Archiv für den Monat April 2014

Ins kalte Wasser springen

Ihren Stammbaum nimmt Lotta-Filipa genau, deren Gene zu satten Zweidritteln der Rat-Terrier dominiert. Fast  könnte man meinen, ihre Abstammung nimmt Hundi etwas zu genau. Hundi ist nicht nur Jagdhund – durch und durch – und ein Sprinter, der seinesgleichen sucht. Hundi ist auch – eine Wasserratte.

na, geht doch © Sabine Münch
na, geht doch © Sabine Münch

Blumen gießen mit Lotta-Filipa? Vergesst es! Hundi macht rund um die Gießkanne so viel Zinnober, dass den dürstenden Pflanzen nichts vom labenden Elixier verbleibt. Speiende Fontänen und Springbrunnen? Perfekte Orte für einen jungen Springinsfeld, der Wasser liebt. Gartenschläuche? Nur her damit – Mach mich nass! Fehlte nur noch, dass Lotta-Filipa mit Herrchen unter die Dusche steigt…

jetzt hab' ich den Dreh raus! © Sabine Münch
jetzt hab‘ ich den Dreh raus! © Sabine Münch

Obwohl das Nass ihr Element ist: ins tiefe Wasser traute sich Lotta-Filipa bislang nicht. Zwar musste sie verschiedentlich schon ordentlich paddeln, weil der Trieb, Enten nachzujagen, stärker als die Befürchtung gewesen ist, den festen Boden unter den Pfoten zu verlieren. Freilich hatten Hundis hektische Versuche, irgendwie wieder Fuß  zu fassen, mit Schwimmen wenig am Hut.

Und dann gestern das. Hundi schwimmt. Gekonnt! Und zwar etwa nicht hinter Enten her, sondern einem Stöckchen hinterher!

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Wo ein Wille, da ein Weg…

Heute wurde in der Hundeschule Tacheles geredet. Mit Herrchen! Nicht mit Hundi.
Kaum angekommen, zog es Hundi wieder zum Ausgang: „Sollen die Anderen Männchen machen. Ich will draußen spielen!“

sollen doch die Anderen Männchen machen! © GvP
soll doch Herrchen Männchen machen… © GvP

Mit vorwurfsvoller Mine mühte sie sich ein „sitz“ ab. Das war’s dann auch. Hundi bockte. Und da es offensichtlich eine ziemlich genaue Vorstellung davon hat, wie Herrchen pariert, begann es herzzerreißend zu fiepen und zu wimmern. „Das ist so schrecklich hier. Wie kannst du mir das antun? Draußen scheint die Sonne!“ Nach gut 40 Minuten gab Herrchen auf. Hundi`s Leid war ihm zu viel.

Und Hundi? Feixte sich einen, als die Trainerin mit Herrchen Tacheles redete: „Strategisch clever von Lotta-Filipa. Die hat dich in der Hand, Gesine. Nur mit Zuwendung, Empathie und Hingabe erzieht man keinen Hund.“

Hundi jährt… Ein Glück!

In wenigen Tagen steht Lotta-Filipas erster Geburtstag an. Nun gut: So genau weiß man nicht, wann Hundi geboren wurde. Schließlich ist sie ein Findlung, der am 6. Juni 2013 in einem Pappkarton am Berliner Lietzensee von aufmerksamen Passanten gefunden und ins Tierheim gebracht wurde. Gemutmaßt wurde, dass sie damals zwischen sechs und acht Wochen alt gewesen ist.

im Juli 2013 - noch so klein und etwas verunsichert... © Sabine Münch
im Juli 2013 – so klein und noch unsicher… © Sabine Münch

Der Tierarzt im hiesigen Tierheim fackelte jedenfalls nicht lange. Er schrieb in ihrem Heimtier-Ausweis fest, dass Hundi im April 2013 zur Welt gekommen ist. Wo? Steht in den Sternen. Ebenso unter welchen Umständen Hundi zur Welt kam.

Nicht ausmalen mag man sich, welch‘ Schicksal Hundi beschieden gewesen wäre, so sich die Spaziergänger  ihrer am Lietzensee nicht angenommen hätten. Vemutlich ist Hundi ein Wühltischwelpe. So der Jargon für Hundebabys, die viel zu früh vom Muttertier getrennt werden, um zu Spottpreisen auf Märkten, Autobahnraststätten oder im Internet feilgeboten zu werden. Die Welpen kommen unter unsäglichen Bedingungen in Massenzuchtanlagen zur Welt. Sie erhalten wenig zu fressen und kaum zu trinken. Vegetieren in dunklen und verdreckten Verließen. Ohne soziale Kontakte – weder zu Menschen, noch zu Ihresgleichen. Ihr Leid ist vorprogrammiert. Auch Hundi war sterbenskrank, als es im Berliner Tierheim abgegeben wurde.

im April 2014 - groß, stark und vorwitzig © GvP
im April 2014 – groß, stark und vorwitzig… © GvP

Die Chancen, dass Wühltischwelpen ein langes oder womöglich sogar ein glückliches Hundeleben führen, sind denkbar gering. Wenige überleben das erste Jahr. Andere kränkeln zeitlebens an Körper und Seele. Sie reagieren auf Menschen überängstlich oder aggressiv.  So gesehen hatte Lotta-Filipa, obwohl sie ein Findling und vermutlich ein Wühltischwelpe ist, verdammtes  Glück. Hundi entwickelte sich gar prächtig, ist fit , fidel, fühlt sich „pudelwohl“. Last but not the least: Lotta-Filipa jährt im April. Erstmals. Herrchen oblag lediglich die Qual der Wahl: wann genau im April?

Die Entscheidung für Hundis Geburtstag fiel am 20. Juli 2013. An jenem Tag nämlich, als Hundi aus dem Tierheim nach Steglitz umzog. Neunmalschlau dachte sich Herrchen das: Damit Geburt und Ankunft zu Hause zusammenfallen, jährt Hundi zukünftig am 20. April.

BTW: Sollte irgendwer Superschlaues beim Datum an Böses denken: Heuer fällt Hundis Geburstag  auf einen Ostersonntag , an dem bekanntlich der Auferstehung gedacht wird. Das passt ebenfalls nahezu perfekt: Nach Hundis Einzug in Steglitz musste Herrchen ganz früh aufstehen. So lange jedenfalls, bis Lotta-Filipa morgens um Fünfe nicht mehr musste.

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