Archiv für den Monat Juli 2014

Ein Jahr mit Hundi

Heute jährt sich Hundis Einzug. Und seit einigen Tagen wäge ich ab: Sollte Lotta-Filipa mir oder ich ihr anlässlich unseres Jubiläums ein Geschenk machen?

das Team am Grunewaldsee © Sabine Münch
das Team am Grunewaldsee © Sabine Münch

Wohl haben wir uns im vergangenen Jahr bereits so viel geschenkt, dass es zum einjährigen Jubiläum nix Eigens braucht. Lotta-Filipas Spielkiste ist randvoll. Leckerlis bekommt sie sowieso und dass es abends Luftröhre oder Ochsenziemer gibt, gehört zu einem gelungenen Tag bei uns dazu. Halsbänder, Liegekissen, Schlafplätze oder Leinen – auch davon besitzen wir mehr als genug. Und was das angeht, was Hundi wirklich braucht, um glücklich zu sein, das steht täglich auf dem Programm: Auslauf, Toben mit Artgenossen, Spielen und Lernen mit Herrchen, Fressen, Schlafen…

Vice versa gilt das für Herrchen. Ich brauche zum Einjährigen kein Geschenk. Jeder Tag mit Lotta-Filpa ist ein Geschenk. Ein kleines Wunder, mit täglich immer neuen Überraschungen…

Wobei. Nicht jede Überraschung müsste sein. Gestern zum Beispiel, als sie sich ausgiebig im Morast wälzte und danach zehn Meilen gegen den Wind stank. Nervig ist, wenn Hundi mit all seiner Kraft an der Leine zerrt, weil es woanders hin oder schneller da sein will als Herrchen. Und richtig Nerven habe ich im vergangenen Jahr auch gelassen. Etwa immer dann, wenn Hundi ohne Rücksicht auf mögliche Risiken über steile Hänge oder spitzes Geröll tollt. Oder wenn sie sich mit fremden Hunden anlegt, die ihr mannshoch überlegen sind.

das Team an der Costa Blanca © GvP
das Team an der Costa Blanca © GvP

Und verschiedentlich blieb im vergangenen Jahr auch mein Herz kurz stehen. Als Lotta-Filipa ausbüxte und über eine Straße wetzte. Bei einer Nachtrunde spurlos im dunklen Park verschwand, weil sie hinter wilden Kaninchen her war. Sich im Wald eine verdammt lange Weile nicht mehr blicken ließ, weil sie auf der Fährte war. (Am Ende habe ich sie im Dickicht neben einer toten Maus gestellt.) Und – nicht zu vergessen – die großen Sorgen anlässlich ihrer Kastration oder als es darum ging, mit Hundi im Frachtraum nach Spanien zu fliegen.

Das war nicht immer Zuckerschlecken. Nein, Lotta-Filipa macht es mir nicht immer leicht. Trotzdem lautet mein Resümee: Seitdem ich vor einem Jahr auf den Hund gekommen bin, lebe ich besser. Sehr viel besser…

Ich könnte eine lange Liste mit Gründen aufmachen, warum meine Lebensqualität dank Hundi enorm zunahm. Dazu bin ich heute Abend freilich viel zu geschafft. Wir waren sechs Stunden unterwegs. Haben gespielt, sind um die Wette geschwommen, haben schwere Stöckchen geworfen und große Stöcke aus dem Wasser an Land geschleppt, sind einige Kilometer gelaufen und hatten bei alledem eine Menge Spaß…

Herrchen aus dem Haus – Hundi aus dem Häuschen?

Man hört ja so mancherlei, was Hunde alles anstellen, wenn Herrchen nicht zu Hause ist. Da werden Kissen zerfetzt, Vorhänge zu Fall gebracht, Mülleimer ausgeräumt, Kabel angefressen. Möben nehmen und Schuhe kommen zu Schaden. So verhält sich Lotta-Filipa nicht , das brave Mädchen…

was könnte ich jetzt anstellen? © GvP
was könnte ich jetzt anstellen? © GvP

Zugegeben: Anfangs traute sich Herrchen nicht aus dem Haus. Stand ein auswärtiger Termin an, dann kam Hundi entweder mit oder ein Sitter ins Haus. Solange jedenfalls, bis die Einsicht obsiegte, dass Hundi „allein zu Haus“  drauf haben m u s s. Und das möglichst frühzeitig. Was zuvörderst freilich bedeutete, dass Herrchen lernen musste, Hundi alleine lassen zu können.

Nachdem dieser Kampf  gemeistert war, wurde das Pflichtprogramm absolviert. Eben jene Exerzitien, die einschlägige Hunde-Ratgeber Haltern empfehlen. Mal kurz vor die Türe treten und lauschen, wie sich der junge Hund verhält. Den Müll runterbringen. Gegebenenfalls ein Babyphone installieren. Kein Gedöns um den Abschied und erst recht kein Gewese bei der Heimkunft machen. Etc.pp… Halter, die Ratgeber studieren und Hundetrainer konsultieren, werden wissen, was so alles geratschlagt wird. Und sie wissen auch: Grau ist alle Theorie – allein die Praxis entscheidet.

ich hab da eine Idee! © GvP
hab‘ eine Idee! © GvP

Klein-Hundi bellte nicht, jaulte nicht und machte keinen Rabatz. Anfangs verirrte es sich (auf der Suche nach Herrchen?) verschiedentlich hoch oben ins Büro. Wo es bis zu Herrchens Heimkehr festsaß, weil es die steile Wendeltreppe zwar rauf, aber alleine nicht wieder runter kam. Wohl begriff es rasch, dass man Oben nicht fündig werden kann, wenn Herrchen unten raus ist.

