Archiv für den Monat Januar 2015

Hunde verboten! Zur „Markl-Vieto“-Zone um Schlachtensee und Krumme Lanke

Zugegeben: das Hundeverbot, das ab 15. Mai 2015 an den beiden Berliner Gewässern Schlachtensee und Krumme Lanke gilt, trifft uns beide ins Mark. Das Gebiet, das man von Steglitz bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht, ist nämlich unser bevorzugtes Ziel. Wenn es um Lotta-Filipas Auslauf – was heißt: unser beider Wohlergehen und Gesundheit – geht.

Abschied vom See? © GvP
Abschied vom See? © GvP

Vierbeiner brauchen Auslauf! Allemal solche temperamentvollen Springinsfelde wie meiner einer ist, der sich möglichst täglich so richtig austoben will. So Hunde keine Möglichkeit haben, leinenlos mit ihren Artgenossen zu spielen, sich gegenseitig ausgiebig zu beschnüffeln oder ihren freien Lauf im rasanten Tempo zu genießen, dann wissen sie nicht, wohin mit ihrer Energie. Was heißt: Je weniger Freilauf Hunde haben, desto größer wird das Risiko, dass sie irgendwann Probleme machen. – Das ist für Hundehalter übrigens eine Binsenweisheit, für andere aber leider nicht!

Mancher Hund wird fett, wenn er zu wenig Bewegung hat. Andere entwickeln gar sonderbare Marotten (so knabbern sie beispielsweise Schuhe, Sofakissen oder gegebenenfalls sogar Tapeten an, weil sie unterbeschäftigt sind). Bisweilen besteht auch die Gefahr, dass sonst friedliche und wohl erzogene Hunde plötzlich aggressiv werden. Weil sie nicht ausgelastet sind!

So gesehen betrifft der gemeinsame Beschluss vom Senat und dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Hunde an den Ufern von Schlachtensee und Krumme Lanke nicht mehr zuzulassen, genau genommen alle Berliner Bürger. Schließlich geht es um ein einvernehmliches Zusammenleben von Mensch und Hund in der Großstadt. Wer dafür ist, dass die 165.000 Vierbeiner, die schätzungsweise in Berlin leben, artgerecht gehalten werden, der muss freilich auch dafür Sorge tragen, dass sie sich ohne Zicken in das Großstadtleben einfügen können. Und dazu braucht es ausreichende Angebote, damit Hunde ihre natürlichen Bedürfnisse angemessen ausleben dürfen.

Hunde brauchen Auslauf © Sabine Münch
Hunde brauchen Auslauf © Sabine Münch

Diese Dringlichkeit, dass Hunde in der Metropole Freilauf brauchen, hatten offensichtlich auch die politisch Verantwortlichen erkannt, als sie unter Punkt 8 der Koalitionsvereinbarung für die Legislaturperiode 2011 – 2016 festgelegt haben, „dass weitere Hundeauslaufgebiete von den Bezirken überall dort geschaffen werden sollen, wo geeignete Flächen vorhanden sind.“ (Siehe Koalitionsvereinbarung: Tiere in der Stadt.) – Selbstverständlich wissen wir alle, dass Politiker ihre gegebenen Versprechen gerne vergessen. Allerdings wird hier nicht nur ein Wahlversprechen gebrochen. Das Versprechen, in Berlin mehr Freilaufmöglichkeiten für Hunde zu schaffen, wird sogar konterkariert, indem man das Hundeauslaufgebiet im Grunewald dezimiert. Und zwar um einen 5,50 Meter langen Streifen jeweils entlang der Ufer von Schlachtensee und Krumme Lanke.

