Herrchen hat gelesen: „Is‘ was, dog?“ von Dunja Hayali

Hundi mit Hundi  © GvP
Hundi mit Hundi © GvP

Wer relativ frisch auf den Hund gekommen ist, freut sich naturgemäß vornehmlich über solche Weihnachtsgeschenke, die damit zu schaffen haben.  Auch wenn die Familie und die engen Freunde dazu inzwischen „Spleen“ sagen. Frau Mama beispielsweise, von der ich mir zum Fest lange, warme Unterhosen gewünscht hatte. Sie kräuselte die Stirn: Wie unsexy ist das denn! Trotzdem war Weihnachten heuer ein voller Erfolg. Neben allerlei Leckereien bekam Lotta-Filipa von Omi (= eben jener Frau Mama, die sich gegen Strick unterherum für ihre Tochter verwehrt hatte) einen kleinen bunten Hund. Aus Strick wohlgemerkt! Hundi war außer Rand und Band und mein sehr viel imposanteres Weihnachtsgeschenk dagegen nicht von Belang. Aber: Das ist eine andere Geschichte.

Ich bekam neben einigem Lesestoff, dicken Handschuhen und langen, warmen Unterhosen  (sexy ist bei Minustemperaturen eben genau das, was mich beim Gassi gehen auch unten herum warm hält …) ein Buch über eine Hündin namens Emma geschenkt. Vom Stiefbruder Michael, der nach dem Auspacken zu weitschweifigen Erklärungen anhob. Ganz unrecht tat er in meinen Augen damit nicht. Schließlich halte ich mich für eine anspruchsvolle und kritische Leserin, die mit dem Mainstream, den einschlägige Publikumsverlage auf den Markt werfen, nichts am Hut hat. Und schon überhaupt nichts mit Titeln, die Verlage deshalb bringen, weil irgendein Prominenter seinen Namen für das Geschreibsel hergegeben hat. Für eine Stange Geld selbstredend. Peanuts vom Reibach, den Verlage mit Promi-Titeln machen, kassiert übrigens der Ghostwriter. – Muss ich das eigens erklären,  was ein Ghostwriter ist?

Wie auch immer. Irgendwann stieß Stiefbruder Michael beim Schwadronieren über ein Geschenk, von dem er augenscheinlich befürchtete, dass ich weder den Promi kenne, noch dass es meinen Lesegeschmack trifft, nach langer Rede endlich zu des Pudels Kern vor. In der Tat, ich trage mich mit dem Gedanken ein Buch über mein Zusammenleben mit Hundi zu verfassen. Wohl soll das kein Werk à la „Lotta-Filipa und ich und was wir so alles Bezauberndes/Lustiges/Aufregendes/Ärgerliches/Drolliges etc.pp mit einander erleben“ werden. Sondern ein amüsanter, selbstironischer Bericht mit Mehrwert, der auch jenem Leser etwas bringt, der Lotta-Filipa nicht für den tollsten Hund der Welt hält. Wobei ich das im Grunde genommen natürlich stark anzweifele, dass auf Erden irgendwo irgendwer existiert, der mein Hundi nicht für den allertollsten Hund der Welt hält.

Cover_Is was, dog_Genau das, was ich mir für mein Buch über mein Hundi vorgenommen habe, verheißt jedenfalls das Buch über die Retrieverhündin Emma, das die Fernsehmoderatorin Dunja Hayali gemeinsam mit Elena Senft geschrieben hat. Es ist im Ullstein Verlag im April 2014 erschienen und liegt inzwischen in der 14. Auflage vor. Eben diese landete auf meinem Gabentisch. Und da man nicht früh genug damit anfangen kann, die Konkurrenzliteratur zu studieren, zog ich diesen Lesestoff all den anderen Büchern vor, die meinen Gabentisch am Heiligen Abend bereichert hatten.  Ich las es am ersten und zweiten Weihnachtstag. Unterbrochen von Hunderunden in langer Unterhose…

Bis etwa Seite 100 vergnügte ich mich mit Gewinn. Weil Lotta-Filipa ein Hund dieser Rasse ist, beanspruchten vor allem jene Passagen, in denen es um den Charakter der Terrier geht, meine volle Aufmerksamkeit. Die Aussage etwa, dass Terrier dickschädlige Springinsfelde sind, die sich nicht zu Bei-Fuß-Läufern erziehen lassen, stimmte mich weihnachtlich. Sie befriedete mein latent schlechtes Gewissen, dass mein Hundi so gar keine Anstalten macht, brav neben mir her zu gehen. Auch dann nicht, wenn ich versuche, Lotta-Filipa einen Leckerbissen vor die Nase zu halten. So schnell wie das Leckerli aus meiner Hand ist, so schnell ist Hundi auch wieder weg. Und zwar außerhalb meiner Sichtweite!

