Kann dich (nicht) riechen

Über die Phasen unserer Beziehung wurde hier schon manches berichtet. Eher wenig darüber, wie Hundi zu ihresgleichen steht. Ich mag dich, ich kann dich nicht riechen. – Wie Hunde miteinander umgehen. Das ist eine Frage, die Halter vielfach umtreibt, bisweilen sogar aufreibt.

Mich nicht? Ist Hundi sozial etwa besonders verträglich? Ein Hund, der Artgenossen durch die Bank weg lieb hat, und sich bestens darauf versteht, potentiellen Konflikten aus dem Weg zu gehen?

Bedenke ich es recht, dann hat Hundi in ihrem Verhältnis zu seinen Artgenossen spezifische Phasen durchgemacht. Altersgerechte?

Hundi mit Kumpel Paula © Sabine Münch

Abgesehen von Boxern, die ihr damals sichtlich Angst machten, waren anfangs alle Hunde toll. Jeder wurde wedelnd begrüßt. Das Problem in dieser Phase: kaum ein Artgenosse interessierte sich für einen tapsigen Welpen namens Lotta-Filipa.

Kaum aus den Kinderschuhen entwachsen, plagte Hundi eine Phobie gegen Groß und Schwarz. Und das obschon Lotta-Filipas bester und ältester Kumpel Paula ein mittelgroßer schwarzer Hund ist, von dem sie sich im zarten Welpenalter viel abgeguckt hat. Anfangs äußerte sich ihre Aversion noch in Schwanz-Kneifen und Aus-dem-Weg-gehen-Wollen, später dann in kläffenden Allmachtsphantasien. Je größer der Hund, desto anhaltender und lauter wurde gebellt: Komm nur her, dich mach ich klein!

Noch keine drei Jahre alt, entwickelte Lotta-Filipa territoriale Ansprüche. Fremde Hunde im Steglitzer Kiez wurden mit böser Mine des Weges verwiesen und Einheimische, darunter auch Alteingesessene, die sehr viel länger im Kiez leben als Hundi, angekläfft. Mein Revier! Du hast hier nichts zu suchen.

Neuerdings, so meine ich zu beobachten, zeigt sich Lotta-Filipa im Umgang mit anderen Hunden konziliant (arrogant?). Alteingesessene und einheimische Hunde im Steglitzer Revier werden demonstrativ ignoriert (achtlos daran vorbeigegangen). Große und mittelgroße schwarze Hunde gelassen taxiert (ihr könnt mir eh nichts). Und Hunde, die demonstrativ Kontakt suchen, bisweilen sogar brüskiert: Nicht meine Kragenweite!

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Die Halter im Kiez

Vor vier Jahren, genauer gesagt: am 20. Juli 2013, zog Klein-Hundi bei mir in Steglitz ein. Zeit genug also, um ihr Wesen, ihre Reaktionen und Vorlieben zu studieren. Längst kenne ich Lotta-Filipa aus dem FF. – Wie die Hunde und Halter im Kiez inzwischen auch.

Lotta-Filipa © Sabine Münch

Lange Zeit hielt ich es wie Lotta-Filipa : habe mich auf die Hunde konzentriert. Mit wem im Kiez steht sie auf Du und Du? Wen kann sie weniger gut riechen und welchem Artgenossen, der uns im Steglitzer Revier entgegenkommt, gehen wir besser aus dem Weg? Erst nach Monaten dämmerte mir, dass ich diesen Job Lotta-Filipa überlassen sollte. Sie kennt sich mit Ihresgleichen sehr viel besser aus als ich. Noch dazu hatte ich nun die Erfahrung gemacht, dass vielfach nicht die Hunde, sondern deren Halter das Problem sind.

Da gibt es die Sonambulen im Kiez. Nix gegen Traumwandler, aber ein Auge auf seinen frei laufenden Hund sollte man gelegentlich werfen.  Gilt selbstredend auch für jene, die sich statt mit dem Hund mit dem Handy beschäftigen.

Dann gib es solche, die einen Hund offenbar hauptsächlich zu dem Zweck halten,  soziale Kontakte zu anderen Hundehaltern zu knüpfen. Die einen – schlimmstenfalls während der ersten Gassirunde in Allerherrgottsfrühe – in Gespräche verstricken. Aus dem Weg – und zwar nicht nur Frühmorgens – sollte man tunlichst auch jenen Haltern gehen, die keinen blassen Schimmer davon haben, wie Hunde ticken. Die nicht wissen, was es bedeutet, wenn ein Hund den Schwanz kneift. Die ihren mit Karacho auf einen anderen zu rennen lassen, obwohl der sich demonstrativ quiekend auf den Rücken wirft.