Vor den Kopf stößt mich in dieser Angelegenheit freilich noch mehr. Etwa, dass die Bezirksabgeordneten der SPD das Verbot zwar nicht mittragen wollten, aber nicht dagegen vorgehen konnten. Und zwar deswegen, weil Beschlüsse, die die jeweiligen Bezirksämter mit den Senatsbehörden abgestimmt haben, nicht zustimmungspflichtig sind. Was im Klartext bedeutet, dass die Bezirksverordnetenversammlung am 6. Januar 2015 die entsprechende „Vorlage zur Kenntnisnahme“ einfach nur durchgewinkt hat …

ganz entspannt am Schlachtensee © GvP
ganz entspannt am Schlachtensee © GvP

Warum es ausgerechnet eine Politikerin der Grünen sein musste, die sich dafür stark machte, dass ab 15. Mai 2015 auf den Uferseiten sogar Hunde an der Leine tabu sind, das mag auf einem Extra-Blatt stehen. Nicht aber die hanebüchenen Argumente der Bezirksstadträtin für Jugend, Gesundheit, Umwelt und Tiefbau, Christa Markl-Vieto, die inzwischen von Veterinären und anderen Experten teilweise wieder entkräftet wurden.

Hunde, liebe Frau Markl-Vieto, kacken nicht ins Wasser. Hunde machen ziemlich viel Zinnober darum, ihr Geschäft abzusetzen. Sie schnüffeln, drehen sich mehrfach um sich selbst – und ist der Ort der Nase nicht genehm, dann wiederholen sie das Prozedere an anderen Stellen so lange, bis die Örtlichkeit endlich passt. – Wie, bitte sehr, soll das im Wasser funktionieren?

Und wie, bitte schön, stellen Sie sich das Hundeverbot in der Praxis vor? Sollen Hundehalter zukünftig 5 ½ Meter lange Teleskopstangen aus Aluminium an den beiden Seen mit sich führen, um die „Markl-Vieto“-Grenze einhalten zu können?

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zieht seine Kreise ... © GvP
zieht seine Kreise … © GvP

Inzwischen haben sich mehrere Initiativen gebildet, die sich gegen das strikte Hundeverbot an den Uferseiten von Schlachtensee und Krumme Lanke zur Wehr setzen. So könnt Ihr beispielsweise eine Petition bei Avaaz.org zeichnen und ein Bürgerfeedback auf dem Berliner Stadtportal abgeben. Informieren bzw. engagieren könnt Ihr Euch zudem hier:

https://www.facebook.com/keinhundeverbotschlachtensee?fref=ts

http://www.hundeamschlachtensee.berlin/

Das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin bezog am 3. Februar zur „Markl-Vieto“-Grenze Stellung. Es kritisiert den Beschluss des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf, den Uferweg am Schlachtensee und der Krummen Lanke für Hunde künftig zu sperren. „Wichtig wäre es, den Druck von den Hundeauslaufgebieten im Südwesten Berlins zu nehmen, indem auch in anderen Bezirken endlich größere Hundeauslaufgebiete eingerichtet werden. Dann gäbe es die Probleme in dem genannten Bereich nicht“, so der Präsident des Berliner Tierschutzvereins Wolfgang Apel.

 

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Nur mit Liebe … Erzieht man keinen Hund!

An manchen Tagen bin ich einfach  n u r  stolz auf Lotta-Filipa. Dann etwa wenn sie einmal wieder allen, die uns beim Gassi begegnet sind, demonstriert hat, dass  m e i n  Hund der charmanteste, witzigste, niedlichste – und last but not the least – der best-erzogenste Hund auf Welt ist.*

wohl geraten in © GvP
wohl geraten in © GvP

In eben diesen vermessenen Momenten ist vergessen, dass Hundi – leider auch an der Leine –  am liebsten vorneweg rennt und dass Lotta-Filipa neuerdings den Spleen hat, Fahrradfahrer anzubellen, die uns auf den Gehwegen in die Quere kommen. Wobei: Hundi hat ja so Recht! Auf Bürgersteigen haben Fahrräder nichts zu suchen! Und: warum sollte man langsam zum Ziel gehen, wenn man sehr viel schneller hinkommen kann?

