Ich sehe was, was du nicht siehst!

Wieder viel dazu gelernt gestern in der Hundeschule. Herrchen zuvörderst, das in punkto Hundeerziehung bisweilen auf der langen Leine, gemeint: auf der langen Leitung steht. Trainer Markus, dem der Schweiß ob der großen Hitze in der Großstadt sowieso auf der Stirne stand, musste gleich zu anfangs ziemlich viel Geduld aufbringen, um Herrchen zu verklickern, dass Leinenläufigkeit beim Hund eben nicht meint, selbigen an langer Leine freien Lauf zu lassen. Herrchen machte große Augen und Hundi biss sich in den Schwanz. „Wie bekloppt ist der denn? An kurzer Leine mache ich mit Herrchen keinen Schritt!“

Schulstunde © Sabine Münch
Schulstunde © Sabine Münch

Das fing gestern gut an – im Aufbaukurs Grundgehorsam beim Dog Coach! Amused war Lotta-Filipa jedenfalls nicht. Bereits die nächste Einheit „Begegnung Mensch/Hund“ provozierte ein Kopfschütteln. Die Halter waren angehalten, Abstand zu wahren, einen Bogen zu machen und ihre Hunde ohne viel Tamtam und Leinenzwang aus der möglichen Kampfzone zu bringen. Hundi tippte sich an die Stirn: „Distanz halten, wenn ein Artgenosse und potentieller Spielgefährte auf mich zu kommt? Nur drauf los!! Zweibeiner verstehen nichts von Vierbeinern!“

Ihren Glauben an das Know-How, das Einfühlungsvermögen und schlussendlich auch an die Zurechnungsfähigkeit der Hundehalter, -versteher und -flüsterer verlor Hundi vollends, als es gestern darum ging, bei Fuß einen reißenden imaginierten Fluss mit Herrchen zu überqueren, dem zudem die Aufgabe gestellt war, eine Hängebrücke für sich und seinen Vierbeiner aus Versatzstücken zu konstruieren. Während sich Herrrchen mühte, aus Stückwerk etwas zusammenzubauen, auf dem sich bequem „sitz“ machen ließ, lachte sich Hundi einen Ast: „Da geh‘ ich nicht rüber. Ich bin doch nicht lebensmüde!“

"sitz" perfekt  © GvP
„sitz“ perfekt © GvP

Und dann die Krönung dessen, was sich gestern unter der Rubrik „ich sehe was, was du nicht siehst“ subsummieren lässt: die imaginierte Bordsteinkante. Jene Schwelle, die Hundehaltern Schweiß auf die Stirn und unter die Achseln treibt. Macht Hundi „halt“, „sitz“, „warte“ bis Herrchen das Abbruchsignal gibt? Keine Gefahr in Sicht. Kein Auto, kein Kinderwagen, kein Fußgänger… „Gehen!“

Und Lotta-Filipa? Tippt sich abermals an die Stirn. „Sehe ich nicht, was du da siehst. Du hältst mich wohl für deppert? Das ist Klebeband – und keine Bordsteinkante!“

 

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