im Hintergrund "Is' was, dog?" © GvP
im Hintergrund „Is‘ was, dog?“ © GvP

Ab Seite 100 begannen mich Redundanzen zu ärgern. Ab Seite 130 bemängelte ich, dass dem Buch über Emma – die übrigens ein echter Vorzeigehund ist – jegliche Struktur fehlt. Es geht wahllos kreuz und quer durch den Gemüsegarten. Reichlich oberflächlich werden all jene Themen angerissen, von denen man im Ullstein Verlag offensichtlich angenommen hat, dass sie in einem Hundebuch mit Mehrwert nicht fehlen dürfen. Da werden die Auswahl der Rasse, die Namensfindung, der Besuch beim Tierarzt, das Fressen bis hin zum Ableben des geliebten Tieres abgehandelt. Ab Seite 150 hielt ich mit der Ghostwriterin innerlich Rücksprache, die sich augenscheinlich sehr beflissen darum bemüht hat, den vorgesehenen Manuskriptumfang von 250 Seiten, den der Verlag für einen Verkaufspreis von 14,99 Euro für ein Taschenbuch „aus der Feder“ von Dunja Hayali kalkuliert hatte, irgendwie mit Inhalten zu füllen. Die Ghostwriterin Elena Senft bemühte sich  – in der Tat – redlich. Freilich mangelte es ihr – freundlich gesagt: naja, zumindest an Leidenschaft für Hunde. Ich würde wetten, dass Sonja Senft keinen Hund hat. Und wenn, dann kommt der bei ihr – anders als bei Dunja Hayali – nicht ins Bett!

Ein Lektorat von einem, der etwas mehr von Hunden und deren Haltung als die Ghostwriterin versteht, hätte dem Titel gut getan. Nein, Dunja Hayali, Zahnstein muss für die Halter älterer Hunde kein unabwendbares olfaktorisches Schicksal sein. Dagegen kann man vorsorglich eine Menge tun.  Und das mit dem leinenlos in Berlin – das nehmen Sie wirklich viel zu locker!

Alles in allem bewahrheitet sich leider auch bei diesem Buch, dass es den Programmverantwortlichen im Ullstein Verlag nicht um den Inhalt, sondern allein darum gegangen ist, dass ein halbwegs prominentes Gesicht ein Cover ziert. – Egal, was drin steht, Hauptsache ist doch, dass Name und Konterfei eines Promis drauf stehen, dann verkauft sich das wie geschnitten Brot… Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Stünde da nicht Dunja Hayali drauf, wäre „Is‘ was, dog?“ nie erschienen. Jedenfalls nicht in einem traditionellen Publikumsverlag.

Mein Resümee: Die Geschichten aus dem Hundeleben mit Emma entbehren nicht einen gewissen Unterhaltungseffekt. Wohl fehlt es an: Nutzwert . Ich atme auf „Is‘ was, dog?“ ist keine ernst zu nehmende Konkurrenz für das Buch, das ich über Lotta-Filipa zu schreiben gedenke. „Is‘ was, dog?“ bedient vornehmlich Kischees über Hunde und deren Halter. Und die Typographie zu Rassen und Menschen, die sich auf Hundewiesen und in Hundeauslaufgebieten ihre Freizeit vertreiben, die mag zwar komisch anmuten. Aber: Meines Wissens geht es dort anders zu!

Ich vergebe zwei von fünf Sternen: Nett gemeint, aber verfehlt.

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8 Gedanken zu “Herrchen hat gelesen: „Is‘ was, dog?“ von Dunja Hayali

  1. Wunderbar! Kein Buch für meinen SuB! Danke für die eindringliche Warnung, da nutzte ich die Zeit doch besser zur Hundebespaßung draußen, mit dicker Unterwäsche, Mütze, Schal und eiskalten Fingern (mit Handschuhen kann man nicht mit Hunden spielen….). Und die Hunde sind irgendwie immer ganz zum Wetter passend gekleidet :-).
    Viele winterliche Grüße, Claudia

    1. So du eine Leseempfehlung zum Thema Hund hast – sei es ein Sachbuch, ein Ratgeber, Bildband oder Belletristik – ich freue mich über jeden Tipp. Es existieren zwar Unmengen zum Thema, aber Perlen lassen sich in dem Meer nur sehr schwer ausmachen. Leider!

      1. Da hast du wahrlich recht, dass es Unmengen unmöglicher Hundebücher gibt: die tausendunddrei Anleitungsbücher für den wohlerzogenen Hund, meistens auf einer selbstgebastelten Erziehungsideologie basierend, die von jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis völlig unbeleckt ist; dann die meistens sehr rührseligen Bücher über die Hunde, die dem eigenen Leben in neuer/auswegloser/existenziell bedrohlichen Situation eine neue Wendung gegeben haben, dramatischer Tod des lebensrettenden Tieres inklusive, die Promi-Hundebücher, die du ja so schön beschrieben hast, und und und. Insofern hat deine Idee eines ganz normalen Hundebuchs schon seinen unwiderstehlichen Charme. Wieder zuhause 🙂 schaue ich mal in mein Regal, ich denke da an ein sehr brauchbares Buch zum Spielen mit Hunden (der Vortrag der Autorin hat mir total gut gefallen, seitdem sehe ich die Spielerei unter Hunden und zwischen Menschen und Hunden ganz anders) und die Besprechung zum Bildband mit den tauchenden Hunden findest du auf meinem Blog. Vielleicht finde ich noch mehr Brauchbares im Regal. Am Wochenende schaue ich, versprochen.
        Nun einen guten Rutsch ins Neue Jahr, mit – je nach Angstlage – nicht so viel Geknall, Claudia

  2. Und schon habe ich deinen Blog gefunden, liebe Lotta-Filippa!
    Danke für die interessante Rezension. Die Zweibinige hatte das Buch kürzlich auch schon in der Hand, nachdem sie ein Interview mit „dem Promi“ über das Buch gesehen hatte und wollte es schon kaufen. Jetzt ist sie froh, dass sie die Finger davon gelassen hat.
    Liebe Grüße
    Lotta

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