In diesen Momenten jedenfalls, in denen meine Brust aus  Freude darüber geschwellt ist, wie toll sich Lotta-Filipa unter meinen Fittichen in den vergangenen 1 ½ Jahren entwickelt hat, triumphiere ich auch. Und zwar über all‘ die Besserwisser, die mir inständig angeraten haben, mich in der Rolle eines Alphatieres zu üben, das die Zügel fest in Hand hält. Ich mochte mich noch so sehr mühen: die  Rolle passte mir nicht. – Man mag mich gerne einen Versager nennen: Das Alphatier ist wider meine Natur! Ich kriege das nicht hin, Hundi streng anzupacken, um meinen Willen durchzusetzen. Und barsche Töne oder gar Schimpfkanonaden – die kommen mir auch nicht über die Lippen.

in Herrchens Arm © Sabine Münch
in Herrchens Armen © Sabine Münch

Meines Erachtens straft Lotta-Filipa, die ohne einen Leithammel namens Alphatier  s e h r  w o h l  wohl geraten ist,  heute all jene Lügen, die mir (um meinetwillen und meiner Seele Frieden willen) beständig in den Ohren gelegen haben, dass ich bei ihrer Erziehung mehr Strenge walten lassen müsse. Dass ein „bitte, lass‘ das“ auf taube Hundeohren stößt und dass ein gelassen formuliertes „nein“ bei Vierbeinern nicht zieht. Dass man  n u r  mit Liebe, Empathie und Schmuseeinheiten keinen Hund erzieht.

Mit Blick auf Lotta-Filipa, die sich just zu meinem Füßen mit einem Markknochen genüsslich tut, meine ich: das mit einer Beziehung, die  n u r  auf Akzeptanz, Respekt, Vertrauen und Liebe beruht, das funktioniert sehr wohl! Abgesehen von gelegentlichen Macken, die ich nicht auf meine Erziehung, sondern auf den eigenwilligen Charakter des Rat-Terriers zurückführe, herrscht zwischen Lotta-Filipa und mir großes Einverständnis. Wir verstehen uns inzwischen nahezu wortlos! Dann jedenfalls, wenn Lotta-Filipa nicht abgelenkt ist. Gegen verheißungsvolle Fährten, hoch-interessante Hinterlassenschaften der Artgenossen, Kaninchen in Sicht- oder Ratten und Mäuse in Greifweite – dagegen kommt  Liebe halt nicht an…

*Das behaupten alle Halter von ihrem Hund. In unserem Fall stimmt das aber!

 

Herrchen hat gelesen: Ratgeber zum Thema „Wie bereite ich meinen Hund auf das Leben vor?“

Als Lotta-Filipa mit knapp 12 Wochen im Juli 2013 bei mir einzog, war mein Haushalt bestens mit Näpfen, Fressen, Geschirr und Halsband, Leckerlis, Spielzeug etc.pp. ausgerüstet.  Davon allerdings, wie man einen Welpen auf das Leben (in der Großstadt) vorbereitet,  davon jedenfalls hatte ich keine Ahnung. Und schon gar nicht von Hundis Art, dem Rat-Terrier nämlich, der nicht allein deshalb so speziell ist, weil er ein ausgewiesener Jagdhund ist, der einen besonderen Dickschädel hat. Und da ich von all‘ dem keinen blassen Schimmer hatte, tat ich damals das, was andere ebenfalls tun, wenn sie ratlos sind: Ich befragte Ratschlaggeber. Menschen, die Erfahrungen mit Welpen haben, Hundetrainer, deren tägliches Brot es ist, junge Hunde auf ihr Leben (in Berlin) vorzubereiten, und – ich studierte Unmengen von Ratgebern. Auf Papier und im Netz.

auf den rechten Weg ... © Sabine Münch
einen Hund auf den rechten Weg bringen … © Sabine Münch

Unmittelbar nach Hundis Heimkehr sog ich mir beispielsweise alles rund ums Thema Stubenreinheit rein. Ebenso wissbegierig wie gierig.  Die  übereinstimmende Regel  „Wenn das Geschäft außer Haus geklappt hat, machen Sie sich aus Freude darüber  vor Ihrem Welpen zum Affen“ befremdete mich zwar. Trotzdem folgte ich der einhelligen Schulmeinung strikt!  Ein jedes Mal, wenn Hundi sein Geschäft draußen erledigt hatte, führte ich zur Verwunderung all jener, die in Nähe zugegen waren, einen regelrechten Veitstanz auf.

