Archiv für den Monat August 2014

Herrchens Glück…

was für ein toller Hund! © GvP
was für ein toller Hund! © GvP

Abgesehen von einigen Charakterstärken wie Trotzkopf oder Richtungsanzeiger verfügt Hundi vornehmlich über solche Eigenschaften, die Herrchen glücklich machen. Lotta-Filipa begreift schnell; selbstredend auch das, was sie nicht begreifen soll. Dass man mit etwas Mühe von der Sofalehne aufs Sideboard kommt, wo verschiedentlich Dinge lagern, die nicht für den Hundegebrauch bestimmt sind, hatte sie beispielsweise ratzfatz raus. Sie ist mutig; für ein Herrchen, dem Hundis Wohlergehen Herzenssache ist, bisweilen viel zu mutig. Sie ist verspielt und dabei ideenreich. Ein Kaspar, der  Lachen macht, ein Springinsfeld, der staunen lässt. Ein Tausendsassa, der fortwährend Neues entdeckt. Kurzum: Lotta-Filipa ist ein lebensfroher Hund, der mir schwanzwedelnd  permanent vorführt, wie wenig es zum (Hunde-) Glück braucht: eine Wiese, die duftet, ein Bällchen, das rollt, ein Artgenosse zum Spielen, eine Luftröhre, die zum Himmel stinkt, oder ein Kissen zum Kuscheln.

Hundeglück © Sabine Münch
Hundeglück © Sabine Münch

Womit wir bei einer weiteren Eigenschaft wären, die glücklich macht. Hundi ist extrem verschmust und liebevoll. Wenn es um Liebkosungen oder um körperliche Nähe und Wärme geht, entwickelt Lotta-Filipa, die Hummeln im Bauch und Pfeffer im Hintern hat, einen langen Atem. Einen ganz besonders langen Atem. Streicheln? Bitte stundenlang. Und das, was Lotta-Filipa an Schmuseeinheiten bekommt, gibt sie doppelt und dreifach zurück. Handküsse in Form von feuchten Schlabbern verteilt sie noch und nöcher. Lese ich bequem auf dem Sofa, lehnt ihr Kopf an meiner Schulter, eine Pfote ruht auf meinem Bauch. Bisweilen rollt sich die Schmusekatze darauf sogar zusammen…Auf meinem Bauch. Wohl gemerkt!

Zur Freude gereicht auch Hundis Auftritt außer Haus. Lotta-Filipa sieht nett aus, sie hat Charme und ein besonders einnehmendes, freundliches Wesen. Abgesehen von solchen, die Angst vor Kaniden haben, kommt Hundi allseits gut an. Viel zu gut, denke ich mir, wenn Hundi Handküsschen in Form von feuchten Schlabbern an Unbekannte verteilt.

Das Lächeln, das Lotta-Filipa in fremde Gesichter zaubert, macht stolz. Andererseits bereitet Hundis Auftritt außer Haus mir auch Probleme. Nicht geringe. Die Begegnungen, die Hundi liebkosen und mich in Gespräche verstricken wollen, halten auf. Doppelt ärgerlich, wenn man es eilig hat. Außerdem steht mir nicht immer der Sinn danach, wildfremden Menschen erklären zu müssen, wo Lotta-Filipa herkommt oder wie ich auf diesen (tollen) Hund gekommen bin. Ganz zu schweigen von den Eltern, die anfragen, ob ihr Kleinkind Lotta-Filipa streicheln darf…

Hund kommt an... © GvP
Hund kommt an… © GvP

Probleme werfen die Begegnungen außer Haus für mein Dafürhalten inzwischen vornehmlich deshalb auf, weil sie Hundis Erziehung unterwandern. Da alle Menschen so verdammt nett zu Lotta-Filipa sind, wird sie meine Ansage: Nimm keine Leckerlis von Fremden  niemals kapieren. Und dass Hunde Menschen nicht anspringen dürfen, das kriege ich auch nicht in Hundis Hirn rein. So lange jedenfalls nicht, wie es in ihrem Fall heißt: „Och. Die darf das. Die ist ja so süß.“

Advertisements

Von Ratten und Kaninchen

das Maul voll nehmen © GvP
das Maul voll nehmen © GvP

Lotta-Filipa ist Jagdhund durch und durch. Bei ihr schlägt der Rat Terrier durch, der Rattenvernichter, der einen legendären Ruf hat. So wird ihrem Urahnen Billy nachgesagt, dass er binnen sechseinhalb Minuten 100 Ratten erledigte. Womit sich auch erklärt, weshalb der Rat Terrier Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf Farmen gehalten wurde. Vornehmlich in England und den USA. Dass die Rasse inzwischen nahezu ausgestorben ist, lag übrigens am Rattengift. Und das etwa nicht, weil die Hunde so dämlich gewesen sind, das Gift zu fressen. Mit Ausbreitung der chemischen Keule wurde der Rat Terrier für den Menschen entbehrlich. Nutzlos.

In Ermangelung von Ratten jagt Lotta-Filipa so gut wie allem nach, was sich bewegt. Fliegen beispielsweise, was sich in der Wohnung als recht nützlich erweist. Oder Schmetterlingen und Bienen. Dass sich die Ersten nicht kriegen lassen und sich die Letzteren  schmerzhaft zur Wehr setzen können, schert Hundi im Jagdfieber wenig. Außer Rand und Band gerät sie bei etwas stattlicheren Objekten. Etwa bei Enten oder Vögeln. Wobei die Letzteren Lotta-Filipa vor größere Probleme stellen als die Erstgenannten. Hundi kann mittlerweile zwar gut schwimmen, aber immer noch nicht fliegen…

gefangen! © GvP
gefangen! © GvP

Völlig außer Kontrolle  gerät Lotta-Filipa dann, wenn Wildkaninchen ins Spiel kommen. Und offensichtlich hat sich das unter den Kaninchen im Bezirk längst herumgesprochen, dass ein Herrchen seine Contenance verliert, wenn sein Hundi Hasenbraten riecht. Mittlerweile machen sich die Hasenartigen sogar einen Jux daraus. Sie begleiten uns beim Gassi-an-der-Leine bei Schritt und Tritt und warten neuerdings eigens an unserer Haustüre auf. Ein Spektakel der Extraklasse für die freilaufenden Kaninchen, wie sich ein Herrchen abmüht, einen Hund an der Leine zu bändigen, der verrückt nach Hasenbraten ist. Großes Kino für die Hasenartigen. In der Tat…

Post Scriptum: Heute habe ich erfahren, dass eine Fuchsfamilie im Revier Quartier nahm. Ein Schelm, wer sich Böses dabei denkt…