Archiv für den Monat Dezember 2014

Herrchen hat gelesen: „Is‘ was, dog?“ von Dunja Hayali

Hundi mit Hundi  © GvP
Hundi mit Hundi © GvP

Wer relativ frisch auf den Hund gekommen ist, freut sich naturgemäß vornehmlich über solche Weihnachtsgeschenke, die damit zu schaffen haben.  Auch wenn die Familie und die engen Freunde dazu inzwischen „Spleen“ sagen. Frau Mama beispielsweise, von der ich mir zum Fest lange, warme Unterhosen gewünscht hatte. Sie kräuselte die Stirn: Wie unsexy ist das denn! Trotzdem war Weihnachten heuer ein voller Erfolg. Neben allerlei Leckereien bekam Lotta-Filipa von Omi (= eben jener Frau Mama, die sich gegen Strick unterherum für ihre Tochter verwehrt hatte) einen kleinen bunten Hund. Aus Strick wohlgemerkt! Hundi war außer Rand und Band und mein sehr viel imposanteres Weihnachtsgeschenk dagegen nicht von Belang. Aber: Das ist eine andere Geschichte.

Ich bekam neben einigem Lesestoff, dicken Handschuhen und langen, warmen Unterhosen  (sexy ist bei Minustemperaturen eben genau das, was mich beim Gassi gehen auch unten herum warm hält …) ein Buch über eine Hündin namens Emma geschenkt. Vom Stiefbruder Michael, der nach dem Auspacken zu weitschweifigen Erklärungen anhob. Ganz unrecht tat er in meinen Augen damit nicht. Schließlich halte ich mich für eine anspruchsvolle und kritische Leserin, die mit dem Mainstream, den einschlägige Publikumsverlage auf den Markt werfen, nichts am Hut hat. Und schon überhaupt nichts mit Titeln, die Verlage deshalb bringen, weil irgendein Prominenter seinen Namen für das Geschreibsel hergegeben hat. Für eine Stange Geld selbstredend. Peanuts vom Reibach, den Verlage mit Promi-Titeln machen, kassiert übrigens der Ghostwriter. – Muss ich das eigens erklären,  was ein Ghostwriter ist?

Wie auch immer. Irgendwann stieß Stiefbruder Michael beim Schwadronieren über ein Geschenk, von dem er augenscheinlich befürchtete, dass ich weder den Promi kenne, noch dass es meinen Lesegeschmack trifft, nach langer Rede endlich zu des Pudels Kern vor. In der Tat, ich trage mich mit dem Gedanken ein Buch über mein Zusammenleben mit Hundi zu verfassen. Wohl soll das kein Werk à la „Lotta-Filipa und ich und was wir so alles Bezauberndes/Lustiges/Aufregendes/Ärgerliches/Drolliges etc.pp mit einander erleben“ werden. Sondern ein amüsanter, selbstironischer Bericht mit Mehrwert, der auch jenem Leser etwas bringt, der Lotta-Filipa nicht für den tollsten Hund der Welt hält. Wobei ich das im Grunde genommen natürlich stark anzweifele, dass auf Erden irgendwo irgendwer existiert, der mein Hundi nicht für den allertollsten Hund der Welt hält.

Cover_Is was, dog_Genau das, was ich mir für mein Buch über mein Hundi vorgenommen habe, verheißt jedenfalls das Buch über die Retrieverhündin Emma, das die Fernsehmoderatorin Dunja Hayali gemeinsam mit Elena Senft geschrieben hat. Es ist im Ullstein Verlag im April 2014 erschienen und liegt inzwischen in der 14. Auflage vor. Eben diese landete auf meinem Gabentisch. Und da man nicht früh genug damit anfangen kann, die Konkurrenzliteratur zu studieren, zog ich diesen Lesestoff all den anderen Büchern vor, die meinen Gabentisch am Heiligen Abend bereichert hatten.  Ich las es am ersten und zweiten Weihnachtstag. Unterbrochen von Hunderunden in langer Unterhose…

Bis etwa Seite 100 vergnügte ich mich mit Gewinn. Weil Lotta-Filipa ein Hund dieser Rasse ist, beanspruchten vor allem jene Passagen, in denen es um den Charakter der Terrier geht, meine volle Aufmerksamkeit. Die Aussage etwa, dass Terrier dickschädlige Springinsfelde sind, die sich nicht zu Bei-Fuß-Läufern erziehen lassen, stimmte mich weihnachtlich. Sie befriedete mein latent schlechtes Gewissen, dass mein Hundi so gar keine Anstalten macht, brav neben mir her zu gehen. Auch dann nicht, wenn ich versuche, Lotta-Filipa einen Leckerbissen vor die Nase zu halten. So schnell wie das Leckerli aus meiner Hand ist, so schnell ist Hundi auch wieder weg. Und zwar außerhalb meiner Sichtweite!