Nachdem ich das mit der Witzfigur Prittwitz verinnerlicht, mich an die hämischen Blicke der Passanten gewöhnt und meine ebenso lautstarke wie gebärdenreiche Prozedur bei Hundi relativ rasch Erfolg zeitigte (Lotta-Filipa war mein albernes Gehabe offenbar extrem peinlich), wandte ich mich neuen Ratgeber-Themen zu. Mit geschmälerter Begeisterung – versteht sich. Zu meiner Irritation waren sich die Ratschlaggeber, die mir auf die Sprünge helfen sollten, wie ich Klein-Hundi „sitz“, „platz“ und „bleib“ beibringe, auch hier im Grundsatz einig. Unisono belehrten sie mich, dass die ersten 6 bis 16 Wochen entscheidend für die Entwicklung eines Welpen sind. Und dass das, was der Halter in diesem entscheidenden Zeitraum versäumt, nicht wieder gut zu machen ist. Nie wieder!

Mehr und mehr begann mich das Studium der Ratgeber zu frustrieren. Je intensiver ich mich mit ihnen auseinandersetzte, desto stärker quälte mich mein Gewissen. Ich war ein Versager – auf ganzer Linie.  Schließlich hatte ich die alles entscheidende Sozialisationsphase bei Klein-Hundi verpasst und durch mein schlechtes Timing ein Hundeleben gründlich versaut. Unwiderruflich – Lotta-Filipas ganzes langes Hundeleben lang!  Da mochte ich mir noch so oft vorbeten, dass es nicht meine Schuld gewesen sei,  dass Hundi erst im Alter von 12 Wochen in meine Obhut gekommen war. Unentschuldbar und durch nichts zu rechtfertigen war jedenfalls, dass ich nach ihrem Einzug ganze drei Wochen ihrer kostbaren Sozialisationsphase eigennützig vornehmlich darauf verschwendet hatte, Hundi beizubringen, dass man sein Geschäft nicht in meiner Wohnung macht …

nur mit Liebe erzieht man keinen Hund! © Sabine Münch
nur mit Liebe erzieht man keinen Hund! © Sabine Münch

Danach hatte ich Ratgeber satt. Nicht allein, weil sie mich einen Versager nannten. Vielmehr schien mir auch, dass von einigen festgeschriebenen Gesetzen abgesehen – wie etwa zur Sozialisationsphase eines Welpen – über die Erziehung von Hunden so viele Ansichten existieren wie es Hundetrainer, Hundeschulen, Verfasser von Hunderatgebern und Hundehalter gibt. Ich entschied mich, bei Lotta-Filipas Erziehung fortan stärker auf meinen Bauch zu setzen, statt auf Belehrungen solcher zu hören, die keinen blassen Schimmer von meinem Hundi, einem Rat-Terrier wohl gemerkt, haben. Mein Traum, dass sich Lotta-Filipa allein mit Empathie und Liebe auf den rechten Weg bringen ließe, hielt freilich nicht lange an. Alsbald ließ mich unsere Hundetrainerin, bei der wir zu unserem Vergnügen mehrere Lektionen in Sachen „Speach less“ absolvierten, nämlich wissen: „Nur mit Liebe, Gesine, erzieht man keinen Hund!“

Da augenscheinlich Bedarf bestand, meine erzieherischen Fähigkeiten zu trainieren, begab ich mich erneut auf die Suche nach Informationen, die mir in punkto Hundehaltung und -erziehung weiterhelfen sollten. Da mich Ratgeber aus  einschlägigen Publikumsverlagen nicht mehr befriedigten (hat man einen gelesen, bietet der Zweite kaum noch Mehrwert), griff ich erst zu Sachbüchern und schließlich zu Fachbüchern, wofür es – zugegebenermaßen – einen sehr viel längeren Atem als für Ratgeber braucht. Eingedenk der Tatsache allerdings, dass ich bei Hundi durch ein denkbar schlechtes Timing so viel verpatzt hatte, brachte – und bringe ich diesen selbstverständlich gerne auf …