die ich im Winter trage, machen mich fett. Und meine Haare? Um die schere ich mich in der kalten Jahreszeit nicht. Warum auch? Unter meiner dicken Wollmütze sitzt die Frisur sowieso nicht.

bei Wind und Wetter © Sabine Münch
bei Wind und Wetter © Sabine Münch

Kurzum: Lotta-Filipa krempelte nicht nur mein Leben, sondern auch meine Kleider- und Schuhschränke um. Bereits wenige Tage nach ihrem Einzug im Juli 2013 musste ich konsterniert feststellen, dass meine Art, mich zu kleiden, nicht artgerecht war. Ich gestehe, dass mir der Abschied von feinen Lederschuhen mit Absätzen schwer fiel. Längst ziere ich mich freilich nicht mehr, klobige Botten zu tragen. Umgekehrt wird inzwischen sogar ein Schuh daraus. Heute kann ich mir kaum mehr vorstellen, auf hohen Hacken heile durch die Stadt zu kommen. Keinenfalls mit einem Lebensbegleiter an der Hand, der lieber auf dem Grünstreifen, statt auf dem Bürgersteig läuft.

Mein Verhältnis zur Oberbekleidung hat sich ebenfalls verändert. Zwar halte ich manches, was mich in den Auslagen anlacht, weiterhin für très chic, in den eigenen Schrank kommt es allerdings nur noch dann, wenn es mit Lotta-Filipa kompatibel ist. Neulich beispielsweise beim Shoppen mit Frau Mama. Sie hatte sich für ihre Tochter einen allerfeinsten Pullover ausgeguckt, der eine Stange Geld gekostet hätte. Etwas mehr sogar als eine Outdoorjacke in guter Qualität. Mein Herz schlug für den irrsinnigen Pullover aus erlesener Wolle, das Zusammenleben mit Hundi wohl dagegen. Was wäre, wenn sich Lotta-Filipas Krallen beim Raufen mit mir in den Maschen verfangen würden? Frau Mama konterte in der unbestechlichen Logik, die solchen Menschen eigen ist, die keinen Hund halten: „Dann spiele nicht mit ihr, wenn du den Pullover trägst.“

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Pullover wurde nicht gekauft …

und jetzt ein Bussi! © GvP
und jetzt ein Bussi! © GvP

Sollte Ihr Euch mit dem Gedanken tragen, mit einem Hund leben zu wollen, prüft zuvor auch Euren Bestand an Klamotten und Schuhen! Seid Euch bewusst, dass nicht nur der Hund ins Geld geht, sondern artgerechtes Schuhwerk und Bekleidung ordentlich was kosten. Bei mir war das jedenfalls ein Posten, den ich bei meiner Entscheidung, Hundi aus dem Berliner Tierheim heim nach Steglitz zu holen, nicht kalkuliert hatte. Und stellt Euch auch die Gewissenfrage: Seid Ihr für klobige Botten, dick machende Fleece- oder Dauenjacken und Haare, die nach dem Mützentragen nicht mehr sitzen, uneitel genug? Und – last but not the least – könnt Ihr damit leben, dass sich Hunde gerne suhlen, in Matsch und Gülle auf ihr besonderes Vergnügnen kommen, mit Vorliebe an Sachen riechen, die zum Himmel stinken, und besonders gerne Dinge nach Haus bringen, die ganz unappetitlich sind. Seid Ihr tolerant genug, in einer Wohnung und in Klamotten zu leben, die permanent dreckig sind?

BTW: Das, was ich früher* für schmutzig hielt, hat Lotta-Filipa nach ihrem Einzug sehr schnell relativiert …

* bevor ich auf den Hund gekommen bin

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5 Gedanken zu “Ist ja alles nur eine Frage der Kleidung …

  1. Artikel spricht mir aus dem Herzen, genauso ist es im Leben. Eine Freundschaft und Liebe zwischen Mensch und Hund verändert unsere Einstellung zum Leben….

  2. Genau wie Dir ist es mir ergangen, als Felix bei uns eingezogen ist – im November, einem Monat, in dem man sich KEINEN Welpen anschaffen sollte, denn sich alle zwei Stunden in dicke Jacken, Hosen, feste und hohe Schuhe zu packen, Mütze und Handschuhe nicht zu vergessen (es schneite damals schon Ende November und zwar so hoch, dass Felix beim zweiten Schritt aus der Haustür im Schnee völlig verschwunden war) ist einfach völlig lästig. Ja und der Kleiderschrank gab es auch nicht her, mit dem Hund durch Schnee, Eis und Kälte zu stapfen. Also freute der Outdoor-Laden sich riesig darüber, mir hilfreich zur Seite zu stehen beim Ansinnen, eine komplett neue Kleidungsausrüstung für alle Fälle anschaffen zu müssen. Allerdings hat die ganze Sache auch eine positive Seite: Durchs Laufen bei Wind und Wetter bin ich deutlich weniger oft erkältet!

    Und nun bei Hunde-Buchsammlung:
    Güther Bloch finde ich ganz lesbar, weil er empirisch arbeitet und Wölfe und verwilderte Haushunde bei ihrem Leben beoabchtet hat und daraus Schlüsse für das Zusammenleben mit dem Haushund zieht.
    Günther Bloch: Die Pizza-Hunde, Stuttgart, Kosmos-Verlag (hier berichtet er über seine Beobachtungen von verwilderten Hunden in der Toskana),
    Günther Bloch: Wölfisch für Hundehalter. Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern, Stuttgart, Kosmos-Verlag.
    Mechthild Käufer: Spielverhalten bei Hunden, Stuttgart, Kosmos Verlag (hier habe ich vieles über das Spielen von Hunden wiedergefunden, was ich zwar beoachtet habe, aber nicht so recht einschätzen konnte, z.B., dass sich größere und ältere Tiere klein machen, damit sie mit Welpen und Jungtieren – oder kleineren – auf Augenhöre spielen können, dass sie auch die kleineren und jüngeren gewinnen lassen usw.).
    Von Felix habe ich gelernt, wie unglaublich gut die Hundenase ist. Dazu habe ich dann noch dieses Buch „angelesen“:
    Anne Lill Kvam: Spurensuche. Nasenarbeit Schritt für Schritt, Bernau, animal-learn Verlag.
    Vielleicht ist ja ein Titel dabei, den Du noch nicht kanntest, es würde mich freuen.
    Nun einen schönen Sonntag und Euch beiden viel Spaß beim dich eingepackten Winterspaziergang, Claudia

    1. Danke vielmals für die Tipps, liebe Claudia. Ich habe just gelesen, dass die Alphawolf-Struktur in die Irre führt. Dazu demnächst hier mehr. Jedenfalls werde ich mir den Bloch zu Gemüte führen. Und deine Empfehlung zum Thema Spielen – die gefällt mir besonders!

  3. Diese Art der Zeitrechnung gibt es bei uns auch. Und erst vor wenigen Wochen wurde der Kleiderschrank von Frauchen auf „noch zeitgemäß“ hin überprüft.
    Liebe Grüße
    Lotta

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