im Hintergrund "Is' was, dog?" © GvP
im Hintergrund „Is‘ was, dog?“ © GvP

Ab Seite 100 begannen mich Redundanzen zu ärgern. Ab Seite 130 bemängelte ich, dass dem Buch über Emma – die übrigens ein echter Vorzeigehund ist – jegliche Struktur fehlt. Es geht wahllos kreuz und quer durch den Gemüsegarten. Reichlich oberflächlich werden all jene Themen angerissen, von denen man im Ullstein Verlag offensichtlich angenommen hat, dass sie in einem Hundebuch mit Mehrwert nicht fehlen dürfen. Da werden die Auswahl der Rasse, die Namensfindung, der Besuch beim Tierarzt, das Fressen bis hin zum Ableben des geliebten Tieres abgehandelt. Ab Seite 150 hielt ich mit der Ghostwriterin innerlich Rücksprache, die sich augenscheinlich sehr beflissen darum bemüht hat, den vorgesehenen Manuskriptumfang von 250 Seiten, den der Verlag für einen Verkaufspreis von 14,99 Euro für ein Taschenbuch „aus der Feder“ von Dunja Hayali kalkuliert hatte, irgendwie mit Inhalten zu füllen. Die Ghostwriterin Elena Senft bemühte sich  – in der Tat – redlich. Freilich mangelte es ihr – freundlich gesagt: naja, zumindest an Leidenschaft für Hunde. Ich würde wetten, dass Sonja Senft keinen Hund hat. Und wenn, dann kommt der bei ihr – anders als bei Dunja Hayali – nicht ins Bett!

Ein Lektorat von einem, der etwas mehr von Hunden und deren Haltung als die Ghostwriterin versteht, hätte dem Titel gut getan. Nein, Dunja Hayali, Zahnstein muss für die Halter älterer Hunde kein unabwendbares olfaktorisches Schicksal sein. Dagegen kann man vorsorglich eine Menge tun.  Und das mit dem leinenlos in Berlin – das nehmen Sie wirklich viel zu locker!

Alles in allem bewahrheitet sich leider auch bei diesem Buch, dass es den Programmverantwortlichen im Ullstein Verlag nicht um den Inhalt, sondern allein darum gegangen ist, dass ein halbwegs prominentes Gesicht ein Cover ziert. – Egal, was drin steht, Hauptsache ist doch, dass Name und Konterfei eines Promis drauf stehen, dann verkauft sich das wie geschnitten Brot… Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Stünde da nicht Dunja Hayali drauf, wäre „Is‘ was, dog?“ nie erschienen. Jedenfalls nicht in einem traditionellen Publikumsverlag.

Mein Resümee: Die Geschichten aus dem Hundeleben mit Emma entbehren nicht einen gewissen Unterhaltungseffekt. Wohl fehlt es an: Nutzwert . Ich atme auf „Is‘ was, dog?“ ist keine ernst zu nehmende Konkurrenz für das Buch, das ich über Lotta-Filipa zu schreiben gedenke. „Is‘ was, dog?“ bedient vornehmlich Kischees über Hunde und deren Halter. Und die Typographie zu Rassen und Menschen, die sich auf Hundewiesen und in Hundeauslaufgebieten ihre Freizeit vertreiben, die mag zwar komisch anmuten. Aber: Meines Wissens geht es dort anders zu!

Ich vergebe zwei von fünf Sternen: Nett gemeint, aber verfehlt.

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Weihnachten in Steglitz…

Mein allererstes Weihnachten in meinem jungen Hundeleben habe ich 2013 in Spanien erlebt – bei meinem Opi, zu dem Herrchen „Papi“ sagt. Viel Gedöns wurde an der Costa Blanca, wo die Rentner überwintern, um dieses Dingsda namens Weihnachten jedenfalls nicht gemacht. Heuer war ich sehr gespannt, wie Weihnachten in Steglitz geht. – Kurzum: Mich hat das Fest echt geschafft. Aber: der Reihe nach…

Christkind vor der Tür? © GvP
Christkind vor der Tür? © GvP

Zu meinem Erstaunen hingen Mitte November plötzlich überall bunte Kugeln rum, mit denen man nicht spielen darf! Ende November wuchsen über Nacht Bäume aus dem Boden, die man nicht anpinkeln darf! Im Dezember war ich dann wochenlang aus dem Häuschen, weil Herrchen Sonntags Kerzen entzündete. Erst eine, dann zwei – dann immer mehr! Mit Streichhölzern! Das lässt sich hören und riecht, wenn das Hölzchen an der Reibefläche Feuer fängt. Ich bellte mit. – Je mehr Kerzen entzündet wurden, desto lauter und aufgeregter! Vier Wochen lang.

Vorgestern brannten dann endlich alle vier Kerzen – und einige mehr. Und da die Zweibeiner so komisch drauf waren, habe ich mir das mit dem Anbellen der Kerzen verkniffen. Ich mimte das nach, zu dem Herrchen „besinnlich“ sagt. Habe Kerzen angeglotzt. Entre nous: Besinnlich ist für mich anders!