Um diese wichtige Erfahrung gereift, entschied Lotta-Filipa sich, unten zu bleiben. Allein im Flur, wo Herrchens Schuhe stehen. Jene , die aktuell in Gebrauch sind. Alsbald war Hundi das  doch zu doof. Lotta-Filipa zog sich ins Spielzimmer – ehemals Herrchens Wohnzimmer zurück. Mit mindestens einem Schuh. Und da Herrchen zudem die Angewohnheit hat, Socken in Schuhen zu parken, kam mindestens ein Söckchen mit.

Da die Schuhe intakt blieben, dachte sich Herrchen bei der Marotte nichts. Es traf es vielmehr tief ins Herz, dass Hundi sich Herrchens Abwesenheit mit eben dessen Socken und Schuhen vertreibt. Ärgerlich war allenfalls, dass ständig Socken fehlten. Da mochte es suchen, wo es wollte, die Socke, die ein Paar komplett macht, blieb verschwunden.

bei der Heimkehr Schuhe, aber keine Socke in Sicht © GvP
Schuhe, aber keine Socke in Sicht © GvP

Und Hundi? Machte dem sagenhaften Einfühlungsvermögen seiner Art alle Ehre. Hunde sind nämlich famos darin, menschliches Verhalten zu deuten. So auch Lotta-Filpa, bei der ein Groschen fiel: Herrchen braucht zum Glücklich-Sein eine Socke! Und Herrchen?? Na. Dessen Freude war übergroß, als die fehlende Socke schwanzwedelnd überbracht wurde.

So etablierte sich ein Ritual. Nach „allein zu Haus“ gestaltet sich die Begrüßung zwischen Herrchen und Hundi verhalten. Eben genau so, wie es die einschlägige Hunde-Ratgeberliteratur rät. Nach Überbringung der Trophäe freilich sind beide völlig außer Rand und Band…

Herrchen und das Hundeelend

Zwar scheiden sich an der Frage die Geister und die Gemüter erhitzen sich – für Herrchen stand von Anfang an fest: Nach der ersten Läufigkeit, woraufhin Lotta-Filipa sich übrigens scheinträchtig wähnte, wird Hundi kastriert. Das war klar. Die Entscheidung stand felsenfest.

hundeelend! © GvP
hundeelend! © GvP

Wohl hatte Herrchen die Rechnung nicht mit seinem inneren Schweinehund gemacht. Es schob den Eingriff vor sich her. Aus Gründen versteht sich! Erst musste sich Hundi von seiner Scheinschwangerschaft erholen, dann der Aufbaukurs in der Hundeschule absolviert werden und schließlich stand der „Tag der offenen Tür“ im hiesigen Tierheim an, wo Hundi unbedingt dabei sein wollte. Aus Gründen. Auch das versteht sich. Schließlich kommt Hundi da her.

Wider das bessere Wissen, dass Hunde jährlich mehr als nur einmal läufig werden, ließ Herrchen Zeit verstreichen. Zwar plagte ab und zu das Gewissen, weil Lotta-Filipas erstmalige Läufigkeit im Februar ein ziemlich langes Weilchen her war. Einen Termin in der Tierklinik zu vereinbaren, dazu allerdings konnte sich Herrchen nicht durchringen.

 in der Tierklinik © Sabine Münch
in der Tierklinik © Sabine Münch

Dabei schreckte der operative Eingriff weniger ab. Und zwar vornehmlich deshalb, weil Herrchen sich in Hundis Fall strikt an die Devise hält: Das Beste ist für Lotta-Filipa gerademal gut genug. Was in punkto ihrer tierärztlichen Versorgung freilich auch heißt: Koste es was es wolle… Wenn, dann beim Besten aller Chefärzte.

Kurzum: Den operativen Eingriff, der nach einer Scheinträchtigkeit ein Muss und zudem für jeden Tierarzt Routine ist, den schob Herrchen vor sich her. Und zwar deshalb, weil es sich nicht vorstellen mochte, wie es Hundi nach Narkose und Operation ergeht. Das Mitanzusehen, dass Hundi leidet, diesen Gedanken konnte Herrchen nicht ertragen. Und so saß es wider das bessere Wissen, dass in Bälde neuerlich eine Läufigkeit ansteht, die Kastration aus.

Die Uhr tickte. Bis es plötzlich unerwartet schnell (über den OP-Tisch) ging. Nach dem Stromern im hohen Gras schwoll am vergangenen Mittwoch zunächst Hundis linkes Auge zu, dann ihre Gesichtshälfte an. Herrchen ließ alles stehen und liegen. Ab in die Tierklinik – Untersuchung beim Chefarzt. Zufälligerweise bei genau jenem, auf den sich Herrchen für Hundis Kastration eingeschworen hatte. Der „Allerbeste der besten Berliner Tierärzte“ diagnosizierte eine harmlose, allergische Reaktion. Beiläufig ließ er dabei fallen, dass er tagsdarauf seinen dreiwöchigen Urlaub antritt.

armer Hund! © GvP
armer Hund! © GvP

Hundi wurde postwendend kastriert – vom Chefarzt höchst selbst. Und Herrchens Sorgen? Die bewahrheiteten sich : Nicht die OP ist das Problem, sondern ein Halter, dessen Nerven beim Anblick eines leidenden Hundes blank liegen…

BTW: Hundi geht es inzwischen wieder gut und Herrchen besser. Richtig gut geht es ihm freilich erst nach dem Fädenziehen am kommenden Sonntag. Dann nämlich, wenn der junge Springinsfeld wieder toben, tollen, spielen und rasen darf.