In die Kategorie Worst Case fallen auch jene, die die schlechten Seiten ihres Hundes á la „Der tut nichts!“ oder „Das hat der noch nie gemacht!“ herunterspielen. Nicht viel besser sind allerdings auch diejenigen, die aus Liebe zum eigenen Hund erblindet sind. Die  Mobbing mit dem Kommentar „ist das nicht süß, wie meiner hinter Ihrem Hund her ist?“ versehen.

an kurzer Leine © GvP

Von jenen, die ihren Hund so gar nicht im Griff haben, müssen wir hier nicht zu reden. Dafür von einer Spezies, die uns im Kiez das Fürchten lehrte. Jene Halter, die ihrem Hund zwar lange Leine lassen. Ihm aber nichts zutrauen. Dem eigenen Hund nicht vertrauen. Die die Flexileine ebenso wenig unter Kontrolle haben wie ihren Hund,  den sie in fünf, sechs oder gar in acht Meter Entfernung laufen lassen. Die unfähig sind, ihren Hund zu stoppen, und hilflos zuschauen, währenddessen sich die Flexileine mit Lotta-Filipas Leine verheddert und dann um meine Beine wickelt. Ein gemeingefährlicher Kontrollverlust. Für Hundi und mich – für den Flexileinenhalter und den Hund , der daran hängt.

Kurzum: Seitdem wir die Runden im Kiez unseren Fähigkeiten entsprechend auskundschaften, läuft Gassi im Revier zumeist rund. Lotta-Filipa beäugt die Artgenossen und gibt mir unmissverständlich zu verstehen, wem wir auf der Tour aus dem Weg gehen sollten. Nie trügt sie ihr feines Gespür für die Launen der Hunde im Revier. „Du, der kleine Kläffer, der Rehpinscher, der mir nicht zum Bauch reicht, der ist heute echt schlecht drauf.“ Wir wechseln die Straßenseite.

Ich konzentriere mich auf die Halter. Meine ernüchternde Erkenntnis nach vier Jahren: Wir gehen mehr Haltern als Hunden aus dem Weg.

Events rund um den Hund

Bisweilen fasst man sich dann doch an den Kopf, was man als Hundehalter so alles tut. Um dem geliebten Vierbeiner gut zu tun. Bei Wind und Wetter raus. Rohes Fleisch zerteilen, obwohl es einen anwidert. Den Geruch von Pansen und Blättermagen ertragen, obwohl das zum Himmel stinkt. Im Fell nach Zecken suchen, obschon man sich vor den Viechern ekelt. Unter Dornenhecken kriechen, weil da ein Bällchen liegt. Gespräche auf Hundewiesen führen, die lediglich ein Thema kennen: Hunde. – Petitessen, die völlig in Ordnung sind.

lieber im Freien © GvP
Überkandidelt ist ein Halter dann, wenn er mehr als das tut, was im Alltag mit Hund Normalität ist. Normal ist, weil es dem Hund gut tut. An den Kopf fassen sollte er sich dann, wenn Veranstaltungen, Messen oder Events mit dem Hund einplant sind, die rund um den Hund Tamtam machen. Dann sind Hopfen und Malz verloren.

Ich gehöre zu jener einfältigen Hundehalter-Spezies bei der das Event-Marketing verfängt. Zwar bin ich mir bewusst, dass Veranstaltungen rund um den Hund nicht den Zweck haben, Hunde zu bespaßen. Sondern auf mein Geld aus sind, das ich für Hundi gerne locker mache. Trotzdem treibt es mich mit Lotta-Filipa hin und wieder zu Events rund um den Hund hin. Frei nach dem Motto: Informieren schadet bekanntlich nicht. Und Hundi? Könnte ja Spaß daran haben …

Deshalb haben wir im vergangenen Jahr „House of Dogs. Die Messe für Hunde“ im Berliner Postbahnhof besucht. War ein Flopp – kann man hier nachlesen.  Am vergangenen Wochenende waren wir – schon zum zweiten Mal – beim Hundetag im Berliner Tierpark dabei. Obschon sich Hundi vor zwei Jahren – wider meine hochgesteckten Erwartungen – kein bißchen für die Tiere dort interessiert hat – das frustrierende Erlebnis kann man gerne hier nachlesen.

Da Lotta-Filipa inzwischen erwachsen geworden ist, schien mir die Zeit für einen abermaligen Besuch im Berliner Tierpark gekommen. Im Alter von vier Jahren, dachte ich mir,  wird Hundi – verdammt noch mal – doch endlich die Reife haben, um anderen Lebenwesen aus der Tierwelt Anteil zu zollen.

lieber mit Kumpels © Sabine Münch
Ich sollte Recht behalten. Hundi war mit Eifer dabei. Jeder Artgenosse, der unseren Weg im Tierpark kreuzte, wurde neugierig beäugt, meist sogar freudig begrüßt. Egal ob Edelrasse oder Mix, von kräftiger oder zarter Statur, ob Draufgänger oder Angsthase. Und das  – obwohl sich Lotta-Filipa unter anderen Umständen mit fremden Hunden selten gemein macht. Die Tiere in den Gehegen und Käfigen hingegen strafte sie mit Missachtung. Gerade so als wolle sie mir zu verstehen geben, artgerecht ist diese Haltung nicht. Tiere brauchen Freilauf!

Die Lehre saß. Events rund um den Hund mit Hundi lassen wir zukünftig sein. Artgerecht ist das nicht.