Geschenkpapier aufreißen! © GvP
Geschenkpapier aufreißen! © GvP

Nachdem die Zweibeiner „Ihr Kinderlein kommet“ und „Oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter“ intoniert und sich rührselige Tränen aus dem Auge gewischt hatten (entre nous: wie bekloppt ist da denn?), gings ans Eingemachte! Endlich ans Auspacken! Die besinnliche Stimmung kippte – es wurde hektisch. Dank meinem guten Riecher habe ich aus dem großen Paket, das von Herrchen für mich war, das Leckerli kurz entschlossen rausgerissen. Das eigentliche Geschenk, ein Affe zum Spielen, beließ ich in der Verpackung. Herrchen machte sich zum Affen: Lotta-Filipa dein Geschenk ist das andere. – Entre nous: Besinnlich ist echt anders!

Hund mit Hund © GvP
Hund mit Hund © GvP

Wie auch immer. Derweil sich Herrchen ob des Affens, den ich einfach nur albern fand, zum Affen machte, entdeckte ich einen kleinen Hund. Ein Geschenk von Omi, zu der Herrchen „Mami“ sagt. Ein super-klasse-spitze Geschenk! Ich war außer Rand und Band! Für die Zweibeiner hieß es ab sofort: Mit mir und meinem kleinen Hund spielen! Jetzt wurde es endlich besinnlich!

ich bin ein Eselsohr! © GvP
ich bin ein Eselsohr! © GvP

Naja, am ersten Weihnachtstag war ich echt geschafft! Gottlob hat Onkel Michael Herrchen ein Buch geschenkt. Zum Sujet Ich (= Hunde). Herrchen dümpelte bestens unterhalten mit Lektüre auf dem Sofa. Und mir blieb das erspart: Keine lange Tour um den See, kein Training! Das nennt sich besinnlich!

Pfoten im Neuschnee © GvP
Pfoten im Neuschnee © GvP

Am zweiten Weihnachtstag wurde ich echt überrascht. Als Herrchen mir die Türe öffnete, rieb ich mir verwundert die Augen. Irgendwas war anders als sonst. Doch dann habe ich begriffen: Das weiße Kalte – das ist Weihnachten! Ganz großes Kino, dieses Weihnachten: Wenn man drauf pinkelt, dann färbt es sich gelb…

Ein Küsschen in Ehren kann niemand verwehren

Wer kann hier "nein" sagen? © GvP
Wer kann hier „nein“ sagen? © GvP

Hundi ist ein Volltreffer! Nicht allein, weil Lotta-Filipa das Zeug hat, ein Herrchen glücklich zu machen. Auch deshalb, weil es ihr seit ihrem Einzug vor 1 ½ Jahren immer wieder gelingt, dass fremde Menschen ihrem Herrchen ein Lächeln schenken. Sogar bei dem aktuellem Mistwetter, wo man den Kragen lieber hoch stellt und die Kopfbedeckung tief ins Gesicht zieht, um schnellen Schrittes dorthin zu eilen, wo der eisige Berliner Wind nicht bläst.

Trotz garstiger Witterung verlangsamt so mancher Passant, dem wir auf unseren Runden begegnen, seinen Schritt. Offenbar will er sich ein genaueres Bild von einem kleinen schwarzen Etwas machen, dessen quirliges Wesen Lebensfreude pur signalisiert. Aus der Nähe betrachtet kommen hinzu: schelmische braune Augen, gespitzte Segelohren und ein Schwanz, der freudig wedelt. – Bislang jedenfalls kam noch kein Griesgram, dem das mistige Wetter zur Adventszeit die Laune verdorben hatte, an Hundis lebensbejahender „Leichtigkeit des Seins“ ohne Schmunzeln vorbei…

Hundi kann herzhaft lachen © GvP
Hundi kann herzhaft lachen © GvP

Und das Lächeln, das mir Unbekannte geschenkt haben, das zahlt Lotta-Filipa ihnen doppelt und dreifach heim. Indem sie an Fremden freudig hoch springt, um sich bei ihnen mit einem Küsschen dafür zu bedanken!

Nicht so schön, denke ich mir immer dann, wenn ich mit allen Regeln der Kunst versuche, Hundi vom ultimativen Sprung abzuhalten. Wobei: Noch hat sich kein Mensch darüber beschwert, dass er angesprungen wurde. Offenbar war ihm in jenem Moment, als Hundi ein Lächeln zurück geben wollte, sehr wohl bewusst, dass Lotta-Filipa nichts anderes antreibt, als Gleiches mit Gleichem zu vergelten. – Auf ihre unverwechselbare Art. Eben so wie Hunde ihrer Freude, ihrer Lebensfreude Ausdruck geben. Sie teilen das. Uneingeschränkt!